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Familie

Vergiftungen bei Kindern

Kühlen Kopf bewahren und richtig handeln

Wenn kleine Kinder sich aufmachen, die Welt zu entdecken, ist nichts vor ihnen sicher. Sie schauen, hören, tasten, greifen, lecken und probieren. Probieren bedeutet: In den Mund stecken und manchmal auch runterschlucken. Nicht immer handelt es sich dabei um ungefährliche Substanzen. Vielfach werden auch Teile von giftigen Zimmer- oder Gartenpflanzen, Medikamente der Eltern oder Großeltern oder Haushaltsreiniger verschluckt. Das aber bedeutet leider auch, dass die Kinder vor nichts sicher sind – rund 100.000 Notrufe verzeichnen die deutschen Giftnotrufzentralen im Jahr, in 10 % der Fälle wird empfohlen, das Kind dem Arzt oder einer Klinik vorzustellen. In Akutsituationen hat die Notrufnummer 112 Vorrang.

Gute Information ist jetzt das Wichtigste

Egal ob Sie telefonischen Rat einholen möchten oder mit Ihrem Kind die Arztpraxis oder Klinik aufsuchen: Stets wird man versuchen, so viele Informationen wie möglich aus Ihnen herauszuholen. Denn die einzuleitenden Maßnahmen hängen entscheidend von der verschluckten Substanz ab. Versuchen Sie deshalb folgende Informationen parat zu halten:

  • Was wurde geschluckt?
  • Wie viel wurde geschluckt?
  • Wann wurde es geschluckt?
  • Welche Symptome sind zu beobachten?
  • Was wurde bereits als Erste Hilfe unternommen?
  • Wie viel wiegt das Kind, wie alt ist es?

Was tun?

Die wichtigste Regel: Handeln Sie sofort und rufen Sie beispielsweise eine der deutschen Giftnotrufzentralen an. In aller Regel wird man Ihnen bereits am Telefon sagen, was Sie bis zum Eintreffen des Notarztes und bis zum Besuch in der Praxis machen können. Wenn Sie vor dem Anruf etwas unternehmen wollen: Geben Sie Ihrem Kind, sofern es ansprechbar und dazu in der Lage ist, etwas zu trinken. Ein Glas Leitungswasser etwa kann helfen, die Speiseröhre zu spülen, wenn säure- oder laugenhaltige Substanzen verschluckt wurden. Hat Ihr Kind Waschmittel verschluckt, sollte zuvor ein Entschäumer gegeben werden. Salzhaltiges Wasser oder Milch sollten in der Regel nicht gegeben werden, weil es zu unerwünschten Reaktionen mit verschluckten Stoffen kommen kann. Erbrechen herbeizuführen ist nicht unproblematisch: wurden beispielsweise Säuren verschluckt, können sie auf dem Rückweg durch die Speiseröhre größeren Schaden anrichten als im ohnehin sauren Magenmilieu.

Alarmzeichen

Eine Klinikeinweisung ist immer erforderlich, wenn es schwere Symptome gibt oder Sie nicht wissen, welche Substanz bzw. in welcher Menge sie geschluckt wurde. Vorsicht auch, wenn es zu versehentlichen Überdosierungen verordneter Medikamente kam. Schwere Symptome, bei denen Sie umgehend den Notarzt verständigen müssen, sind u. a. Krampfanfälle, Herzrasen, Atemaussetzer und Bewusstseinsstörungen.

Prävention

Einem Kleinkind beizubringen, dass es nichts in den Mund stecken soll, ist nahezu unmöglich. Also müssen Sie selbst wachsam sein und möglichst viele Gefahren aus dem Weg räumen. Neben Gartenpflanzen wie Maiglöckchen, Fingerhut, Goldregen, Herbstzeitlose, Eisenhut sowie dem Riesenbärenklau (dieser wirkt als Kontaktgift und führt zu schweren Verbrennungen der Haut) haben auch viele beliebte Zimmerpflanzen Vergiftungspotenzial. Zu nennen sind u. a. Dieffenbachie, Asparagus, Gummibaum, Korallenbaum und Weihnachtsstern. Je schöner Pflanzen aussehen, desto stärker der Reiz, sie zu probieren. Sogar einige essbare Pflanzen aus dem Garten wie zum Beispiel Bohnen können im Rohzustand gefährlich werden. Sorgen Sie daher bitte dafür, dass diese Pflanzen außer Reichweite sind. Ein weiterer, sehr gefährlicher Vergiftungsschwerpunkt sind Medikamente, die frei zugänglich herumliegen. Hier sind vor allem auch ältere Kinder jenseits des Krabbelalters gefährdet, die sich am Vorbild der Erwachsenen orientieren wollen. Medikamente immer nur gut verschlossen aufbewahren und auch den Schlüssel gut verwahren. Haushaltschemikalien (Reinigungsmittel, Möbelpolitur, Düngemittel usw.) und Tabakprodukte sind ebenfalls unzugänglich für Kinder aufzubewahren.

Die Liste der deutschen Giftnotrufzentralen ist beispielsweise auf der Internetseite des Deutschen Grünen Kreuzes einsehbar: www.dgk.de. Außerdem sollten Sie stets die Rufnummer Ihrer Kinderarztpraxis sowie eines Klinikums in der Nähe bereitliegen haben. Im akuten Notfall wählen Sie die Notrufnummer 112.