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Entspannung

Gluggavedur lässt auch an grauen Tagen die Sonne strahlen

Kennen Sie das? Sie gucken morgens aus dem Fenster – und sehen nichts als graue Wolken am Himmel, der Wind fegt mit Stärke 9 oder 10 die letzten Blätter aus den Baumkronen, dicke Regentropfen laufen die Glasscheibe hinunter – dass es noch dazu fies kalt ist, sieht man auch so. Wahrscheinlich reagieren Sie nach diesem Blick nach draußen verdrießlich, weil Sie schon ahnen, dass die Sonne sich wieder einmal den ganzen Tag nicht sehen lassen wird. Und schon ist der Tag so gut wie verdorben.

Dass es auch anders geht, weiß man auf Island

Dort belegt man derartige Wetterzustände nicht mit Ausdrücken wie „Mistwetter" oder „Schietwetter" und ärgert sich gar nicht erst, sondern belegt diesen Zustand mit dem auch für unsere Ohren schon geradezu liebevoll klingenden Wort „Gluggavedur".

Gluggavedur heißt wörtlich übersetzt „Fensterwetter" oder präziser „Wetter, das man sich besser von drinnen besieht, nämlich durch das Fenster". Der Unterschied zum deutschen Mistwetter liegt in der Art und Weise, wie man damit umgeht. Wer „Gluggavedur" sagt, bringt gleichsam eine innere Sonne zum Leuchten und sorgt so für Helle und Wärme.

So verläuft ein Gluggavedur-Tag

Entsprechend anders verläuft so ein Gluggavedur-Tag dann auch. Man sagt Termine, die einen ins Freie treiben würden, möglichst ab und macht es sich gemütlich – mit kuscheliger Wolldecke, dampfender Teekanne und etwas Leckerem für den Magen. Dabei bedient man sich tunlichst solcher Dinge, die keine aushäusigen Einkaufsaktivitäten erfordern, denn Gluggavedur ist natürlich von drinnen betrachtet am schönsten. Man verbringt den Tag mit Lesen, Musikhören oder Musizieren, schreibt vielleicht auch mal wieder einen richtigen Brief und geht anderen Beschäftigungen nach, die man mag. Oder man lädt liebe Freunde ein, die dann zwar ihrerseits durchs schlechte Wetter müssen, aber dafür werden sie dann ja auch mit Kaffee, Tee und den rasch noch selbst gebackenen Keksen belohnt.

Den Zustand, der dann unfehlbar eintritt, kann man mit dem dänischen Wirt „Hygge" trefflich beschreiben – Hygge meint jenes stressfreie und absolut entspannte In-sich-Ruhen in gemütlicher Umgebung, allein oder in Gesellschaft, auf jeden Fall aber ohne großen Aufwand. Falls Sie sich wundern, dass es Wörter skandinavischen Ursprungs sind, mit denen der Zustand einer wohltuenden Tiefenentspannung beschrieben wird: Bekanntlich rangieren skandinavische Länder am oberen Ende der internationalen Glücksskala, während wir Deutschen uns mit einem Platz im Mittelfeld begnügen müssen. Und das, obwohl die Tage im Norden bekanntlich dunkler und die Winter länger sind. Könnte es an der sprichwörtlichen Gelassenheit der Nordmenschen liegen?

Trotz Gluggavedur auch mal an die frische Luft gehen

Natürlich kann auch das schönste Gluggavedur kein Dauerzustand sein. Spätestens am zweiten oder dritten Tag sollte man dann doch mal raus – egal, ob es dauernieselt, graupelt oder stürmt. Und sei es auch nur für einen kurzen Einkauf zu Fuß, einen Schlechtwetterspaziergang im flotten Tempo oder einen halbstündigen, den Elementen trotzenden Lauf durch Stadtpark, Wald oder Feldmark. Das tut nicht nur der Gesundheit gut, sondern sorgt dafür, dass wir das Gluggavedur danach wieder so richtig zu würdigen wissen.

Ach, und noch ein Tipp: Natürlich sollte man auch an den prächtigsten Gluggavedur-Tagen das Lüften nicht vergessen. Denn regelmäßiges gründliches Lüften – möglichst mit etwas Durchzug – trägt dazu bei, dass Bakterien und Viren sich nicht in der Raumluft halten können. Ein weiterer Pluspunkt für Ihre Gesundheit!