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Wandern

Fiese Biester: Was tun gegen Insekten?

Im Sommer gehen Wespen auf Tuchfühlung.

Wissen schützt besser als Gift

Wir sind hier nicht in Australien, wo Schlangen, Spinnen, Quallen oder sogar Kraken tödliche Gefahren darstellen. Bei uns fürchtet man sich vor Wildschweinen oder Wölfen. Wenn wir dann wirklich draußen unterwegs sind, kämpfen wir mit Tieren einer ganz anderen Größenordnung: Insekten. Zecken, Mücken, Bremsen oder Wespen tauchen oft genau dann auf, wenn man gerade draußen entspannen will. Egal ob Insektenspray oder Fliegenklatsche: Niemand kann sie alle erwischen. Deshalb ist Wissen der beste Schutz. Wir erzählen, wann die Insekten Hochsaison haben, wo sie bevorzugt leben und wie man sich gegen Stiche und Bisse schützen kann.

Mücken: surrende Plagegeister

Stechmücken lieben feuchte, schattige und windstille Landstrichen. Sie sind vor allem dann aktiv, wenn es weder zu kalt noch zu warm ist – und vorzugsweise am späten Nachmittag und Abend. Wer zur Mückensaison raus will, sollte also in den frühen Morgenstunden starten und feuchte Gebiete wie Moore meiden. Die Kleidung sollte hell sein, da Mücken vor allem dunkle Stoffe anfliegen, und weit geschnitten. Alternativ können Sie Hosen und Hemden aus stichfestem oder imprägniertem Material tragen. Den Kopf schützt beispielsweise ein Hut mit Krempe und Nackenschutz. Im Sommer hilft bei bloßer Haut oft nur ein Repellent, das großzügig aufgetragen wird. Falls nur wenig Plagegeister unterwegs sind, genügt meistens ein natürliches Mittel auf Basis von Pflanzenölen. Wer durch Gebiete wandert, wo die Stechmücken in Schwärmen lauern, kommt häufig nicht drum herum, die Chemiekeule zu schwingen. Angeblich geheime Wunderwaffen wie Knoblauchpillen, Petersilienölkapseln oder Ultraschall-Apps fürs Smartphone haben keine nachgewiesene Wirkung und rentieren sich normalerweise mehr für die Hersteller als für uns. Das hilft, wenn man trotzdem gestochen wird: Spitzwegerich. Die Blätter werden in der Hand zerrieben und auf die juckende Stelle gelegt. Wer sich nicht auf den Kräutergarten der Natur verlassen möchte, steckt sich vorsichtshalber eine juckreizstillende Creme ein.

Bremsen: aufdringlich und oft schmerzhaft

Sie sehen auf den ersten Blick aus wie harmlose Fliegen. Sind sie aber nicht: Ihr Biss ist sehr sofort sehr schmerzhaft. Bremsen lieben Gewässer und hohe Luftfeuchtigkeit. Vom Juli bis zum Spätsommer sollte man solche Feuchtgebiete bei warmem Wetter meiden und sich zum Rasten ein windiges Plätzchen mit ständiger Luftbewegung suchen. Hilfreich gegen Bremsen: Weite und helle Kleidung, dazu sind Repellents auch gegen Bremsen wirksam. Eng anliegende Kleidungsstücke schützen nicht, weil Bremsen durch dünne Stoffe beißen können. Hat sich eines der Tierchen zum Beißen niedergelassen, empfiehlt sich eine schnelle und gezielte Reaktion: Entfernen Sie das Tier ein für allemal und behandeln Sie die betreffende Stelle mit einem juckreizstillenden Mittel. Wärme hilft ebenfalls. Das Protein, das die Bremsen beim Biss unter die Haut spritzen, wird schon ab 40 Grad Celsius zerstört wird. Geeignet ist z. B. ein mit heißem Wasser erhitzter Teelöffel oder ein spezieller Stichheiler, der mit Hitze funktioniert.

Zecken: Feind im Unterholz

Zecken haben es gut: Sie profitieren von immer milderen Wintern. Der Klimawandel führt sogar dazu, dass sich neue Arten bei uns ausbreiten: Die Auwaldzecke und die große Hyalomma-Zecke sind vermutlich durch Zugvögel eingeschleppt worden und können offensichtlich in Deutschland überleben. Alle Zeckenarten haben eines gemeinsam: Sie warten im Gestrüpp, an Gräsern und in Büschen auf einen potenziellen Wirt. Sie lassen sich nicht einfach fallen, sondern krabbeln aus ihren Verstecken los und bewegen sich aktiv auf ihre Opfer zu. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, bleibt auf der Mitte des Weges und schlägt sich nicht querfeldein durchs Unterholz. Dazu hilft wie bei den Bremsen helle Kleidung, weil darauf die dunklen Tierchen gut sichtbar sind. Außerdem empfehlen sich Schuhe mit hohem Schaft und lange Hosen, die man mittels eines Gummirings am Schuhschaft fixieren kann. Zusätzlich wehren Sprays und Lotionen gegen Insekten die Tiere ab. Trotz aller Vorsichtsmaßnahme gilt: Suchen Sie sich nach der Wanderung gründlich nach Zecken ab. Vor allem geschützte Stellen mit dünner Haut wie der Haaransatz oder Kniekehlen sind bevorzugte Orte, wo sich Zecken gemütlich einrichten. Haben Sie tatsächlich einen der Plagegeister gesichtet, wird das Insekt mit einer Insektenzange oder -karte entfernt. Hausmittel wie Öl, Nagellack oder ähnliches sind gefährlich. Sie töten die Zecke zwar ab, führen aber dazu, dass das Tier im Todeskampf noch mehr Krankheitserreger absondert. Gefährlich sind vor allem die Krankheiten FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose. Risikogebiete für FSME sind derzeit insbesondere Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen. Wer viel in diesen Regionen in der Natur unterwegs ist, kann sich impfen lassen. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Achten Sie nach einem Zeckenbiss auf Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit oder eine gerötete, entzündete Hautstelle. Treten Symptome auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wespen, Hornissen und Bienen: meist friedlich

Wespen, Hornissen und Bienen haben es nicht auf harmlose Wanderer abgesehen. Diese Insekten stechen nur, wenn sie sich durch den Menschen bedroht fühlen. Die einfachste Abwehrmaßnahme ist also, den kleinen Tieren nicht zu nahe zu kommen. Kommen die Tiere zu uns, sollte man Ruhe bewahren und sie nicht durch Wedeln mit den Armen oder Anpusten aggressiv machen. Gefährlich wird es, wenn die Tiere auf dem Essen oder in Trinkflaschen sitzen: Passen Sie also besonders auf, ob sich eine Wespe gerade einen Happen bzw. einen Schluck genehmigt. Außerdem sollte es selbstverständlich sein, sich nicht in der Nähe eines Wespen- oder Hornissennestes aufzuhalten und beim Barfußlaufen auf Bienen zu achten, die z. B. gerne auf Kleeblüten sitzen. Falls Sie dennoch gestochen wurden, sollten Sie bei Bienenstichen den Stachel schnell aus der Haut entfernen. Wespen- bzw. Hornissenstacheln bleiben nicht in der Wunde zurück, weil sie keine Widerhaken aufweisen. Kratzen Sie nicht die juckende Einstichstelle, sondern kühlen Sie den Bereich lieber, z. B. in fließendem Bachwasser. Wer zuhause gestochen wird, kann sich mit einer Zwiebel helfen: Der Saft entgiftet die Stelle, lindert den Schmerz und wirkt abschwellend. Natürlich können Sie auch einfach eine juckreizstillende Creme aus der Apotheke einstecken. Vorsicht ist geboten, wenn man im Mundraum oder in der Halsgegend gestochen wurde oder unter einer Insektenallergie leidet. Dann bitte sofort unter der europaweiten Notrufnummer 112 den Rettungsdienst verständigen. In allen übrigen Fällen sollte nach zwei drei Tagen die Schwellung abgeklungen und der Stich vergessen sein.