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Gut zu wissen

Aus Fehlern lernen

Die meisten Menschen bemühen sich nach Kräften, Fehler zu vermeiden. Dennoch unterlaufen jedem von uns Fehler, kleine wie große. Zum Trost sei’s gesagt: Niemand ist ohne Fehler. Das kann sogar von Vorteil sein – dann nämlich, wenn man lernt, mit Fehlern richtig umzugehen. Mitunter kann es sich sogar lohnen, ein Fehlerrisiko bewusst einzugehen.

Wann ist ein Fehler eigentlich ein Fehler?

Es gibt objektive Fehler – und solche, die nur aus einer bestimmten Perspektive als Fehler empfunden werden. Ein objektiver Fehler liegt beispielsweise vor, wenn Sie 2 und 2 addieren und 5 erhalten, Sie bei Rot über die Ampel fahren, Sie zu viel Salz in die Suppe geben, den Wecker auf acht statt auf sieben Uhr stellen, die Einnahme eines Medikaments vergessen, beim Flötespielen den falschen Ton treffen oder vergessen, wichtige Post rechtzeitig abzusenden. An diesen Fehlern ist nichts zu deuteln – es bleiben Fehler, wie man es dreht oder wendet. Davon zu unterscheiden sind Fehler, die anderen als Fehler erscheinen, Ihnen selbst aber nicht. Solche Fehler kommen meist im Sozialverhalten vor – und ob man sie als Fehler empfindet, hängt nicht zuletzt von der Empfindlichkeit Ihres Gegenübers ab: Sie lassen jemanden nicht ausreden, bemängeln frisch von der Leber weg seinen Kleidungsstil, vergessen einen Geburtstag oder treten jemandem im Gedränge des Fahrstuhls versehentlich auf die Zehen. Kann passieren. Ein echter Fehler oder nicht? Subjektiv ja, objektiv nein? Aus der einen wie aus der anderen Fehlerkategorie können Sie etwas lernen und für sich mitnehmen. Der Lerneffekt kann sogar ein doppelter sein: Sie achten beim nächsten Mal darauf, es richtig zu machen. Vor allem aber lernen Sie die Perspektive anderer Menschen kennen, indem Sie sich in sie hineinversetzen, um zu verstehen, wie die Ihr Verhalten erlebt haben.

Wie geht man mit eigenen Fehlern um?

Wird man bei einem Fehler ertappt, kann man sehr unterschiedlich reagieren. Menschen, die sich für fehlerfrei halten oder sehr hohe Ansprüche an sich selbst haben, werden womöglich ein Problem damit haben, einen Fehler zuzugeben. Sie streiten ab, einen Fehler begangen zu haben, schieben ihn anderen in die Schuhe, wollen ihn wegdiskutieren oder verharmlosen ihn. Machen Sie bitte weder das eine noch das andere – Fehler sind menschlich. Nicht zu seinem Fehler stehen zu wollen, ist schon der nächste Fehler. Wie aber geht man konkret vor? Wenn Sie tatsächlich einen Fehler begangen haben, räumen Sie ihn ein. Bitten Sie denjenigen, dem Sie durch Ihr Fehlverhalten zu nahe getreten sind, um Entschuldigung, machen Sie einen etwaig eingetretenen Schaden nach Möglichkeit wieder gut. Sie haben eine Verabredung vergessen? Ärgerlich genug – doch wenn Sie jetzt nach Ausflüchten suchen, wird es noch ärger. Machen Sie umgehend das Angebot, die Verabredung bei allernächster Gelegenheit nachzuholen und sorgen Sie dafür, dass dann auch wirklich alles klappt. Sie haben eine wichtige Arbeit liegengelassen, um deren Erledigung ein Kollege Sie gebeten hat? Tragen Sie an seiner Stelle die Konsequenzen. Reden Sie sich nicht aus der Sache raus. Machen Sie es wieder gut – nicht irgendwann, sondern möglichst sofort. Doch das sind nur Maßnahmen zur ersten Abhilfe. Im zweiten Schritt sollten Sie unbedingt nachforschen, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Sie eine Verabredung oder eine Arbeit vergessen haben. Waren Sie einfach nur nachlässig oder hatten Sie zu viel um die Ohren? Analysieren Sie ganz nüchtern, woran es gelegen hat. Haben Sie erst einmal erkannt, wie es zu diesem Fehler kommen konnte, können Sie Vorkehrungen treffen, wie eine Wiederholung des Fehlers beim nächsten Mal vermieden werden kann. Außerdem lohnt es sich immer, sich in denjenigen hineinzuversetzen, der unter Ihrem Fehler leiden musste. Auf diese Weise lernen Sie zu verstehen, wie andere ticken und warum sie so reagieren. Außerdem profitiert Ihr Gehirn durch den Perspektivenwechsel: Wie jede geistige Anstrengung aktiviert auch ein solches Nachdenken Ihre Gehirnzellen und sorgt so für den Erhalt und die Steigerung Ihrer geistigen Leistungsfähigkeit.

Wie geht man mit fremden Fehlern um?

Je nachdem, wie wir gestrickt sind, reagieren wir auf das Fehlverhalten anderer entweder sachlich und problemlösungsorientiert oder ungeduldig oder gar vorwurfsvoll. Das ist auch von der Situation abhängig, in der ein Fehler entsteht, sowie von den Auswirkungen, die er hat. Natürlich gibt es auch die Einstellung, fünfe gerade sein zu lassen und über den Fehler eines anderen einfach hinwegzusehen. Das ist zwar bequem, aber nicht immer hilfreich. Wenn Sie gröbere Fehler anderer nicht bemängeln, nehmen Sie ihnen nämlich die Chance, aus Fehlern zu lernen. Grundsätzlich ist es also richtig, auf Fehler zu reagieren. Die Art und Weise, wie Sie reagieren, sollte davon abhängig sein, wie Sie selbst es gern hätten, dass andere mit Ihren Fehlern umgehen. Wahrscheinlich werden Sie einen sachlichen Umgang mit Ihren Fehlern bevorzugen – also ohne Groll und Gebrüll, ohne versteckte Vorwürfe und gehässige Herabsetzung. Deshalb: Bleiben auch Sie sachlich. Sagen Sie nicht nur, dass etwas falsch ist; sagen Sie auch, warum es falsch ist. Geben Sie außerdem Hinweise auf mögliche Fehlerursachen und Tipps zur künftigen Fehlervermeidung. So regen Sie Ihr Gegenüber zum Nachdenken an. Hinweggehen kann man allenfalls über Flüchtigkeitsfehler; auf jeden Fall ansprechen muss man – allein schon im eigenen Interesse – grundsätzliches Fehlverhalten.

Wie entstehen Fehler?

Fehler haben viele Ursachen. Sie entstehen aus Flüchtigkeit, aus Unkenntnis, weil man Stress hat oder abgelenkt ist oder einfach nicht richtig oder nicht gründlich genug nachgedacht hat. Viele Fehler ließen sich durchaus vermeiden. Eine wichtige Strategie zur Fehlervermeidung ist die: Machen Sie alles, was Sie machen, mit höchster Konzentration und ohne Zeitdruck. Schalten Sie jede Form der Ablenkung aus. Informieren Sie sich vorher gründlich, um die Gefahr von Fehlern aus Unkenntnis gering zu halten – lesen Sie beispielsweise vor Inbetriebnahme eines Ihnen nicht vertrauten Gerätes die Gebrauchsanweisung Wort für Wort durch. Sorgen Sie für eine stressfreie Atmosphäre. Wenn Ihnen all dies gelingt und Sie überdies noch ein wenig Glück auf Ihrer Seite haben, wird es Ihnen vielleicht möglich sein, einen Tag fehlerfrei zu überstehen. In aller Regel sind die Rahmenbedingungen aber alles andere als günstig. Zeitdruck haben die meisten von uns und allwissend ist man in der Regel auch nicht. Fehler können einem also jederzeit und überall unterlaufen. Dennoch ist es natürlich richtig, sich dem Ideal der Fehlerfreiheit so weit es eben geht anzunähern. Oder doch nicht? Denn manche Fehler werden sogar ganz bewusst gemacht. Und das kann sich überdies mehr lohnen als das Bemühen um Fehlerfreiheit. Fehlervermeidung scheint also keineswegs immer die beste Strategie zu sein – Fehler zu machen kann sehr kreativ sein!

Vom Mut ein Fehlerrisiko einzugehen

Mitunter kann es richtig sein, bewusst das Risiko von Fehlern einzugehen.Das Prinzip „Versuch und Irrtum“ hat sich nicht nur in der Wissenschaft bestens bewährt, sondern lässt sich auch mit großem Gewinn auf das eigene Leben anwenden. Manchmal muss man eine Fehlentscheidung riskieren, um weiterzukommen – wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Natürlich kann sich das eingegangene Wagnis im Nachhinein als Fehler erweisen, doch ohne diese Bereitschaft, Fehler zu begehen, ist der Gewinn neuer Einsichten sowie eine zukunftsgerichtete Entwicklung unmöglich. So ist man vielleicht ganz im Stillen verliebt und zögert, ob man den anderen ansprechen und seine Liebe offenbaren sollte. Ein solcher Schritt wäre ein Wagnis, denn man riskiert, einen Korb zu bekommen und im schlimmsten Fall sogar bloßgestellt zu werden. Andererseits wird man, wenn man dieses Risiko nicht eingeht, vielleicht nie erfahren, ob die Liebe erwidert wird. Anderes Beispiel: Sie möchten Tomaten ziehen, wissen aber nicht, welche Sorte, welcher Dünger, welcher Standort sich eignen. Der eine Nachbar rät Ihnen dies, der andere jenes, und Ihr Schwiegervater hat wieder eine ganz andere Meinung. Sie müssen sich entscheiden – auch um den Preis, sich falsch zu entscheiden und eine schlechte Tomatenernte zu erzielen. Im Jahr darauf werden Sie klüger sein. Drittes Beispiel: Sie sind unzufrieden mit Ihrem Arbeitsplatz und würden sich gern beruflich verändern, ein konkretes Angebot eines anderen Unternehmens liegt Ihnen vor. Gewiss, wenn Sie es auf einen Versuch ankommen lassen, riskieren Sie, einen Fehler zu machen. Lassen Sie es hingegen nicht auf einen Versuch ankommen, riskieren Sie vielleicht weitaus mehr: nämlich auf Dauer unzufrieden zu bleiben.

Um Verzeihung bitten

Es müssen nicht immer die großen, die schlimmen Fehler sein, auch kleine Fehler oder Versäumnisse können große Folgen haben und beispielsweise Kränkungen auslösen. Selbst wenn so ein Fehler Ihnen unbeabsichtigt unterlaufen ist, sollten Sie immer den Anstand aufbringen, um Verzeihung bzw. um Entschuldigung zu bitten. Sie können nur hoffen, dass der andere dieser Bitte entspricht und die Entschuldigung annimmt. Sollten Sie in die Verlegenheit kommen, um Entschuldigung (also die Befreiung von einer Schuld) bitten zu müssen, treten Sie bitte nicht als Fordernder auf, sondern im Bewusstsein Ihrer Schuld. Das macht das Ganze glaubwürdig und annehmbar und gibt sowohl Ihnen als auch demjenigen, der Ihnen die Entschuldigung gewährt, ein gutes Gefühl. Übrigens muss man auch sich selbst verzeihen können, wenn man eine Fehlentscheidung getroffen hat und nun unter den Folgen leidet. Katerstimmung und Hadern sollten irgendwann abgeschlossen werden. Sie haben aus Ihrem Fehler gelernt und sind nun frei für neue Entscheidungen.

Gesundheitliches Fehlverhalten

Fehler können nicht nur Ihr Seelenleben nachhaltig beeinträchtigen, sondern auch Ihrer körperlichen Gesundheit schaden. So nachsichtig Sie von Fall zu Fall auch mit Ihren Fehlern sein dürfen – hier sollten Sie strengere Maßstäbe anlegen. Denn ein sich über einen längeren Zeitraum erstreckendes gesundheitliches Fehlverhalten wird unnachsichtig gestraft: Ihr Körper verliert an Spannkraft, entwickelt Bluthochdruck und Organschäden; auch Ihre Seele reagiert auf dauerhaftes Fehlverhalten und entwickelt spezifische Erkrankungen. Und wenn Sie Ihren Geist nicht genügend fordern, wird er dieses Fehlverhalten durch ein Nachlassen der Leistungsfähigkeit quittieren. Deshalb: Machen Sie im Umgang mit Ihrer Gesundheit keine Fehler und seien Sie streng mit sich!