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Familie

Unterschätzte Masern – Wie impfunwillige Eltern eigene und fremde Kinder in Lebensgefahr bringen

Masern werden hierzulande bei nicht wenigen Eltern immer noch als harmlose Kinderkrankheit angesehen, die man ruhig durchmachen sollte. Im Bewusstsein dieser Eltern gilt die Impfung gegen Masern als viel gefährlicher. Tatsächlich aber zählen Masern zu den gefährlichsten Infektions-Krankheiten und sind hochansteckend. 2006 starben weltweit 250.000 Menschen an dieser angeblich harmlosen Kinderkrankheit. Die Impfung gegen Masern hingegen bewirkt nur in den aller-seltensten Fällen ernste Komplikationen.

Die unterschätzte Gefahr

Jahr für Jahr gibt es auch in Deutschland Fälle von Masernerkrankungen, die nicht glimpflich ausgehen. Denn Masern können zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung führen. Eine besonders schwere Folge einer Maserninfektion ist SSPE, die subakute sklerosierende Panenzephalitis, bei der sich das Gehirn auflöst – ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht und immer tödlich verläuft. Durch die Medien wurde ein Fall besonders publik, in dem im Jahr 1999 zwei noch nicht impffähige Säuglinge in einer Kinderarztpraxis durch Kontakt mit einem Elfjährigen infiziert wurden, dessen Eltern jede Form des Impfens aus ideologischen Gründen ablehnten. Diese beiden Säuglinge erkrankten an SSPE und kämpfen Medienangaben zufolge derzeit mit dem Tod.

Sinnvolle Masernimpfung

Die Grundimmunisierung gegen Masern erfolgt im bzw. nach dem elften Lebensmonat (vorher ist dies nicht möglich). In Deutschland haben immerhin über 93 Prozent der Kinder über 24 Monate diese erste Impfung. Die zweite Impfung, die den Impfschutz erst komplett macht, erfolgt meist zwischen dem 15. und dem 23. Lebensmonat. Hier beträgt die Durchimpfungsrate nur noch 75 Prozent. Eltern, die eine Masernimpfung ablehnen, sollten sich klarmachen, dass sie nicht nur ihr eigenes Kind unnötigen Risiken aussetzen, sondern auch andere Kinder, die vielleicht noch zu jung für eine Impfung sind. Der vielfach zitierte "Netzschutz", der Säuglinge noch vor Infektionen schützen kann, solange sie gestillt werden, erlischt nämlich mit dem Abstillen, weil die gebildeten Antikörper dann wieder abgebaut werden. Man sollte begreifen, dass die hochgefährlichen Masern nach einer Infektion nicht ursächlich behandelt werden können – einzig und allein vorbeugende Immunisierung bietet Schutz. In den USA beispielsweise gelten deshalb strenge Regeln: Wer nicht gegen Masern geimpft ist, darf nicht die Schule besuchen. Der Erfolg gibt dieser harten Linie Recht – die USA gelten heute als masernfrei. Allein in Nordrhein-Westfalen aber erkrankten 2006 1.500 Menschen – unter ihnen 100 Säuglinge – an Masern. Es kam zu zwei Todesfällen.

Abwägen – und handeln

Auch die Impfung gegen Masern ist nicht ohne Risiko: Bei einer Million Impfungen tritt durchschnittlich eine lebensbedrohende Hirn- oder Hirnhautentzündung auf. Das liegt daran, dass mit noch lebenden, aber abgeschwächten Masernviren geimpft wird, mit denen das Immunsystem des Kindes normalerweise leicht fertig wird. Das Risiko ist jedoch ungleich geringer als bei einer Infektion mit hochaktiven Masernviren – bei ungeimpften Kindern kommt es in einem von 1.000 Fällen zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Wer die Fakten sorgfältig gegeneinander abwägt, kann eigentlich nur zu dem Schluss gelangen, dass es zur Masernimpfung keine Alternative gibt.