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Familie

Eltern und Kind - Wer schuldet wem was?

55% der Deutschen haben sich noch nicht mit der Frage befasst, wer sich um sie kümmert, sollten sie selbst zum Pflegefall werden.

Studie der pronova BKK „Pflege von morgen, 2018"

Die Philosophin Barbara Bleisch hat sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob man als Kind seinen Eltern Dankbarkeit oder Leistung als Ausgleich schuldet. Ihr Standpunkt ist klar:

„Die Vorstellung, erwachsene Kinder schuldeten ihren Eltern Dankbarkeit oder zumindest Leistungen als Ausgleich, ist mit einem weiteren Problem konfrontiert: Dankbarkeit scheint nur mit Blick auf Gaben angebracht, die uns nicht aufgezwungen wurden, die wir auch hätten ausschlagen können."

Folgt man der Philosophin Barbara Bleisch, ist genau das der Punkt: Kein Mensch wird gefragt, ob er geboren werden möchte. Man entsteht einfach – und dann ist man da. Natürlich kümmern sich die meisten Eltern sehr liebevoll um ihren Nachwuchs und tun alles für ihn, oft bis an die Grenze ihrer eigenen Leistungsfähigkeit. Viele Eltern sind dankbar dafür, Kinder zu haben. Und genau so herum ist es auch richtig: Wenn in der Eltern-Kind-Beziehung überhaupt eine Partei der anderen etwas schuldet, dann die Eltern den Kindern. Das Argument aber, dass Kinder ihren Eltern gegenüber verpflichtet sind, eine Dankesschuld abzutragen und wie ein Schuldner nun die Pflicht haben, ihnen Güter zu erstatten, überzeugt laut Barbara Bleisch nicht. Das heißt natürlich nicht, dass Kinder ihren Eltern nicht dankbar sein dürfen. Aber sie müssen es eben nicht. Und genau aus diesem Gefühl eines Müssens resultiert schlechtes Gewissen. Davon sollten wir uns befreien. So schaffen wir die Basis für ein unbeschwertes freiwilliges Geben.

Keine Schuld, aber ich bin für dich da

Natürlich ist es schön, einem Menschen, der einem nahe steht (sei es verwandtschaftlich oder freundschaftlich), zur Seite zu stehen, wenn Hilfe nötig ist. Aber diese Hilfe muss nicht zwangsläufig in Form von Pflegeleistungen erbracht werden. Pflegeleistungen erfordern Wissen, Sachverstand und neben seelischer oft auch körperliche Kraft und vor allem viel Zeit. Sie müssen wiederkehrend zu bestimmten Zeiten erbracht werden. All das kann gar nicht von jedem geleistet werden, zumal wenn man selbst noch kleine Kinder hat oder in der Erwerbsarbeit steckt. Für diese Situationen gibt es ja gerade die professionellen Einrichtungen mobiler und stationärer Pflege. Aber neben der reinen Pflegeleistung kann man einem Menschen noch auf vielfältige andere Weise beistehen: indem man Zeit mit ihm verbringt, gemeinsam etwas unternimmt, sich gemeinsam an alte Zeiten erinnert, zusammen Musik hört oder einen Film anschaut. Oder indem man einfach nur da ist.

Ich möchte gern selbst pflegen

Auch wenn man selbst freiwillig und aus innerer Überzeugung die Pflege naher Angehöriger wie der Eltern oder des Partners übernehmen möchte, ist das fast immer mit einer starken Belastung verbunden. Pflege findet schließlich rund um die Uhr statt und kann sehr anstrengend sein. Bei bestimmten Erkrankungen wie Demenz kann es über dies vorkommen, dass die Eltern ihre sie pflegenden Kinder nicht erkennen, sie beschimpfen oder körperlich aggressiv werden – Dankbarkeit darf man eben auch als pflegendes Kind nicht immer erwarten. Falls Sie selbst Angehörige pflegen, können Sie sich aber auf die Pflegekasse der pronova BKK verlassen – wir lassen Sie nicht allein und unterstützen Sie auf vielfältige Weise.