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Entspannung

Stressabbau durch Auszeiten? 

Menschen, die durch eine längere selbst gewählte oder erzwungene Auszeit plötzlich Abstand zum Berufsalltag gewinnen, haben mitunter Schwierigkeiten, in den beruflichen Alltag zurückzufinden. Wir erklären, worauf man achten sollte, wenn man durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder selbst gewählte Auszeiten der Routine für längere Zeit den Rücken kehrt.

Sabbatical und selbst gewählte Auszeiten

Der Gedanke ist verlockend: Endlich für mehrere Monate oder ein ganzes Jahr raus aus dem Trott, zu sich selbst finden, Stressabbau radikal. Die Idee des sogenannten Sabbaticals stammt ursprünglich aus den USA. In der Regel werden diese vom Arbeitgeber unterstützten längeren Auszeiten vom beruflichen Alltag nicht mit Nichtstun verbracht, sondern dienen oft einer im weitesten Sinne gedachten Um- oder Neuorientierung – man ist also nicht untätig, sondern denkt kreativ und hochmotiviert über die eigenen beruflichen Möglichkeiten nach.

Modelle wie Elternzeit oder Familienpflegezeit sind im Grunde zweckgebundene Spielarten der beruflichen Auszeit: Die Berufstätigkeit wird für einen bestimmten Zeitraum aufgegeben – die Perspektive der Rückkehr in den Beruf ist in der Regel Bestandteil dieser speziellen Auszeitmodelle. Hier stehen allerdings nicht Stressabbau und Burnout-Prävention oder die Idee einer entspannenden Selbstfindungsphase im Vordergrund. Im Gegenteil: Kinderbetreuung und Pflege von Familienangehörigen ist meist nur mit einer anderen Art Stress verbunden. Das macht es mitunter schwierig, den beruflichen Anschluss nicht zu verlieren. Entscheidend ist aber auch hier immer die Motivation.

Fort- und Weiterbildung bei Arbeitslosigkeit

Unfreiwillige Auszeiten wie Arbeitslosigkeit sind keineswegs stressfrei. Man hat zwar mehr Zeit, aber zugleich auch weniger Geld und steht überdies in der Regel unter Druck der Agentur für Arbeit, innerhalb kurzer Zeit eine neue Arbeitsstelle zu finden. Hinzu kommt oft der soziale Druck durch Familie und Freundeskreis. Eine weitere Quelle für Stress durch Arbeitslosigkeit kann die ungewollte und ungewohnte Unterforderung sein. Auch deshalb ist es von größter Wichtigkeit, offizielle Fort- und Weiterbildungsangebote zu nutzen oder aber eigeninitiativ tätig zu werden, indem man beispielsweise eine Fremdsprache erlernt oder sich sonstiges Know-how aneignet. Das scheinbare Paradoxon, dass gerade ein Mehr an Tätigsein zu weniger Stress führt, löst sich auf durch die Unterscheidung zwischen positivem Stress und negativem Stress. In Verbindung mit hoher Motivation wird eine Belastung sich nicht negativ durch die vermehrte Bildung von Stresssymptomen auswirken.

Nach längerer Krankheit zurück in den Job

Wer durch längere Krankheit zwangsweise eine Auszeit auferlegt bekommt, leidet doppelt. Zum einen durch den mit jeder längeren Erkrankung verbundenen Stress, zum anderen durch die Sorge, den Anschluss an den Job zu verlieren. Anders als der vorübergehend Arbeitslose haben Erkrankte meist keine Möglichkeit, sich fortzubilden – das Bemühen um die Wiedererlangung der Gesundheit steht klar im Vordergrund. Dies gilt im besonderen Maße für durch einen langfristig erhöhten Stresslevel mitbedingte Erkrankungen wie Depressionen oder Herz-Kreislauferkrankungen. Hier wäre, anders etwa als bei einem komplizierten und langwierigen Beinbruch, jeder Gedanke an die Arbeit schon eine Belastung. Je nach Art und Grad der Erkrankung und der individuellen Prognose bieten viele Arbeitgeber Modelle der Wiedereingliederung an. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz erfolgt zunächst stunden- oder tageweise und kann auch mit einem Wechsel in andere Aufgabenstellungen verbunden sein. Durch diesen langsamen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt wächst die Motivation des Rückkehrers.

Immer wichtig: Selbstdisziplin

Ganz gleich, aus welchen Gründen eine Auszeit angestrebt wird – ist die Rückkehr in den Job fest eingeplant, sollte vor allem das Niveau der Selbstdisziplin während der Auszeit gewahrt werden. Wo der Schlendrian erst einmal einige Monate regiert, bleibt er meist erhalten. Um diesen selbst gezüchteten inneren Schweinehund jederzeit wieder an die kurze Leine nehmen zu können, sollten Schlendriangefährdete sich während der Auszeit beispielsweise ein Sport- und Fitnessprogramm auferlegen. Das sorgt für die Aufrechterhaltung der nötigen Disziplin und stärkt überdies die Gesundheit.