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Familie

Alkohol - Prävention für Jugendliche

Flatrate-Saufen, Komasaufen und Alkoholexzesse auf dem Pausenhof: Es vergeht kaum mehr ein Tag ohne Meldungen über minderjährige Alkoholopfer. Zum Glück endet nicht jeder Promillerausch wirklich im Koma, doch langfristig gesehen drohen neben ernsthaften organischen Schädigungen vor allem der Leber und des Hirns auch die soziale Isolation und der Marsch ins schulische oder berufliche Abseits. Eltern tun deshalb gut daran, ein waches Auge auf die Trinkgewohnheiten ihres Nachwuchses zu haben.

Schlechte Vorbilder

Vielleicht kennen Sie diesen bitterbösen Witz. Sitzt ein Mann sturzbesoffen an der Theke und lallt: "Wisst ihr, warum ich saufe? Weil mein Sohn mit 16 schon Alkoholiker ist!" Es gehört wenig Fantasie dazu, sich auszumalen, dass zuvor das Elternhaus eine gewisse Vorbildfunktion für den Sohn hatte. In der Tat werden unsere Kinder systematisch zu Alkoholikern erzogen – und dies sogar in allerbester Absicht. Denn zur Geselligkeit gehört nun einmal Alkohol. Kein familiäres Beisammensein ohne Schnäpschen, keine Grillparty ohne Ströme von Bier, kaum eine Feier unter Kollegen, bei der nicht kräftig gebechert und anderentags stolz über Filmrisse und deren Folgen berichtet wird. Wer nicht mithält, ist ein Schlappschwanz. Im Kreis der Jugendlichen selbst geht es dann auf exakt dieser Ebene weiter: Komm, trink mit uns, heißt es. Nimm doch noch einen, sagen die anderen. Na los, du Spaßbremse, einen noch. Und natürlich will man keine Spaßbremse sein – und trinkt weiter mit. Wer trinkt, ist schließlich lustig und hat mehr Spaß. Das sieht doch jeder – schließlich wird, wo die Flaschen kreisen, nach Herzenslust herumgealbert, gekichert, geschäkert und gelacht. Was nicht weiter schlimm wäre, würde der Alkohol nicht eine wichtige Funktion des Gehirns mit jedem Schluck ein Stückchen weiter außer Kraft setzen: die Fähigkeit, das rechte Maß zu erkennen. Die Alten machen es vor, die Jungen machen es nach. Unser Appell an alle Eltern, Großeltern und erwachsenen Geschwister: Macht eure Kinder, Enkel und Geschwister nicht zu Säufern. Alkohol ist und bleibt eine Droge, die abhängig, süchtig und kaputt macht. Nicht anders als die zu Recht verteufelten sogenannten harten Drogen, höchstens etwas langsamer.

Stärke gegen Gruppenzwang

Doch leider fruchten solche Appelle an die Vernunft der Erwachsenen wenig. Und wenn doch, bleibt die Gefahr, dass die eigenen Kinder im Freundeskreis zu Alkoholsüchtigen umerzogen werden. Denn der Gruppenzwang ist stark, Außenseiter werden nicht geduldet. Um diesem Mechanismus vorzubeugen, sollten Eltern es nicht bei mahnenden Appellen belassen, nicht so viel zu trinken. Wichtiger ist eine Erziehung, die den eigenen Kindern von Anfang an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gibt. Das kann durch das Erlernen eines Musikinstrumentes, fremder Sprachen, durch sportliche oder künstlerische Erfolge oder die Aneignung anderer außergewöhnlicher Fähigkeiten geschehen. Ganz wichtig: Dem Kind zeigen, dass man ihm etwas zutraut. Das macht Kinder stark. Wer stark ist, hat es nicht nötig, die Anerkennung anderer durch Höchstleistungen im Alkoholkonsum zu gewinnen. Freunde, die das nicht einsehen, verdienen es nicht, unser Freund oder unsere Freundin zu sein. Selbstbewussten Kindern fällt es leicht, hier die Konsequenzen zu ziehen.

Probleme hinter dem Alkohol

Doch nicht immer sind es die anderen, die durch schlechtes Vorbild oder Gruppenzwang zum Alkoholkonsum verführen. Nicht selten stecken hinter jugendlichem Alkoholkonsum handfeste Probleme, mit denen der oder die Jugendliche nicht fertig wird. Liebeskummer, Probleme in der Schule, am Ausbildungsplatz, Stress mit den Eltern – eine Vielzahl von Gründen kann dazu führen, sich mit Alkohol oder anderen Drogen einer als belastend empfundenen Wirklichkeit vorübergehend zu entziehen, sich zu betäuben, den Weltschmerz zu lindern. Hier als Eltern zu helfen, ist nicht einfach. Denn diese Probleme lassen sich nun mal nicht durch gut gemeinte Ratschläge wegdiskutieren. Diesen Problemen muss man sich stellen, aber das kann schmerzhaft sein – auch für die Eltern. Und nicht immer dringt man zu seinem eigenen Kind durch. In solchen Fällen sollten Eltern unbedingt professionelle Hilfe zu Rate ziehen, beispielsweise von Suchtberatungsstellen. Wenn Sie als Eltern den Eindruck haben, dass familiäre Probleme Auslöser für den jugendlichen Alkoholismus sein könnten, ist unter Umständen auch familientherapeutische Hilfe sinnvoll. Schämen muss sich niemand – Alkoholismus ist weit verbreitet und zieht sich durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten. Und Hilfsangebote sind dazu da, dass man sie nutzt.

Cocktail-Party ohne Alkohol

Regen Sie bei Ihren Kindern doch mal an herauszufinden, wie spaßig und überhaupt nicht langweilig eine alkoholfreie Cocktail-Party sein kann. Allein schon die Auswahl der Zutaten, das professionelle Mixen, das lustvolle Dekorieren, das gekonnte Servieren und die belebende Frische dieser Getränke könnten einen schon fast süchtig machen. Und das wäre in diesem Fall noch nicht einmal schlimm. Wir empfehlen Ihnen zur Anregung "Drinks ohne Alkohol" von Alessandra Redies (erschienen bei Gräfe & Unzer, 3. Auflage 2006, 7,50 Euro). Wohlsein!