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Gut zu wissen

Frühlingsspezial: Wie neu geboren durch Heilfasten!

Wie Körper, Geist und Seele sich durch Heilfasten verändern. Heilfasten ist allerdings kein Kinderspiel – welche Regeln müssen Sie beachten?

Wenn Ihnen Abnehmen zu wenig ist

So mancher hat sich müde, ausgelaugt und unmotiviert durch den langen Winter geschleppt. Ein paar zusätzliche Pfunde begünstigen die körperliche Trägheit. Doch sobald es draußen sprießt, grünt und erdig duftet, verspüren die meisten Menschen ein starkes Bedürfnis nach Neuanfang auch im Kampf um die gute Figur. Wer jetzt in erster Linie schnell ein paar Kilo abnehmen möchte, stößt auf ein schier endloses Angebot an Diätversprechen.

Umfassender als zweckorientierte Diätpläne sind allerdings die verschiedenen Konzepte des Heilfastens: Hier geht es nicht nur um eine Entlastung und Regeneration des Körpers, sondern auch um eine Erneuerung der gesamten Lebensweise. So werden Ernährungs- und Alltagsgewohnheiten auf den Prüfstand gestellt und manch liebgewonnene Verhaltensweise durchbrochen. Neben den Heilfastenklassikern wie O. Buchinger oder F.X. Mayr, deren Methoden häufig in speziellen Kliniken durchgeführt werden, etabliert sich zunehmend das Fastenwandern. Die Bewegung in freier Natur regeneriert Körper und Seele gleichermaßen. Wenn Ihnen Abnehmen zu wenig ist: Wie Körper, Geist und Seele sich durch Heilfasten verändern. Heilfasten ist allerdings kein Kinderspiel – welche Regeln müssen Sie beachten?

Fastenverbote

Längeres Fasten kann durchaus eine Zeit der Mangelernährung sein, die Zufuhr der nötigen Vitalstoffe ist beispielsweise bei einer Semmel-Diät nicht gewährleistet. Personen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Unterernährung und Essstörungen, Schilddrüsenstörungen, bestimmten Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen, Krebs oder Diabetes dürfen auf gar keinen Fall fasten. Aber auch für Schwangere, Stillende und Kinder sind Fastenkuren kontraindiziert. Bei Suchterkrankungen sowie psychischen Erkrankungen oder in psychisch instabilen Phasen ist vom Fasten ebenfalls abzuraten. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte unbedingt vor einer geplanten Fastenkur abklären, ob deren Wirksamkeit beeinträchtigt ist, dieses kann z. B. auch für Verhütungsmittel gelten. Nicht zu verwechseln sind ärztlich begleitete Heilfastenkuren mit Nulldiäten oder unkontrollierten Hungerkuren im Alleingang! Letztere bergen echte gesundheitliche Gefahren: Im Extremfall kann sogar der Herzmuskel angegriffen werden, Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern können die Folge sein. Oder es könnte zu einer gefährlichen Blutübersäuerung (Azidose) kommen.

Fasten für Gesunde

Zum Glück sind die meisten von uns aber gesund und können die spannende Herausforderung des Fastens annehmen. Für viele ist das Fasten dann eine wertvolle Lebenserfahrung und nicht selten ein Einstieg in eine neue und bewusste Lebensweise. Fasten ist kein Kinderspiel. Regelmäßige Treffen, Erfahrungsaustausch und gemeinsame Unternehmungen in Fastengruppen mit erfahrenen Fastenleitern erleichtern den freiwilligen Verzicht auf die gewohnte Ernährung. Vor allem Fastenkrisen werden gemeinsam besser gemeistert als allein im stillen Kämmerlein. Die Umstellung des Stoffwechsels und des Hormonhaushalts bringt mitunter nämlich unangenehme physische und psychische Veränderungen mit sich wie Missstimmung, Müdigkeit, Schwindel, verstärktes Kälteempfinden, Konzentrationsschwierigkeiten, trockene Haut, Mundgeruch oder Menstruationsstörungen. Normalerweise verschwinden diese Begleiterscheinungen jedoch rasch wieder und machen Platz für positive Erfahrungen wie ein Gefühl von Leichtigkeit, Euphorie, erhöhte Aufmerksamkeit und ein insgesamt gesteigertes Wohlbefinden. Zu Recht hat schon Buchinger Bewegung an frischer Luft zusätzlich zum Nahrungsverzicht eingefordert. Maßvolle tägliche Bewegungseinheiten regen die Durchblutung an und erzeugen Wärme. Außerdem werden alle Muskeln leicht trainiert und gekräftigt. Die Atmung wird in Bewegung tiefer und gasförmige Stoffwechselprodukte können leichter abgeatmet werden. Zufriedenheit und Freude über das Geleistete stehen dann am Ende einer Übungseinheit. Leistungssport wäre allerdings eine Überforderung und ist absolut tabu!

Fastenwandern – Aufbruch leicht gemacht

Drei Wanderer auf einer Wiese

Ein kurzzeitiger Ausstieg aus dem normalen Alltag erleichtert oftmals das Fasten. Immer häufiger nehmen Fastenwillige hierfür an organisierten Fastenwanderungen teil, die von erfahrenen Fastenleitern betreut werden. Das Zusammensein in der Gruppe stärkt den Einzelnen und der strukturierte Tag gibt zusätzlichen Halt. Morgens gibt es zumeist verschiedene Kräutertees: Hafer-, Brennnessel-, Löwenzahn- oder Lindenblütentee regt die Ausscheidungsvorgänge im Körper an. Frische Säfte, Gemüsebrühe oder auch etwas Honig versorgen den Körper mit Vitaminen, Mineralstoffen und einem Minimum an Energie. Ein Schnitz Zitrone während des Wanderns erfrischt nicht nur, sondern wirkt auch günstig auf den Säurespiegel; die saure Zitrone hat nämlich eine basische Wirkung. Täglich stehen etwa 10 bis 15 Kilometer Wandern auf dem Programm, wobei für weniger Trainierte manchmal auch Abkürzungen möglich sind. Massagen, leichte Gymnastik und Entspannungseinheiten runden den Tag ab. Die Erfahrungsberichte sind überwiegend positiv. Viele Fastenwanderer sind Wiederholungstäter, denn die Kombination aus Fasten und Bewegung an frischer Luft ist eine ideale Auszeit für Körper, Geist und Seele. Wandern macht glücklich und schont die Gelenke. Trotzdem empfinden einige Teilnehmer ein Pensum von 10 oder gar 15 Kilometern als zu anstrengend. Jeder sollte sich zunächst fragen, welche Strecke er sich täglich zutraut und ob Wandern im flachen oder im bergigen Gelände das Richtige ist. Das gemeinsame Fastenbrechen mit einem Apfel genießen die Teilnehmer ganz besonders. Viele berichten, dass ein Apfel noch nie so gut geschmeckt habe. Auch in der Folge bleibt das verbesserte Geschmacksempfinden häufig erhalten, ebenso wie die Lust auf mehr Bewegung im Alltag. Fastenwandern kommt dem Bedürfnis nach Aufbruch und Neuanfang also optimal entgegen.

Klassische Fastenmethoden

Gefastet wird schon seit Urzeiten. Manchmal allerdings gezwungenermaßen, nämlich dann, wenn auf Grund widriger Umstände die Nahrungsmittel knapp waren. Fast alle Religionen kennen Fastenzeiten, um Körper und Seele auf ein wichtiges Fest vorzubereiten. Gewissermaßen fasten sogar Tiere, entweder im Zuge der Winterruhe oder des Winterschlafes oder auch spontan bei Krankheiten.

Die klassische Naturheilkunde empfiehlt das Fasten zur Vorbeugung und Behandlung bestimmter chronischer Krankheiten, demnach fasten Kranke und Gesunde gleichermaßen. Dr. Otto Buchinger prägte den Begriff „Heilfasten“. Seine Methode sieht zu Beginn der Fastenzeit Entlastungstage und eine gründliche Darmreinigung z. B. mit Glaubersalz vor. Anschließend nimmt der Fastende täglich etwa 250 Kalorien in Form von Gemüsebrühe oder Fruchtsaft zu sich, dazu gibt es Tee und ca. 2 Liter Mineralwasser. Ganz wichtig sind auch die flankierenden Maßnahmen wie viel Bewegung an frischer Luft, Massagen und Bäder. Ein Apfel beendet nach etwa drei Wochen die Fastenzeit. Anschließend wird die Energiezufuhr langsam bis auf ein normales Maß gesteigert. Eine Gewichtsabnahme ist allenfalls eine Begleiterscheinung des Heilfastens.

Primär gibt der freiwillige Nahrungsverzicht einen Impuls für einen Einstieg in eine vollwertige Ernährung, daher sind Ernährungsberatung und Kochkurse häufig Teil des Heilfastens nach Buchinger. F.X. Mayr legte den Schwerpunkt seines Heilfastens auf die Darmsanierung, daneben spielt das richtige Kau- und Essverhalten eine wichtige Rolle. Die mehrstufige Kur umfasst Trinktage zur Entlastung und die Reinigung des Darms mithilfe von Glaubersalz. Im Zentrum steht eine Milch-Semmel-Diät, bei der trockene Brötchen mit Milch nach Vorschrift etwa 40 bis 60 Mal gründlich gekaut werden. Bauchmassagen unterstützen dabei die Darmtätigkeit. Der „Semmeldoktor“ Johann Schroth rückte ebenfalls trockene Semmeln ins Zentrum seiner Kur. Bei dieser wechseln Trockentage mit kleinen und großen Trinktagen ab. Unverzichtbarer Bestandteil der Kur sind außerdem sogenannte Dunstwickel (feuchte, warme Körperwickel).

Heilfastenkuren sollten am besten nur nach vorheriger ärztlicher Untersuchung durchgeführt werden. Einige Personengruppen dürfen nämlich gar nicht fasten. Und für alle anderen können Fastenkuren eine echte Herausforderung mit Höhen und Tiefen sein.