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Familie

Heranwachsende haben es nicht leicht: Die Hormone sind in Aufruhr, alle erwarten ständig etwas von einem und man selbst weiß oft genug nicht, wohin mit sich. Und dann sind da auch noch die eigenen Eltern, die ständig alles besser wissen – oder wenigstens so tun, als ob. Doch die Eltern haben es auch nicht leicht. Denn sie müssen etwas lernen, was ihnen niemand gezeigt hat: das Loslassen.

Ich bin doch kein Kleinkind mehr!

Wer Freiräume gibt, bekommt selbst Freiraum

Vielleicht durch Einsicht: Denn gerade den übervorsichtigen Eltern, die sich eher zu viele Gedanken machen, müsste einsehbar sein, dass auch das Flüggewerden gelernt sein will. Und ein paar blaue Beulen sowie andere, nicht immer angenehme Erfahrungen gehören nun einmal dazu. Versuchen Eltern mit aller Macht, den Weg ihrer Kinder stark zu reglementieren, tun sie weder sich noch ihren Kindern damit einen Gefallen. Ein Kind, das zu spät ins Leben entlassen wird, ist meist unselbstständiger, weniger kommunikativ und lässt es auch im späteren Leben oft an Eigenverantwortung fehlen. Nicht selten erweisen sich solche Kinder als überangepasst und unfähig, über ihr Leben selbst zu bestimmen. Genau das aber können Eltern nun wirklich nicht wollen. Natürlich ist der Moment, in dem ein Kind sein Nest verlässt und der elterlichen Fürsorge zu entschlüpfen beginnt, für Eltern schmerzhaft. Doch noch schmerzhafter würde es sein, das eigene Kind später scheitern zu sehen. Deshalb: Setzen Sie, liebe Eltern, die Sie vielleicht zur Überbehütung neigen, rechtzeitig einen Schlusspunkt! Das ist noch aus einem anderen Grund gut: Denn Loslassen schafft Freiräume auch für Ihr eigenes Leben.

Die eine Seite: Warum Jugendliche unbedingt ihr eigenes Leben führen wollen

Aus anthropologischer Sicht ist alles klar: Über Jahrzehntausende seiner Entwicklungsgeschichte war der Mensch mit 13 oder 14 Jahren erwachsen. Diese jungen Erwachsenen mussten hart arbeiten, sie zeugten Kinder und bekamen welche, ihr Leben galt im Zweifelsfall wenig, und etwas der heutigen Kindheit Vergleichbares mit individueller Förderung, Behütung und Rücksichtnahme gab es nicht. Eine solche erwachsene, harte Kindheit – eine Kindheit also, die nach heutigem Maßstab keine war – war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in breiten Bevölkerungsschichten an der Tagesordnung und wirkt auf der phylogenetischen bzw. stammesgeschichtlichen Ebene bis heute nach. Kaum dem Kleinkindalter entwachsen, werden die jungen Menschen deshalb auch heute noch frühzeitig unternehmungslustig, versuchen ihre Grenzen ausfindig zu machen und überschreiten sie gelegentlich auch, trachten nach Eroberung und territorialer Ausweitung ihrer Aktivitäten.

Unser Tipp: Kostenübernahme für die stationäre Mitaufnahme von Begleitpersonen 

Damit ein Kind mit der ungewohnten Situation im Krankenhaus besser zurecht kommt, bieten immer mehr Krankenhäuser das sogenannte Rooming-In an. Die Kosten dafür übernehmen wir!

Die andere Seite: Warum Eltern manchmal übervorsichtig sind

Phylogenetisch und biologisch verankert sind die Beschützerinstinkte der Eltern: Auch steinzeitlichen Eltern oder Proletarierfamilien des 19. Jahrhunderts fiel es wahrscheinlich nicht immer leicht, ihre Kinder auf die gefährliche Jagd oder zur nicht minder gefährlichen Arbeit in den Bergwerken ziehen zu lassen. Denn außerhalb der Kinderstube drohten immer schon Gefahren. Ihnen blieb jedoch oft keine andere Wahl, wollten sie selbst überleben. Erst mit zunehmendem volkswirtschaftlichen Wohlstand und modernen Erziehungsidealen dehnte sich die Kindheit allmählich aus. Das Leben der Kinder wurde sicherer und behüteter, elterliche Beschützerinstinkte ließen sich länger und intensiver ausleben. Heute ist das Flüggewerden des Nachwuchses im Wesentlichen von der frei gewählten Betreuungsintensität und dem individuellen Für-richtig-Halten der Eltern abhängig. Es gibt Eltern, die mit dem Loslassen kein Problem haben, die sich bewusst dafür entscheiden, ihrem Nachwuchs bereits frühzeitig Freiheiten zu gewähren und die Phase der „Bemutterung“ nicht allzu weit auszudehnen, ohne ihre Aufsichtspflichten zu vernachlässigen. Diesen Eltern und ihren Kindern kann man wahrscheinlich nur gratulieren. Dann aber gibt es Eltern, die voller Sorge und Argwohn jeden Schritt ihrer Kinder bis weit ins Erwachsenenalter hinein beobachten, beurteilen und vor allem in einer Weise zu steuern versuchen, die den eigenen Nachwuchs vor Gefährdungen schützen soll. Um diese Eltern und ihre Kinder geht es hier. Denn hier wird des Guten oft entschieden zu viel getan. Natürlich meinen auch diese Eltern es nur gut, wenn sie ihren Nachwuchs vor den Gefahren des Lebens schützen wollen. Doch sie bedenken die Folgen nicht. Das Leben ist nun mal kein ewig währender Kindergarten. Früher oder später klopft die harte Realität an die Tür und fordert Einlass in das Leben der Kinder.