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Familie

Hat mein Kind eine Sehschwäche?

Eine Sehschwäche bei Kindern – vor allem bei Babys und kleinen Kindern – zu entdecken ist nicht einfach, eine regelmäßige Überprüfung durch den Kinderarzt (z. B. im Rahmen der gesetzlich empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U9) sollte daher Routine sein. Je früher eine Sehschwäche entdeckt wird, desto besser sind die Korrektionsmöglichkeiten. Auch Sie als Eltern können dazu beitragen, dass eine Sehschwäche schnell entdeckt wird.

Frühkindliches Sehen in den ersten drei Monaten

In den ersten 3 Monaten sollte Ihr Kind auf ein Licht schauen und den Kopf in diese Richtung bewegen. Es kann den Blick längere Zeit in der Nähe des gefundenen Objekts halten. Dies ist die erste Stufe des Kontrastsehens. Bereits in der 2. Lebenswoche beginnt das monokulare (einäugige) Anblicken von Objekten/ Gesichtern und die erste Koordination von Kopf und Auge. Anfangs werden nur Dinge in einer Entfernung von bis zu 30 cm gesehen. In dieser Zeit kann bei Ihrem Kind ein Schielen der Augen beobachtet werden, das meist harmlos ist und ab der 5. Lebenswoche langsam zurückgeht. Zwischen der 6. und 8. Lebenswoche hält Ihr Kind bereits Augenkontakt und folgt nahen Objekten mit den Augen. Das erfolgt zunächst langsam und erfolgreicher in horizontaler Richtung. Auch kommt es nun zum Erlernen von Bewegungswahrnehmung. Ebenfalls ab der 8. Lebenswoche beginnt Ihr Kind sich für Bewegungen zu interessieren wie das schaukelnde Mobile über dem Wickeltisch. Die bislang angelegten, gelernten und entwickelten Fähigkeiten von Auge, Augenmuskeln und Gehirn ermöglichen ab der 10. Lebenswoche die Entwicklung des Stereosehens. Diese dreidimensionale Wahrnehmung von Objekten wird in den nächsten Wochen immer präziser. Ihr Neugeborenes beginnt Entfernung und Größe von Gegenständen einzuschätzen.

Die Entwicklung ab dem 3. Monat

Vom 3. Monat an benutzt Ihr Kind auch gezielt seine Hände und fängt an, nach Objekten/Spielsachen zu greifen und empfindet es als störend, wenn ein Auge z. B. durch eine heruntergerutschte Mütze verdeckt wird. Die Auge-Hand-Koordination wird schnell besser und Ihr 5 Monate altes Kind kann nun schon recht zielsicher nach Gegenständen greifen und beginnt variabel mit ihnen zu hantieren, sie z. B. von einer Hand in die andere zu übergeben. Ab dem 6. Lebensmonat kommt das Farbensehen hinzu. Waren bislang Dinge mit unterschiedlichen Kontrasten (z. B. schwarz-weiß gestreifte Gegenstände) interessant, sind es jetzt zunehmend knallige Farben und interessante Formen. Ab dem 7. Monat bemerkt es kleinere Objekte wie Brotkrümel und versucht, nach ihnen zu greifen. Vom 8. Monat an wird auch die Formerkennung immer besser. Ihr Kind sollte zwei Gegenstände ineinander stecken können, also mit mehreren Gegenständen hantieren. Mit Erreichen des 11. Lebensmonats fängt Ihr Kind an, Verstecken und Suchen zu spielen, es schaut aus dem Fenster, wo es vorübergehende Menschen bemerkt bzw. erkennt. Auch Bilder werden gerne betrachtet. Es beginnt Dinge wie z. B. einen Turm aus Klötzchen zu bauen und kann nach einem kullernden Ball greifen. Die Entwicklung des Sehens macht bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres weiterhin große Fortschritte. Die Sehschärfe ist fast vollständig ausgebildet. Feine Details, Bilder und Muster werden erkannt und die Augen können sich in der Regel schon ganz präzise auf alle Entfernungen einstellen. Ein Schielen sollte nun nur noch in Ausnahmesituationen vorkommen, z. B. wenn Ihr Kind sehr müde ist.

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Wer hilft mir bei einer Sehschwäche meines Kindes weiter?

Wenn Sie Anzeichen für eine Sehschwäche entdecken, sollten Sie mit Ihrem Kind zunächst Ihren Kinderarzt bzw. Ihre Kinderärztin aufsuchen. Nach einer eingehenden Untersuchung wird entschieden, wie die weitere Behandlung aussehen sollte. Sie kann entweder in der kinderärztlichen Praxis selbst, beim Augenarzt oder durch einen Optometristen stattfinden (Optometrie ist die „Wissenschaft von der Physiologie des Auges und der visuellen Verarbeitung“). Außerdem gibt es die Möglichkeit einer Therapie in Augenkliniken mit angeschlossenen Sehschulen.

Die Inhalte des diesem Artikel zugrundeliegenden umfangreichen Textes wurden von Janin Scharfenort und Gesa Winger erarbeitet, die das Thema „Kind und Sehen“ im Rahmen einer Bachelorarbeit behandeln. Die Textvorlage wurde gekürzt, sprachlich geringfügig verändert und konzentriert sich auf praxisnahe Hinweise, wie das Sehen sich entwickelt und wie Eltern Sehstörungen bei ihrem Kind erkennen können. Wir danken den Autorinnen!

Anzeichen für eine Sehschwäche bei Kleinkindern

Folgende Beobachtungen können Anzeichen für eine Sehschwäche Ihres Kindes sein:

  • ein oder beide Augen schielen (nach innen oder außen)
  • der Kopf wird auffallend schief gehalten
  • das Kind reibt sich ständig mit den Fingern an den Augen und zieht Grimassen
  • auch ohne etwas anzuschauen, verdreht das Kind seine Augen
  • auch bei Lichteinfall sind die Pupillen groß und starr
  • die Hornhaut wirkt trübe
  • die Pupillen wirken grau-weißlich
  • es gibt Veränderungen am Augenlid
  • die Augen sind auffallend groß (wie Murmeln/aufgerissen)
  • die Augen des Kindes zittern
  • die Augen sind ständig entzündet, verklebt oder tränen
  • das Kind stolpert leicht oder stößt oft an