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Seelische Gesundheit

Glückssache Glück?

Gibt es sie wirklich? Die typischen Sonntagskinder, die das Glück gepachtet zu haben scheinen? Glücksfall reiht sich bei diesen Menschen an Glücksfall, dazwischen liegen Phasen sorgloser Zufriedenheit – so wenigstens stellt es sich für Menschen dar, die weniger Glück im Leben haben. Allen voran stehen der Unglücksrabe und der notorische Pechvogel – alles scheint ihnen zu missraten, nichts zu gelingen. Ist Glück oder Unglück also tatsächlich so etwas wie eine menschliche Grundausstattung ab Werk?

Das Streben nach Glück

Auch der Glückspilz ist garantiert nicht immer glücklich – und genauso wenig trägt der Pechvogel seinen Unglücksstern notwendig sein Leben lang vor sich her. Das eine oder andere mag einem zwar in die Wiege gelegt und durch Lebensumstände bestätigt worden zu sein, doch grundsätzlich ist der Mensch frei, etwas aus seinem Leben zu machen. Auch wenn die Startbedingungen schlecht sind, kann doch jeder versuchen, sich auf die vorderen Ränge vorzuarbeiten. Doch wonach soll man dabei eigentlich genau streben? Nach Reichtum?

Glück und Geld

Macht Reichtum glücklich? In der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika gibt es die „unveräußerlichen Rechte" eines jeden Menschen auf „Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit". Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander: In internationalen „Happy Planet Index", der Lebenserwartung und persönliche Zufriedenheit in Relation zum sogenannten ökologischen Fußabdruck des einzelnen Menschen setzt, rangieren die USA auf Platz 108 – weit hinter einigen Entwicklungsländern. Hinter solchen Untersuchungen, die Glück nicht mit hohem Einkommen gleichsetzen, steht eine Begriffsneuschöpfung aus dem Jahr 1979: Der damalige König von Bhutan sprach vom „Bruttonationalglück" im Unterschied zum Bruttonationaleinkommen und zum Bruttoinlandsprodukt. Glück ist, so der Kern der Aussage, nicht identisch mit wirtschaftlichem Erfolg. Dieser kann – wenn man über das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg – andere wichtige Aspekte des Lebens vernachlässigt, sogar unglücklich machen. Bhutan verfolgt demgemäß eine wirtschaftliche Entwicklung, die sich den traditionellen buddhistischen Werten unterordnet. Doch durch die modernen Kommunikationsmedien entstehen inzwischen auch in Bhutan vermehrt westliche Konsumwünsche, durch die das traditionelle Leben gefährdet wird.

Individuelles Glück: das Basispaket

Glück ist nicht objektiv. Was Glück ist oder was als Glück empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Dennoch würde man, wenn man eine weltweite Glücksbefragung durchführte, mit ziemlicher Sicherheit auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner kommen. Zur Grundausstattung individuellen Glücks würden Aspekte zählen wie Gesundheit, Familie, Freunde, berufliche Zufriedenheit, der ungehinderte Zugang zu Kultur und Natur, ein materiell gesichertes Leben, die Abwesenheit von Gewalt und Krieg. Zu jedem dieser Aspekte gäbe es freilich sehr viele Varianten und Spielarten. Und keiner dieser Aspekte wäre wirklich objektivierbar, wie man am Beispiel des Naturerlebens sehen kann: Während den einen schon das Grün des nahen Stadtparks glücklich stimmt, braucht der andere mindestens den Nationalpark, um glücklich zu sein. Ähnlich die Sache mit dem materiellen Glück: Wie viel Wohlstand braucht man wirklich – reicht ein Jahreseinkommen von 40.000 Euro oder sollte es lieber das Doppelte sein? Oder am Beispiel Gesundheit: Während der eine das Glück der Gesundheit erst nach überstandener schwerer Krankheit spürt, erlebt der andere es tagtäglich aus einem positiven Lebensgefühl heraus. Wenn Glück also im Wesentlichen eine Frage des subjektiven Erlebens ist – kann man dieses subjektive Erleben dann nicht auch trainieren? Das Ziel wäre, öfter glücklich sein zu können.