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Familie

Die Krätze - Wieder auf dem Vormarsch

Das ist wirklich nicht zum Aushalten: Der extreme Juckreiz fordert zum Kratzen geradezu heraus. Dazu zeigen sich Knötchen oder Bläschen, die Haut ist gerötet, schuppig und krustig. Bei diesen Symptomen besteht auch hier und heute ein Verdacht auf Krätze. Die Zahl der gemeldeten Fälle und die der verordneten Medikamente nimmt in den letzten Jahren in Deutschland kontinuierlich zu.

Personen aller Altersgruppen und Bevölkerungsschichten können betroffen sein, jedoch ist die Ansteckungsgefahr dort am höchsten, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen. Schlechte hygienische Bedingungen verstärken das Risiko. Der Krankheit ist mit Medikamenten und entsprechender Hautpflege durchaus beizukommen, wichtig ist allerdings, dass sie frühzeitig erkannt und der starke Juckreiz nicht auf die leichte Schulter genommen wird. Aus falscher Scham nicht zum Arzt zu gehen ist mit Sicherheit der falsche Weg.

Alles andere als ein harmloses Ekzem

Das Leitsymptom gab der Hauterkrankung ihren Namen: Die stark juckenden Hautpartien verleiten zum Kratzen! Krätze wird verursacht durch Parasiten, kleine Milben, die in die obere Hautschicht eindringen und hier ihre Eier ablegen. Neben den beschriebenen typischen Hautveränderungen sind mitunter sogar die winzigen bogenförmigen Bohrgänge der Krätzmilben erkennbar. Die Tiere selbst sind mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar, selbst die etwas größeren Weibchen erreichen nur ein Länge von einem halben Millimeter. Trockene und warme Hautpartien wie Zwischenräume von Fingern und Zehen, Kniekehlen und Armbeugen oder Genitalien und Po sind am häufigsten betroffen, in seltenen Fällen allerdings zeigen sich die Symptome auch an Kopf und Rücken. Fast immer verstärkt sich der Juckreiz nachts und generell bei Wärme.

Diagnose und Therapie

Bei einem Verdacht auf Krätze sollte umgehend eine Arztpraxis aufgesucht werden. Die sichere Diagnose erfolgt nach einer sorgfältigen Untersuchung der Haut. Mit einem Dermatoskop können die winzigen Tiere an den Öffnungen ihrer Gänge entdeckt werden. Unter dem Mikroskop werden Milben, Eier oder Kotreste in Hautproben sichtbar. Ziel der Therapie ist das vollständige Abtöten von Milben, Eiern und Larven. Das vom Arzt verordnete Mittel bitte nach Anweisung anwenden, um Rückfälle zu vermeiden. Kontrolltermine auf jeden Fall wahrnehmen, denn manchmal muss die Behandlung wiederholt werden. Wichtig sind auch die begleitenden Maßnahmen wie das Waschen von Handtüchern, Bettwäsche und Unterwäsche bei 60 °C. Zusätzlich sollten Polstermöbel und Kissen sorgfältig gereinigt werden, obwohl eine Übertragung meist nur durch einen intensiven Hautkontakt erfolgt.

Auch wenn es schwerfällt: Bitte nicht kratzen!

Das ständige Aufkratzen der Haut öffnet auch anderen Erregern Tür und Tor. Weitere Entzündungen sind nicht ausgeschlossen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt lindernde Maßnahmen. Pflegende Cremes helfen der Haut bei der Regeneration. Trotzdem können der Juckreiz und die Hautveränderungen noch über die abgeschlossene Behandlung hinaus anhalten. Dann spricht man vom postskabiösen Ekzem. Auch hier führt Kratzen nicht zur Besserung. Kortisonpräparate und fetthaltige Salben bieten der Haut Schutz.

Keine falsche Scham

Eine Krätzediagnose muss nicht peinlich sein, sie ist nicht notwendig ein Hinweis auf mangelnde Hygiene. Sehr häufiges Waschen und Duschen etwa kann die Haut stark austrocknen und so anfälliger machen für den Befall mit den Milben. Gerade enge Kontaktpersonen wie Familienangehörige und gute Freunde sollten unbedingt informiert werden. Denn ein enger körperlicher Kontakt, etwa Kuscheln oder Schlafen in einen gemeinsamen Bett, ist für einige Zeit

FAQ's zur Krätze

Sie haben Fragen zur Krätze, auch Skabies genannt - Wir antworten Ihnen!

Was ist eigentlich Krätze?

Krätze, auch Skabies genannt, ist eine ernsthafte Hauterkrankung, die durch Krätzmilben verursacht wird. Die auf den Menschen spezialisierten Parasiten sind winzig: Männliche Exemplare werden bis zu 0,3 mm groß, weibliche bis zu 0,5 mm. Die durch die Milben geschädigte Haut kann sich großflächig entzünden. Ein starker Juckreiz macht den Betroffenen schwer zu schaffen, indem er zu dauerhaftem Kratzen verleitet.

Wie entsteht Krätze?

Die befruchteten Weibchen graben sich in die oberen Hautschichten ein, wo sie ein regelrechtes Tunnelsystem anlegen. In den Gängen legen die Weibchen ihre Eier ab, lassen aber auch ihren Kot zurück. Nach zwei bis drei Tagen schlüpfen Larven aus den Eiern, begeben sich an die Hautoberfläche und entwickeln sich in winzigen Hautfalten zu Nymphen und etwa drei Wochen später zu geschlechtsreifen Milben. Während die männlichen Milben nach der Befruchtung absterben, überleben die weiblichen Exemplare bis zu 60 Tage in ihrem Gängesystem. Die winzigen Kotreste führen zu Entzündungen der Haut. Zusätzlich ist die geschädigte Haut anfällig für alle Arten von Bakterien.

Welches sind die typischen Symptome von Krätze?

Hauptsymptom ist ein sehr starker Juckreiz an den betroffenen Stellen. Die Milben bevorzugen dünne, warme Hautpartien, also: Zwischenräume von Fingern und Zehen, Achselhöhlen, die Region hinter den Ohren, Kniekehlen und Armbeugen, Nabelbereich, Brustwarzenhof, Knöchel, innere Fußränder und Genitalbereich. Bei Säuglingen und Kleinkindern können auch der behaarte Kopf sowie Hand- und Fußflächen betroffen sein. Die Haut ist gerötet, es bilden sich Knötchen oder Bläschen, mitunter sind auch die bogenförmigen Gänge erkennbar. Meist verstärkt sich der Juckreiz unter Wärme.

Gibt es diese Erkrankung in Deutschland überhaupt noch?

Tatsächlich sind weltweit laut WHO etwa 300 Millionen Menschen an Krätze erkrankt. In Ländern mit tropischem Klima sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung infiziert. Doch auch in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle bekannt mit deutlich ansteigender Tendenz. Ein Beleg dafür sind die Zahlen der verordneten Krätzemittel in dem jährlich veröffentlichten Arzneiverordnungs-Report.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Erst zwei bis fünf Wochen nach einer Erstinfektion treten die Symptome auf, bei einer Wiederansteckung allerdings bereits nach ein bis vier Tagen.

Wie findet die Übertragung statt?

Intensiver Körperkontakt ist die Voraussetzung für eine Übertragung der Krätzmilben. Allein durch bloßes Händeschütteln oder Umarmungen findet in der Regel keine Infektion statt. Schon die Übertragung eines einzigen befruchteten Weibchens genügt allerdings für einen ernsthaften Krankheitsverlauf. Die Ansteckung über Bettwäsche, Wolldecken oder Verbandsmaterial ist eher selten, da die Parasiten ohne ihren Wirt nur eine sehr kurze Überlebensdauer haben.

Wer ist besonders gefährdet?

Krätze geht durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten. Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind jedoch deutlich anfälliger. Auch Menschen mit sehr trockener Haut sind häufiger betroffen.

Wo besteht Ansteckungsgefahr?

Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Besonders gefährdet sind gemäß dem Robert Koch Institut (RKI) Gemeinschaftseinrichtungen aller Art wie Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheime, Obdachlosenheime sowie Erstaufnahmestellen und Sammelunterkünfte für Asylsuchende. Schlechte hygienische Bedingungen erhöhen die Ansteckungsgefahr.

Wie kann ich mich vor Krätze schützen?

Ein hundertprozentiger Schutz ist kaum zu leisten, schließlich können Krätzmilben schon übertragen werden, lange bevor sich bei den Betroffenen die ersten Symptome zeigen. Jedoch minimiert eine gründliche Körperhygiene das Ansteckungsrisiko. Ein enger Körperkontakt zu Erkrankten ist unbedingt zu vermeiden.

Welche Medikamente gibt es?

Krätze gehört immer in ärztliche Behandlung. Unterschiedliche Wirkstoffe stehen zur Abtötung der Milben und ihrer Eier zur Verfügung. Sie werden in Form von Salben nach Anweisung großflächig auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen. Auch oral verabreichte Mittel kommen zur Anwendung.

Welche Hygienemaßnahmen sind bei Krätze nötig?

Bettwäsche, Handtücher und Unterwäsche sollten bei einer Temperatur von 60 °C gewaschen werden. Kuscheltiere oder alles, was nicht gewaschen werden darf, sollte für vier Tage gut verpackt in Plastiksäcken bei Zimmertemperatur gelagert werden. Polster und Kissen bergen zwar nur eine sehr geringe Ansteckungsgefahr, sollten aber gründlich gesaugt oder sicherheitshalber vier Tage nicht benutzt werden.

Warum juckt die Haut immer noch, obwohl die Behandlung schon abgeschlossen ist?

Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes postskabiöses Ekzem: Auch nach dem Abtöten aller Milben und Milbeneier befinden sich noch Bestandteile der Milben in der Haut und rufen Entzündungen hervor. Antientzündliche Cremes und entsprechende Pflegecremes beschleunigen die Erholung der Haut.

Welche anderen Maßnahmen schaffen Linderung?

Der enorme Juckreiz ist eine große Belastung für Erkrankte. Umschläge mit kaltem Wasser können eine Linderung bedeuten, auch das Auftragen von reinem ätherischen Lavendelöl mindert den Juckreiz. Für Abhilfe sorgen auch Bäder mit einem Zusatz von Rosmarinöl oder das Auftragen von fünfprozentigem Essig. Begleitende Maßnahmen am besten immer mit dem behandelnden Arzt absprechen.

Mein Kind hatte Krätze, wann darf es wieder in den Kindergarten/in die Schule gehen?

Wenn die ordnungsgemäße Behandlung der Erkrankung abgeschlossen ist, darf eine Gemeinschaftseinrichtung wieder besucht werden.

Besteht eine Meldepflicht?

Es besteht keine umfassende Meldepflicht für Fälle von Krätze. Jedoch sind Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen verpflichtet, das zuständige Gesundheitsamt zu informieren, wenn in der Einrichtung Personen an Krätze erkrankt sind oder der Verdacht auf eine Infektion besteht.

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