Sepsis: Die oft vermeidbare Todesursache

Harnwegsinfektionen, Lungenentzündung, entzündete Zähne und Verletzungen sind die häufigsten Auslöser einer Sepsis, auch als Blutvergiftung bekannt. Alle sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis – jeder vierte so verursachte Todesfall wäre vermeidbar.

Auf einen Blick

  • Wie kommt es zu einer Sepsis?
  • Kann man eine Sepsis selbst erkennen?
  • Ist Vorbeugung möglich?
  • Selbsthilfe zur Wundbehandlung
  • Schützt die Tetanusimpfung vor Sepsis?

Insgesamt gehen hierzulande zwischen 70.000 und 95.000 Tote jährlich auf das Konto der Sepsis – mehr als durch Brust- und Prostatakrebs sowie HIV zusammen. Ganz wichtig: Bereits bei den ersten Anzeichen einer Sepsis solltest du sofort den Notarzt unter 112 rufen. Denn je eher eine Sepsis behandelt wird, desto höher die Überlebenschance.

Wie kommt es zu einer Sepsis?

Eine Sepsis oder Blutvergiftung entsteht infolge einer vom körpereigenen Immunsystem nicht mehr kontrollierbaren Entzündung. Die Krankheitserreger vermehren sich ungehemmt – ein zunächst lokaler Infektionsherd erfasst nach und nach auch andere, lebenswichtige Organe wie Herz oder Nieren. Man spricht dann von einer schweren Sepsis. Bei einem septischen Schock fällt der Blutdruck extrem stark ab – die Organe können nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Todesursache ist in der Regel ein Multiorganversagen.

Kann man eine Sepsis selbst erkennen?

Die Sepsis ist vor allem in ihrer Anfangsphase nicht leicht zu erkennen. Die Symptome können auch durch andere Erkrankungen verursacht sein.

Ein Schlüsselsymptom ist die Bewusstseinsveränderung, bei der Betroffene verwirrt, unruhig, desorientiert oder schläfrig wirken. Kommen andere Symptome wie die folgenden vier hinzu, könnte eine Sepsis vorliegen – nicht zögern und sofort notärztliche Hilfe unter 112 anfordern:

  • Fieber oder erniedrigte Temperatur: Eine Körpertemperatur von über 38 Grad Celsius, häufig begleitet von Schüttelfrost, kann ebenso wie eine erniedrigte Temperatur (weniger als 36 Grad Celsius) auf eine Sepsis hindeuten
  • Beschleunigte Atmung: 22 Atemzüge pro Minute oder mehr bei schneller oder flacher Atmung
  • Niedriger Blutdruck: Der systolische Blutdruck liegt bei 100mmHg oder tiefer (der systolische Blutdruck ist der obere der beiden Werte)
  • Beschleunigter Herzschlag

Flecken auf der Haut können ebenfalls ein Warnsignal für eine Sepsis sein: Verbinden sich an vielen Stellen des Körpers auftretende kleine rote Flecken zu größeren dunkelroten bis bläulichen Flecken, kann dies ein Hinweis auf eine infolge einer Hirnhautentzündung entstehende Blutvergiftung sein.

Entgegen einer verbreiteten Annahme hat der rote Streifen auf der Haut, der vom Ausgangspunkt einer Entzündung wegführt, nichts mit einer Sepsis zu tun, sondern deutet auf eine Entzündung der Lymphgefäße hin – Ausgangspunkt könnte eine kleine Wunde oder ein entzündeter Mückenstich sein. Bitte ärztlich abklären lassen.

Ist Vorbeugung möglich?

Am wichtigsten ist es, auf die genannten Symptome zu achten. Und natürlich bei jedem Verdacht auf Entzündungen im Körper die hausärztliche oder zahnärztliche Praxis aufzusuchen. Darüber hinaus spielen auch kleinere Verletzungen als Eintrittsöffnungen für Krankheitserreger eine Rolle. Deshalb achte bitte immer auf eine korrekte Wundversorgung. Bei größeren Wunden immer ärztlichen Rat suchen!

Selbsthilfe zur Wundbehandlung

Wunde ausspülen oder nicht?

Normalerweise sollte das Ausspülen vermieden werden, weil die Gefahr, dass Keime oder Dreckpartikel dadurch tiefer in die Wunde gelangen, recht hoch ist. Allenfalls kleine und oberflächliche Schürfwunden können mit kaltem Wasser (ohne Seife) vorsichtig abgespült werden.

Müssen Wunden desinfiziert werden?

Was viele nicht wissen: Desinfektionsmittel dürfen nur auf die Wundränder aufgetragen werden, nicht auf die Wunde selbst. Puder, Salben und Sprays sind zur ersten Wundbehandlung ungeeignet.

Welches Verbandsmittel ist geeignet?

Watte, Zellstoff und Mullbinden niemals direkt auf die Wunde auftragen, das kann Infektionen begünstigen. Pflaster immer so groß wählen, dass die Kleberänder nicht die Wunde selbst berühren. Ganz wichtig: Berühre die Pflasterinnenfläche, die die Wunde abdeckt, niemals mit den Fingern – es könnte Keime in die Wunde übertragen.

Schützt die Tetanusimpfung vor Sepsis?

Durch kleine und kleinste Verletzungen können Tetanusbakterien in den Körper eindringen. Der durch das Gift von Tetanusbakterien ausgelöste Wundstarrkrampf ist eine eigenständige Erkrankung, die jedoch wie eine Sepsis ebenfalls tödlich sein kann. Eine regelmäßige Auffrischungsimpfung ist deshalb dringend zu empfehlen.

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