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Familie

Pseudokrupp: Der Schrecken in der Nacht

Pseudokrupp

Bellender Husten, ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen und Atemnot: Nächtliche Pseudokrupp-Anfälle hören sich meistens schlimmer an, als sie tatsächlich sind. Trotzdem sollten Eltern wissen, was in so einem Fall zu tun ist.

Zu den Kinderkrankheiten, die Eltern einen gehörigen Schrecken einjagen, gehört der Pseudokrupp

Beim Zubettbringen war noch alles in Ordnung, doch mitten in der Nacht beginnt das Kind heftig und bellend zu husten. Gleichzeitig gibt es beim Einatmen ein fiepsendes Röcheln von sich. Viele Kinder leiden zudem unter Atemnot. Die Geräusche fahren Eltern und Kind gleichermaßen in die Glieder, weil sie völlig anders als sonst klingen und eher zu einem alten Hund als zu einem kleinen Kind passen.

Wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme ist deshalb, das hustende Kind zu beruhigen. Nehmen Sie es auf den Arm, sprechen Sie ruhig auf es ein und wiegen Sie es. Oft hilft es auch, dem Kind eine Jacke anzuziehen und sich mit ihm ans offene Fenster oder auf den Balkon zu stellen. Um das Kind abzulenken, können Sie z. B. vorbeifahrende Autos zählen oder die Straßenlaternen. Wer nicht an die frische Luft kann, kann sich mit dem Kind vor den geöffneten Kühlschrank oder die Kühltruhe setzen. Ob diese Methode wirklich Linderung verschafft oder eher das Gefühl hilft, etwas gegen den bellenden Husten zu tun, ist nicht erwiesen. Ebenfalls nicht wissenschaftlich untermauert ist der Tipp, sich mit dem Kind ins Badezimmer zu setzen und das warme Wasser in der Dusche aufzudrehen. Bei vielen Kindern lindert der feuchte Dampf die Symptome, andere vertragen ihn nicht und klagen darüber, noch schlechter Luft zu bekommen.

Wenn der größte Schreck überstanden ist, können Sie dem Kind schlückchenweise Wasser, das ungefähr Zimmertemperatur hat, zu trinken geben. Wer ein Inhaliergerät besitzt, kann darüber hinaus das Kind mit einer Kochsalzlösung inhalieren lassen.

Anfälle treten vor allem im Herbst und Winter auf

Fast immer ist beim Pseudokrupp-Anfall der Schreck größer als die Ursache. Falls jedoch nach rund einer halben Stunde keine Besserung eintritt oder das Kind unter schwerer Atemnot leidet, sollten Sie den Rettungsdienst anrufen. Wer ruhig genug ist, kann auch selbst zur Kinderklinik fahren. Normalerweise ist das aber nicht nötig. Beim ersten Anfall sollten Eltern trotzdem am nächsten Tag den Kinderarzt aufsuchen. Er klärt ab, ob es sich um den häufigen, durch eine Virusinfektion hervorgerufenen Pseudokrupp handelt. Dieser tritt besonders während der Erkältungszeit im Herbst und Winter auf und betrifft vor allem Kinder zwischen 18 Monaten und fünf Jahren. Jungen häufiger als Mädchen.

Vorausgegangen ist eine Atemwegserkrankung, bei der die Schleimhaut im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder entzündet und angeschwollen ist. Dadurch sind die Atemwege, die bei Kleinkindern sowieso noch sehr schmal sind, verengt und es kommt zur Atemnot, die den anfallartigen Husten auslöst. Der Begriff Pseudokrupp heißt so viel wie „falscher Krupp" und hat seinen Namen erhalten, um ihn von der Atemnot beim Diphtherie-Krupp zu unterscheiden. Da die Diphtherie heutzutage fast verschwunden ist, wird der Pseudokrupp häufig als Krupp oder Kruppsyndrom bezeichnet. In selten Fällen können zudem Bakterien oder allergische Reaktionen einen Pseudokrupp-Anfall auslösen. Außerdem begünstigen Luftschadstoffe in großer Konzentration, wie das beispielsweise in Raucherwohnungen der Fall ist, das Auftreten.

Kortison lindert die Symptome

Da auf einen Pseudokrupp-Anfall oft noch weitere folgen, verschreiben viele Kinderärzte ein Kortison-Präparat, häufig sind das Zäpfchen. Sie bewirken, dass die Kehlkopfschleimhaut wieder abschwillt und haben als einmalige Gabe keine nennenswerten Nebenwirkungen. Allerdings setzt die Wirkung des Medikaments häufig erst nach 10-30 Minuten ein. Von daher sollten die „Hausmittel" wie Hochnehmen, Beruhigen des Kindes und frische, kalte Luft trotzdem angewendet werden.

Auch vorbeugende Maßnahmen können einen Anfall verhindern oder zumindest lindern. Lüften Sie vor dem Zubettgehen das Zimmer gut und hängen Sie feuchte Tücher auf, um die trockene Winterluft anzufeuchten. Darüber hinaus können Sie ein erkältetes Kindergartenkind, das zu Pseudokrupp-Anfällen neigt, mit Hilfe eines zweiten Kissens zur Nacht höher lagern und tagsüber mit Kochsalzlösung inhalieren lassen. Alles weitere wird die Zeit richten, denn mit zunehmendem Alter werden die Atemwege breiter und die Hustenattacken immer seltener – bis sie sich irgendwann ausgewachsen haben.