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Seelische Gesundheit

Abstrakte Ängste, konkrete Ängste 

Ein völlig angstfreies Leben wäre vermutlich ein sehr kurzes Leben – Ängste mögen lästig sein, doch sind sie als eine Art Alarmsystem der Garant dafür, dass wir in mancher Situation besonders vorsichtig agieren und diese Situation deshalb überleben. Die Angst etwa, die einen befällt, wenn man nachts durch eine einsame Fußgängerunterführung geht, ist ein Indikator für ein tatsächlich vorhandenes Risiko – also wählt man lieber den Umweg durch eine helle erleuchtete und belebte Straße. Doch Ängste können auch überhand nehmen und einem dann das Leben ganz schön schwer machen. Deshalb sollten wir unterscheiden zwischen realen Ängsten und eher unbegründeten Ängsten.

Wenn Ängste die Kontrolle über uns gewinnen

Würden wir uns stets nur auf unser reales und ganz alltägliches Umfeld beziehen, hätten wir vermutlich nur wenige Ängste – umgeben vom Vertrauten, können wir die wenigen dort vorhandenen Risiken meist gut einschätzen. Durch TV und Internet aber hat sich die Menge der potenziellen Angstauslöser vervielfacht. Dabei sind die durch Medienkonsum ausgelösten Ängste oft abstrakt. Die Gefahr etwa, in Deutschland durch einen Terroranschlag zu Schaden zu kommen, ist zwar im Prinzip vorhanden, doch eben nicht besonders wahrscheinlich. Dennoch sorgen wir uns und ändern unsere Lebensweise und unser Verhalten so, als würde es sich um eine höchst reale Gefahr handeln. Natürlich spricht nichts dagegen, wachsam zu sein. Doch Ängste haben die üble Angewohnheit, uns beherrschen zu wollen. Je mehr wir uns unseren Ängsten aussetzen, desto eher kann es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen: wir schlafen schlechter, haben Bauchschmerzen, sind unruhig und nervös und neigen zu depressiver Verstimmung. Auch irreale Ängste können also ganz reale Folgen haben.

Warum wir irreale Ängste dennoch gern pflegen

Irreale Ängste haben eine Entlastungsfunktion – wenn abstrakte und alltagsferne Szenarien die Herrschaft über unser Denken und Fühlen übernehmen, lenken sie uns von den echten Gefahren und Gefährdungen ab. Diese aber sind oft hausgemacht und haben unmittelbar etwas mit unserer eigenen Lebensweise zu tun. Sich mit eigenen Verhaltensmustern und den mit ihnen verbundenen Risiken für unser Leben auseinanderzusetzen, ist anstrengend, zeitraubend und nicht immer angenehm. Also überlassen wir uns ganz den realitätsferneren Ängsten und rauchen erst einmal eine Zigarette, essen etwas Süßes oder trinken Alkohol zur Entspannung. Genau damit aber unterstützen wir eine Lebensweise, die uns Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen und Leber- und Nierenschädigungen einträgt und uns deshalb wirklich Angst machen sollte. Wäre es nicht sinnvoller und gesünder, unsere Angstsensoren zunächst einmal auf uns selbst und unser eigenes Verhalten m Alltag auszurichten?

Konkret werden – und einen gesunden Umgang mit Ängsten erlernen

Ängste sind, wie eingangs erwähnt, ein überlebenswichtiges Alarmsystem. Überfüttern wir dieses System jedoch, wird es entweder abstumpfen oder aber außer Kontrolle geraten. Deshalb ist es wichtig, das körpereigene Warnsystem wieder vor allem auf die persönlichen und sehr konkreten Lebensumstände einzustellen: Ernähre ich mich gesund, bewege ich mich genug, sorge ich für die nötige Erholung nach der Arbeit? Und verhalte ich mich im Straßenverkehr so, dass weder ich noch andere zu Schaden kommen? Gehe ich in der Freizeit – etwa durch Extremsport – vielleicht unnötige Risiken ein? Nehme ich die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahr? Auch auf das persönliche Suchtverhalten sollte man achten: Nikotin, Alkohol und andere Drogen sind der Gesundheit bekanntlich eher abträglich. Um unser Gefühl für reale Ängste gewissermaßen neu zu eichen, sollten wir vor allem auch unser Medienverhalten überdenken und nicht alles an uns heranlassen, was uns an angstauslösenden Meldungen aufgenötigt wird.