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Gut zu wissen

Medikamente - Freiverkäuflich gleich ungefährlich?

Fast die Hälfte aller in Apotheken verkauften Arzneimittel gehen ohne Rezept über den Verkaufstresen. Ob Schmerz-, Schlaf- oder Erkältungsmittel, Multivitaminpräparat oder Arzneitee, bei kleineren Gesundheitsstörungen setzen viele Betroffene auf Selbstmedikation. Oft mit bösen Folgen für die eigene Gesundheit.

Neben den sogenannten apothekenpflichtigen Arzneimitteln, bei deren Anwendung durch das fachkundige Personal in der Apotheke beraten wird, sind oft, für die genannten Indikationen auch freiverkäufliche Medikamente in Drogerie- oder Supermärkten zu haben. Die freiverkäuflichen Medikamente sind auch unter den Bezeichnungen rezeptfreie Medikamente oder OTC-Medikamente (engl. over the counter, über die Ladentheke verkauft) bekannt.

Freiverkäufliche Medikamente mit pflanzlichen Wirkstoffen gelten oft als harmlos

Besonders beliebt sind Präparate mit pflanzlichen Wirkstoffen, gelten sie doch gemeinhin als harmlos und besonders arm an Nebenwirkungen. Doch vor allem diejenigen Menschen, die dauerhaft verordnete Medikamente einnehmen, sollten jede Selbstbehandlung – auch die mit Arzneien pflanzlicher Herkunft – mit dem Arzt absprechen. Bei einer Multimedikation kann es nämlich immer zu Wechselwirkungen kommen. Und bei unsachgemäßer Anwendung bleiben auch rezeptfreie Medikamente nicht ohne Nebenwirkungen.

Gefahr durch die Selbstbehandlung mit freiverkäuflichen Medikamenten

Vor der Einnahme eines Präparates bitte immer die Packungsbeilage gründlich lesen – das gilt auch für die Freiverkäuflichen! In der Packungsbeilage finden sich Vorgaben für die Einnahmefrequenz sowie Hinweise auf mögliche Neben- oder Wechselwirkungen. Schmerzmittel beispielsweise sind aus gutem Grund nur mit einem niedrigen Wirkstoffgehalt rezeptfrei erhältlich. Wer sich diese Mittel jedoch aus verschiedenen Quellen besorgt und sie bedenkenlos über einen längeren Zeitraum einnimmt, riskiert nicht nur Schäden an Magen, Leber oder Nieren, sondern driftet auch leicht in eine Medikamentensucht ab. Auch für leichte Befindlichkeitsstörungen gilt: Verschwinden sie nicht nach wenigen Tagen, sollte immer eine Arztpraxis aufgesucht werden. Andernfalls könnte eine ernsthafte Erkrankung unerkannt und somit unbehandelt bleiben.

Aufgepasst bei diesen rezeptfreien Arzneimitteln

Schmerzmittel:
Wirkstoffe in Schmerzmitteln wie ASS, Ibuprofen oder Diclofenac erhöhen in Verbindung mit der Einnahme von Kortisonpräparaten das Risiko für Schäden an der Magenschleimhaut und für Magengeschwüre. Auch Blutdrucksenker werden in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt. Die Wirkung von Blutverdünnern kann verstärkt werden, wodurch sich die Blutungsneigung erhöht.

Schlafmittel:
Ein übermäßiger Konsum von rezeptfreien Schlaf- oder Beruhigungsmitteln kann Herzprobleme nach sich ziehen. Außerdem kommt es noch viele Stunden nach der Einnahme zu Symptomen wie Schwindel oder Benommenheit. Die Koordination ist eingeschränkt, was die Gefahr von Stürzen erhöht. Gleichzeitig besteht auch hier immer die Gefahr von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Stimmungsaufheller Johanniskraut:
Die als Stimmungsaufheller bekannte Heilpflanze aktiviert die Bildung gestimmter Enzyme im Körper, die dann für einen beschleunigten Abbau anderer Medikamente sorgen. So sind die Anti-Baby-Pille wie auch bestimmte Cholesterinsenker und Asthmamittel in ihrer Wirksamkeit stark eingeschränkt. Echte Depressionen gehören immer und ausnahmslos in ärztliche Behandlung.

Arzneitees:
Arzneitees enthalten pflanzliche Wirkstoffe, die durchaus Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten eingehen können: Gingko etwa kann die Wirkung gerinnungshemmender Mittel verstärken und so die Blutungsneigung erhöhen.

Hustenmittel:
Schleimlösende pflanzliche Mittel wie Efeu oder Thymian sollten nicht zeitgleich mit Hustenstillern eingenommen werden. Während erstere nämlich helfen, über den Schleim Krankheitserreger aus dem Körper zu leiten, blockieren letztere deren Wirkung, indem sie den Hustenreiz abschwächen.

Medikamente bei Darmproblemen:
Abführmittel können bei eigenmächtiger dauerhafter Anwendung dem Körper wichtige Mineralstoffe wie Kalium oder Natrium entziehen. Dadurch kann es im Extremfall zu Herzproblemen mit Herzrhythmusstörungen kommen. Stark quellende Mittel wie Lein- oder Flohsamen bergen die Gefahr einer Verstopfung oder sogar eines Darmverschlusses, wenn sie nicht mit ausreichend Flüssigkeit angewendet werden. Je nach Präparat sind auch hier Wechselwirkungen mit anderen Arzneien nicht auszuschließen.

Nahrungsergänzungsmittel wie Multivitaminpräparate:
Mit Kombipräparaten mit Mineralstoffen und Vitaminen fühlen sich die meisten rundum gut versorgt. Doch können auch Nahrungsergänzungsmittel Wechselwirkungen mit Medikamenten eingehen. Die Aufnahme von Schilddrüsenhormonpräparaten kann beeinträchtigen werden. Auch Eisentabletten oder Algenprodukte sollten Schilddrüsenpatienten nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Generell besteht bei der Einnahme von Supplementen immer die Gefahr einer Überdosierung. Bei Rauchern beispielsweise erhöht sich das Risiko für Lungenkrebs durch ein Zuviel an Vitamin A. Besser ist es hier, auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung zu setzen und wirklich nur im Bedarfsfall zu supplementieren.