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Familie

Entspannter leben mit Familienritualen

Stress kann wie Grippe sein: ansteckend.

Leiden die Eltern unter Stress, werden auch die Kinder in Mitleidenschaft gezogen. Familienrituale helfen, die Situation zu entspannen und die Kinder stark zu machen. Wir zeigen, wie man solche Rituale ganz leicht in den Alltag einbauen kann.

Familie leidet mit, denn Stress steckt an

Die Familie bleibt oft außen vor, wenn es um Stress am Arbeitsplatz geht. Fakt ist aber, dass vor allem die Kinder automatisch in das Stressgeschehen einbezogen werden, wenn Vater oder Mutter oder beide abends gestresst von der Arbeit nach Hause kommen. Eigentlich brauchten sie jetzt Zeit zur Erholung, Zeit zu entspannen. Doch da warten schon die Kinder mit ihren eigenen Sorgen, Problemen, Wünschen – und ihrer Erwartung, dass die Eltern jetzt für sie da sind. Viele Eltern tun ihr Bestes und versuchen, umgehend auf Familienleben umzuschalten. Doch das gelingt oft
nicht – die angespannte Grundstimmung bleibt erhalten und teilt sich den Kindern mit. Stress ist tatsächlich wie eine ansteckende Krankheit – wer mit ihm in Berührung kommt, steckt sich an.

Wie Stress sich auf Kinder überträgt

Kinder haben sehr feine Antennen für Stimmungen und Spannungen. Sie spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist, wenn die innere Zuwendung der Eltern fehlt. Gerade weil sie das Geschehen verstandesmäßig meist noch nicht verarbeiten können, sorgen die empfangenen Stresssignale der Eltern für diffuse Ängste: das vertraute und lebenswichtige Ordnungsgefüge „Familie“ ist von innen her bedroht. Vor diesem Hintergrund ist es zweitrangig,
ob die Eltern ihre Probleme im Stillen mit sich selbst ausmachen oder ob es zu emotionalen Ausbrüchen kommt.

Der kindliche Alltag

Zwar haben Kinder eine erstaunliche seelische Widerstandskraft und zerbrechen keineswegs bei den ersten Anzeichen einer Missstimmung im Elternhaus. Doch kommt hinzu, dass der heutige Kinderalltag selbst viele Stressmomente bietet. Das beginnt beim morgendlichen eiligen Aufbruch in Kindergarten, KITA oder Schule, führt weiter über die dort erlebten Alltagskonflikte mit Gleichaltrigen und Betreuungspersonal und endet beim abendlichen Einkaufs- oder Hausaufgabenmarathon mit den Eltern. Bei den etwas älteren Kindern, die bereits vor oder in der Pubertät stehen,
gibt es dann auch noch die Stresserlebnisse mit dem eigenen Körper und einem sich ändernden Seelenleben. Wenn dann auch noch die Eltern ständig unter Strom stehen und dies auf die Kinder übertragen, kann das Maß des selbst für starke Kinder noch Erträglichen schnell überschritten sein.

Wie Kinder reagieren

Jedes Kind reagiert anders. Das eine Kind wird vielleicht durch Weinerlichkeit die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu ziehen versuchen, während das andere beginnt, selbst Stress zu machen und durch Aggression Dampf abzulassen. Natürlich gibt es auch die Variante, dass Kinder sich auf sich selbst zurückziehen. Ferner ist auch ein Rückfall in nächtliches Einnässen als Stressreaktion möglich. Sind gestresste Kinder bereits im Schulalter, sind Unaufmerksamkeit,
Unkonzentriertheit und Unlustreaktionen nicht selten. Folge: Die Leistungen lassen nach. Das wiederum erhöht
dann meist den Stresspegel der besorgten Eltern. Kinder reagieren ähnlich wie Erwachsene – mit der ganzen Bandbreite von Folgeerscheinungen bis hin zu Krankheiten (Beispiel: Die Stressreaktion „Fresssucht“ führt zu Übergewicht, Diabetes und Hypertonie). Umso wichtiger ist es, dass Eltern auf Anzeichen von Stress beim Nachwuchs achten und Gegenmaßnahmen einleiten.

Was Eltern tun können

Leiden die Eltern selbst unter Stress im Berufsalltag, sollten sie umgehend Gegenmaßnahmen einleiten. Im ersten Schritt sind die Stressauslöser auszumachen und – wenn möglich – zu neutralisieren. Das wird nicht immer sofort und vielleicht auch nicht immer zur Gänze möglich sein. Entspannungstechniken können helfen. Im Rahmen ihres Präventionsprogramms bietet die pronova BKK ihren Mitgliedern ein jährliches Budget in Höhe von 150 Euro pro Person
z. B. für Entspannungskurse. Mit diesen Maßnahmen wird es meist gelingen, den Umgang mit Stress besser zu bewältigen. Im nächsten Schritt kommt es darauf an, die Familie dauerhaft stressresistenter zu machen – ganz gleich, ob die Stressursachen mehr bei den Eltern oder mehr im Leben der Kinder zu finden sind.

Rituale aktivieren

Rituale sind regelmäßig und verbindlich ausgeführte wiederkehrende Handlungen – sie strukturieren das Leben, geben ihm Halt und Sinn. Man kann alte Rituale wieder aufleben lassen oder neue Rituale entwickeln. Man muss ihnen nur einen Platz im Leben geben. Und man sollte sich ein wenig Zeit für sie nehmen – Zeit, in derStressfaktoren außen vor bleiben, in der beunruhigende Dinge keinen Raum finden, weil die Zeit den Ritualen vorbehalten ist. Denn genau darauf kommt es an.

Rituale in der Familie stärken

Für Zusammenhalt und Selbstbewusstsein

  • Jeden Tag eine Geschichte (oder auch ein Gedicht) vorzulesen bringt Ruhe in den Tag – Eltern und Kind verbringen gemeinsame Zeit.
  • Tipp für Eltern und Familien mit Kindern im Grundschulalter: Den Abend mit einem kleinen Gedankenaustausch enden lassen – was denkt man über das an diesem Tag Erlebte? Gern mit einer Prise Humor gewürzt – Lachen befreit von seelischem Druck!
  • Einmal pro Woche gemeinsamer Küchentag mit den Kindern – gemeinsames Planen und Einkaufen, gemeinsames Zubereiten und Kochen, gemeinsames Essen geben dem Tag Struktur und dienen gleichzeitig dazu, Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln.
  • Singen oder Musizieren schafft Inseln der inneren Ruhe und Konzentration im Alltag. Perfektion ist nicht wichtig. Doch wenn die Kinder auf diese Weise dazu kommen, ein Instrument zu erlernen, stärkt das nicht nur ihre Fähigkeiten zur Konzentration, sondern auch soziale Kompetenzen.
  • Feste Spieleabende einplanen: Das Miteinander ebenso wie das Gegeneinander auf spielerische Weise zu erleben gibt Anregungen für die Konfliktbewältigung im Alltag.
  • Mindestens einen Familienausflug pro Monat organisieren: Ziele werden gemeinsam festgelegt. Nichts (außer vielleicht allzu schlechtes Wetter) wird diesen Familienausflug verhindern. Er ist wichtig, denn gemeinsame Erlebnisse stärken die Persönlichkeit und schweißen die Familiengemeinschaft zusammen. Eine
    starke Gemeinschaft aber schützt zuverlässig vor den negativen Folgen von Stress.
  • Ostern und Weihnachten oder andere Feiertage wieder bewusst als Familienfeste gestalten! Legen Sie die Messlatte für Festmahlzeiten und das Drumherum nicht allzu hoch. Hauptsache ist doch, es kommen alle zusammen und genießen das Beisammensein. Gleiches gilt für Familienfeste wie Geburtstage, Hochzeiten, Kindstaufen. Lustvolles Feiern ist angesagt!
  • Eine Sportart aussuchen und regelmäßig trainieren: Bewegung hilft, Alltagsstress abzubauen. Wird der Sport gemeinsam mit der Familie oder mit Freunden ausgeübt, stärkt auch dies den Zusammenhalt.
  • Jeden Monat einen Mutter/Tochter- und einen Vater/Sohn-Tag begehen (auch andere Konstellationen sind
    möglich) – das dient der Vertiefung der Beziehung und fördert das Verstehen des anderen.
  • Kleine Jahreszeitenrituale entwickeln: Zugvögel auf der Durchreise begrüßen, Mitsommer feiern, Kastanien sammeln
    und was daraus basteln, zu Herbstbeginn ein Lagerfeuer mit Folienkartoffeln, ein Walnuss- oder Apfelerntefest
    feiern, beim ersten Schneefall ein Wintergrillen veranstalten usw. Und das Jahr für Jahr! Diese Rituale geben dem Leben Struktur und Halt. Davon profitieren Kinder gerade in bewegten Zeiten.
  • Mindestens einmal in der Woche einem Menschen, mit dem man weder verwandt noch eng befreundet ist, etwas Gutes tun – der alten Nachbarin beim Einkauf helfen, zwei statt nur ein Exemplar der Obdachlosenzeitung
    kaufen, einen kleinen Geldbetrag oder Lebensmittel spenden. Kinder lernen so, uneigennützig zu handeln. Wer nur eigennützig handelt, stärkt das Stressprinzip.

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