Menü Menü schließen

Gut zu wissen

Intuition und Instinkt

Wir bilden uns sehr viel auf unsere rationalen Fähigkeiten ein, analysieren, bilanzieren, diskutieren und treffen Entscheidungen guten Gewissens meist erst dann, wenn wir alle Argumente mindestens dreimal hin und her gewendet haben. Wo so viel Scharfsinn waltet, kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen. Und doch erleben wir es immer wieder, dass unsere rationalen Entscheidungen sich im Nachhinein als schlichtweg falsch erweisen. demgegenüber stehen die intuitiven Entscheidungen und die instinktiven Reaktionen. Sie werden aus dem Bauch heraus, wie von selbst und mit großer Selbstverständlichkeit und geradezu schlafwandlerischer Sicherheit ausgeführt und dies sehr oft mit gutem Ergebnis. Wie geht das?

Intuitive Benutzerführung und intuitives Leben

Wenn heute von Intuition die Rede ist, geschieht dies meist im Zusammenhang mit leicht bedienbarer technischer Apparatur: Ein Mobiltelefon oder eine Digitalkamera sind so clever konstruiert und ihr Benutzermenü ist so sinnvoll angelegt, dass man die Gebrauchsanweisung getrost beiseite legen kann und quasi von selbst die richtigen Tasten drückt. Charakteristisch für eine intuitiv richtige Gerätehandhabung ist die Schnelligkeit, mit der sich das Erfolgserlebnis einstellt. Ebenso charakteristisch ist, dass wir nicht nach einer Erklärung für den Erfolg suchen, aber dennoch für das nächste Mal hinzulernen. Wenn wir außerhalb technischer Dimensionen intuitiv handeln, passiert im Grunde etwas Ähnliches: Ohne dass wir lange nachdenken müssen, treffen wir im Augenblick und spontan die richtige Entscheidung, wissen, was zu tun ist. Wir wissen dies keineswegs aus Erfahrung – denn wir treffen gerade dort intuitiv die richtige Entscheidung, wo wir Neuland betreten und über keine Erfahrungswerte verfügen. Intuition ist etwas Unheimliches: Wir machen alles richtig, ohne zu wissen, warum. Ganz so, als würden wir ferngesteuert werden. Doch wer oder was steuert uns da?

Intuition und Instinkt, das seltsame Geschwisterpaar

Intuitiv etwas richtig machen und instinktiv etwas richtig machen: das klingt nicht nur ähnlich, sondern meint auch Ähnliches. In beiden Fällen haben wir es mit einer Art Handlungsautomatismus zu tun, der uns Richtiges tun lässt. Und dennoch gibt es einen Unterschied. Instinktives Verhalten ist angeboren und dient vor allem der Gefahrenabwehr und dem Überleben: wir ziehen instinktiv den Kopf ein, treten instinktiv auf die Bremse, laufen instinktiv weg, halten uns instinktiv die Nase zu und schließen instinktiv die Augen oder reißen sie ebenso instinktiv auf. Intuitives Verhalten hingegen dient nicht der akuten Gefahrenabwehr, sondern erschließt neue Wege, die sich im Nachhinein erstaunlich oft als richtig erweisen. Intuitives Verhalten ist also ungeheuer produktiv. Es macht uns schlauer, weil es uns etwas hinzulernen lässt. Wenn wir das nächste Mal eine neue Digitalkamera ausprobieren, können wir auf Erfahrungswerte zurückgreifen und handeln folglich nicht mehr intuitiv. Intuitives Handeln ist spielerisches Herantasten, hat mit Ausprobieren, Wagemut und Neugier zu tun. Mitunter bringt intuitives Handeln uns vielleicht auch in Gefahr - dann rettet uns hoffentlich in letzter Sekunde das instinktive Handeln. Das Wirken von Instinkt und Intuition könnte man als weitere Sinneswahrnehmung des Menschen bezeichnen (neben den klassischen fünf Sinnen Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken sowie dem Gleichgewichtssinn, dem Temperatursinn und dem Sinn für Schmerzempfinden).

Eingebungen - doch woher?

Intuition wird als Fähigkeit bezeichnet, Einsichten in Sachverhalte oder in die Richtigkeit von Entscheidungen durch spontan sich einstellende Eingebungen zu erlangen. Das Wort Eingebung wirft sogleich die Frage auf, wer oder was uns denn da etwas eingibt - wieder stellt sich dieses seltsame Gefühl ein, von außen gesteuert zu werden. Doch wir müssen, um das Wesen der Intuition zu verstehen, keine mysteriösen außermenschlichen Instanzen bemühen - die wissenschaftlichen Erklärungsansätze für Intuition weisen allesamt in unser Gehirn und auf die unendliche Zahl neuronaler Verknüpfungen. Dass dort - wie auch im Bereich der Gefühle, denen man ebenfalls nachsagt, unsere Intuitionen zu steuern - manches noch im Dunkeln liegt, soll uns nicht weiter stören. Schauen wir uns lieber einmal an, welchen Nutzen Intuitionen für unsere Gesundheit haben können.

Das Gespür für das, was uns gut tut

Intuition ist spontan, stellt sich schnell ein, beruht nicht auf Erfahrung, kann aber neue Erfahrungswerte begründen und erschließt neue Wege; Intuition lässt uns lernen, hat etwas mit Bauchgefühl und dem Gespür für das Richtige zu tun - all diese Eigenschaften machen sie so wertvoll für unsere Gesundheit. Intuition als Gespür für das Heilende ist seit jeher die erste und die wichtigste Instanz bei der Entwicklung von Therapien. Die ersten Ärzte - wie die Schamanen und Medizinmänner der Vorzeit und noch heute der Naturvölker - spürten intuitiv, welches Kraut gegen welche Krankheit gewachsen ist. Gab der Heilungserfolg ihnen recht, konnte man fortan auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Auch moderne Ärzte von heute lassen sich oft von Intuitionen leiten, etwa wenn sie sich spontan für eine vom Normalen abweichende Therapie entscheiden. Oder intuitiv spüren, wie sie mit dem Patienten reden müssen. Auch als Nichtmediziner tut man sowohl intuitiv als auch instinktiv oft genau das, was gesund ist. Oder etwa doch nicht?

Die Reaktivierung der Intuition

Wer mitten im Beruf steht, Familie hat, lange Wege zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen muss, unter Erfolgsdruck steht und zusätzlich unter dem üblichen Alltagsstress leidet, geht bei Krankheitssymptomen eher den Weg des Verstandes: Der Verstand sagt, es ist gut, zum Arzt zu gehen und sich Medikamente verordnen zu lassen, die einen möglichst schnell wieder fit machen, denn es ist notwendig, möglichst bald wieder am Arbeitsplatz zu sein und volle Leistung zu bringen. Der Instinkt aber sagt etwas anderes. Er sagt: Nimm dir ein paar Tage Zeit, spanne aus, du brauchst Ruhe. Die Krankheit (sei es eine erhöhte Infektanfälligkeit, ein Hexenschuss, chronischer Kopfschmerz oder eine anhaltende Bronchitis) ist ein Warnsignal - und wer Warnsignale überhört, wird die Konsequenzen zu tragen haben. Und was sagt die Intuition? Die Intuition sagt: OK, werde erst einmal wieder gesund, werde deinen akuten Husten los. Aber dann sieh zu, dass du zwei Wochen Urlaub nimmst. Fahr mal an die See, das wird dir gut tun (auch wenn es dich sonst eigentlich in die Berge zieht). Intuitiv spüren wir, dass die Seeluft den Bronchien gut tun wird - wir wissen es nicht aus Erfahrung, weil wir diese Erfahrung ja erst machen werden. Aber wir handeln so, als ob wir es schon wüssten. Und wir handeln richtig.

Bauchgefühl - Intuitionen, die man essen kann

Noch etwas ist symptomatisch für diese Zeit - und auch hier versucht unser Verstand, Intuition und Instinkte auszuschalten: Wir essen zu viel, zu oft, zu fett und zu süß. Wir essen Dinge, die der Verstand empfiehlt: Preiswertes, einfach und schnell Zubereitetes, Fertiges oder Halbfertiges, schnell Sättigendes. Wenn wir auf unseren Instinkt hören würden, würden wir anders essen. Wir würden ein Unbehagen spüren und ahnen, dass Essen aus der Retorte, aufgepeppt durch Zusatzstoffe und Hilfsmittel, eigentlich gar nicht gesund sein kann - instinktiv würden wir einen großen Bogen machen um einen Großteil dessen, was man uns auftischt. Beim Anblick und bei der Geruchswahrnehmung einer aus frischen Zutaten bereiteten Hühner- oder Gemüsesuppe hingegen läuft uns das Wasser im Mund zusammen - instinktiv entwickeln wir Appetit auf gesundes Essen. Wenn wir uns nun überlegen, endlich mal selbst zu kochen, kaufen wir frische Zutaten und machen uns ans Werk. Mit ein wenig Gespür für das Richtige werden wir auch ohne Rezept rein intuitiv die Zutaten so miteinander kombinieren und so zubereiten, dass es uns schmeckt und bekommt.

Gefühle für andere

Ein weiteres Beispiel aus dem Alltag betrifft unser Sozialverhalten. Der Verstand sagt, dass alle Menschen gleich sind - jeder ist so gut für unsere Gesellschaft geeignet wie alle anderen. Wir müssen nur lernen, über anerzogene Vorurteile und Unterschiede hinwegzusehen. Instinktiv aber spüren wir, wessen Gesellschaft uns gut tut. Aber auch, von wem Gefahr und Ungemach ausgehen könnte und wer folglich zu meiden ist. Instinktiv spüren wir die Unterschiede sehr deutlich und richten uns nach ihnen. Intuitiv suchen wir uns die passende Gesellschaft und behandeln speziell diese Menschen vom ersten Augenblick an mit absoluter Sicherheit so, wie es sein muss - wir treffen den richtigen Ton, reagieren in bestimmten Situationen richtig, handeln auf angemessene Art und Weise. Intuitiv spüren wir auch, wie es dem anderen geht - meist sind gar keine großen Worte nötig, um einander etwas mitzuteilen. Die innere Stimme sagt uns, was richtig ist. Auch und erst recht bei der Partnerwahl spielen Instinkt und Intuition eine große Rolle: Wen wir gut riechen können, den schließen wir in unser Herz - mag der Verstand noch so laut protestieren. Natürlich können Instinkte und Intuitionen ebenso in die Irre führen wie der Verstand, doch Gefühle trügen weitaus seltener als das Rationale. Und wo sie uns trügen, liegt es vielleicht nur daran, dass wir ihnen zu wenig vertraut haben. Was würde passieren, wenn wir ab und an den Verstand ausschalten würden?

Den Verstand öfter mal abschalten?

Natürlich ist der Verstand wichtig - ohne Verstandestätigkeit wäre es uns unmöglich, durch unseren hochkomplexen und auf Rationalität beruhenden Arbeitsalltag zu manövrieren. Würden wir hier den Verstand restlos ausschalten, würden wir überall anecken, vielleicht würde am Ende gar die gesamte technische Zivilisation zusammenbrechen. Es kann also nicht darum gehen, den Verstand völlig auszuschalten. Es kann nur darum gehen, seine Dominanz in allen Lebensbereichen zu brechen. Doch in welchen Bereichen sollten wir wieder lernen, uns mehr unseren Instinkten und Intuitionen, unseren Gefühlen und Ahnungen, unserem Gespür für das Richtige anzuvertrauen? Ganz sicher überall dort, wo wir es mit dem gewachsenen Leben zu tun haben, mit dem, was wir „Natur“ nennen. Natur ist umfassender, als man so denkt. Natur meint nicht nur das uns umgebende Grün, sondern auch unsere eigene Natur als Mensch und Individuum, unser Naturell - die Art und Weise also, wie wir als Menschen funktionieren, ungeachtet aller neuzeitlichen Bemühungen, unser Verhalten zu kontrollieren und zu kanalisieren. Drei wichtige Bereiche haben wir weiter oben schon benannt: den Umgang mit unserer Gesundheit, den Umgang mit unserer Ernährung und den Umgang mit anderen Menschen. Würde es uns in diesen Bereichen gelingen, mehr auf Bauchgefühle und die innere Stimme zu hören, ginge es uns besser. Der Grund dafür liegt darin, dass Rationalität als Prinzip des Denkens und Handelns erst relativ spät in der Menschheitsentwicklung begonnen hat, eine Rolle zu spielen. Nach und nach hat sie das natürliche Leben überlagert und Instinkte und Intuitionen überwuchert. Wenn wir lernen, wieder mehr auf unsere Instinkte und Intuitionen zu hören, ist das eigentlich wie eine Rückkehr zu uns selbst. Dabei kann uns ausgerechnet diejenige Institution helfen, von der wir es am allerwenigsten vermuten: der Verstand.

Mit Verstand fühlen

Verstand und Instinkt, Verstand und Intuition - das muss kein Widerspruch sein. Man könnte mit Blick auf Bauchentscheidungen sogar von einer „Intelligenz des Unbewussten“ sprechen. Es geht also nicht um eine romantisch verklärte Antiintellektualität. Es geht schlicht und einfach darum, Natürliches wieder zuzulassen und den eigenen Sinnen und Gefühlen wieder zu vertrauen. Was bedeutet das konkret für den Bereich Gesundheit? Wir haben nachfolgend für Sie neun alltagstaugliche Punkte formuliert.

  • Hören Sie auf Ihre innere Stimme, wenn die Ihnen eine kleine Auszeit und etwas mehr Ruhe und Entspannung verordnen möchte. Das Sprichwort „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“ muss sich ja nicht ausgerechnet an Ihnen bewahrheiten.
  • Erlauben Sie Ihren Sinnen, beim Kochen Regie zu führen - experimentieren Sie intuitiv mit allem, was gut und frisch riecht, allem voran mit Kräutern, Gewürzen und Gemüsesorten.
  • Jeder Mensch hat einen natürlichen Trieb, sich zu bewegen - folgen Sie diesem Trieb möglichst oft. Verhelfen Sie ihm zu seinem Recht gegenüber dem Drang zur Bequemlichkeit. Der Verstand will den Fahrstuhl nutzen, die Intelligenz des Unbewussten lässt Sie die Treppe wählen.
  • Alles in Maßen: Genießen Sie das Leben - aber übertreiben Sie es nicht. Ihre innere Stimme rät Ihnen, rechtzeitig aufzuhören. Überhören Sie sie nicht.
  • Der Nachbar weiß Rat bei Hexenschuss? Vertrauen Sie nicht jedem, der Ihnen gute Gesundheitstippsm geben will. Hören Sie auch hier auf Ihre innere Stimme und vertrauen Sie denen, deren Gesundheitskompetenz, außer Frage steht. Auch im Umgang mit Medizinpersonal dürfen Sie Ihrer inneren Stimme vertrauen - ein Arzt oder sonstiger Therapeut, bei dem Sie kein gutes Gefühl haben, ist nicht der richtige für Sie.
  • Wenn Sie bei einer Begegnung oder einer Tätigkeit ein komisches Gefühl haben, seien Sie besonders wachsam - es könnte sein, dass wirklich etwas nicht stimmt und Sie bereits im Vorfeld instinktiv auf eine drohende Gefahr reagieren.
  • Wenn Sie auf bestimmte Nahrungsmittel mit Ekel oder instinktiver Abwehr reagieren, folgen Sie Ihrem Bauchgefühl! Ihre innere Abwehrhaltung könnte ein Anzeichen für eine bestehende, aber noch nicht diagnostizierte Unverträglichkeit sein.
  • Sport: Probieren Sie öfter mal was Neues aus - vertrauen Sie dabei Ihrer Intuition, das Richtige zu tun. Das Richtige ist das für Sie Passende. Je mehr Sie Ihren Horizont erweitern, desto besser werden Sie sich fühlen.
  • Sich auch sonst auf Neues einzulassen - zum Beispiel auf das Erlernen einer Fremdsprache oder eines Musikinstrumentes - hält das Gehirn jung und beweglich. Keine Angst, dass Sie das nicht packen - Lernen funktioniert über weite Strecken intuitiv!