Menü Menü schließen

​​Ak­tu­el­le The­men

Männergrippe: Was ist an diesem Phänomen dran? 

Was ist dran an der Männergrippe?

Die Grippewelle hat Deutschland derzeit fest im Griff. Als besonders gefährdet gelten alte Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen, die das Immunsystem schwächen. Und scheinbar Männer. Gibt es bei der Grippe diese geschlechtsspezifischen Unterschiede wirklich? Der Ausdruck "Männergrippe" scheint dies nahezulegen.

Der Unterschied zwischen Virusgrippe und grippalem Infekt

Mit einer echten Grippe oder Virusgrippe ist nicht zu spaßen. Wen die Virusgrippe (Influenza) erwischt, der kann sich auf bis zu zwei Wochen Bettruhe einstellen mit Schüttelfrost, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und einem echten Krankheitsgefühl. Durch die allgemeine Schwächung ist auch die Immunabwehr herabgesetzt. So kann es zu Folgeerkrankungen wie Lungenentzündungen kommen.

Von der Virusgrippe zu unterscheiden ist der sogenannte grippale Infekt – ein anderer Name für die klassische Erkältung und bedeutend harmloser. Im Unterschied zum grippalen Infekt kann die Virusgrippe auch ohne typischen Erkältungsanzeichen wie Husten oder Schnupfen auftreten. Doch was hat es mit der ominösen Männergrippe auf sich, die auch außerhalb der Grippe- und Erkältungssaison vorkommt?

Die Männergrippe und geschlechtsspezifische Unterschiede bei Erkrankungen

Mit Männergrippe bezeichnet man – meist scherzhaft – eine gewisse Neigung des vermeintlich starken Geschlechts (Männer), banale und harmlose gesundheitliche Defizite unnötig zu dramatisieren, während das vermeintlich schwache Geschlecht (Frauen) lieber still leidet und ohne lautes Wehklagen weiterarbeitet.

Tatsächlich aber gibt es einen medizinischen Hintergrund: Männer erkranken tatsächlich häufiger. Das hat mit den Hormonen zu tun. Während das weibliche Sexualhormon Östrogen das Immunsystem stimuliert und es damit regelrecht scharf macht im Kampf gegen eindringende Krankheitserreger, sorgt das männliche Sexualhormon Testosteron für eine Schwächung des Immunsystems. Und je höher der Testosteronspiegel, desto anfälliger ist das Immunsystem. Den Typus des „echten Kerls" trifft es demnach häufiger als alle anderen – auch bei grippalen Infekten und der Virusgrippe. Doch die Hormone allein reichen nicht, um das Phänomen zu erklären. Hinzu kommen oft ungesunde Verhaltensweisen, die bei Frauen weniger stark ausgeprägt sind: Männer leben oft risikoreicher, ernähren sich ungesünder und achten weniger auf sich und ihre Gesundheit. Männer sind auch weniger konsequent beim Impfen.

Im Fall der Virusgrippe sollte man sich – weil die Immunisierung bekanntlich nicht sofort eintritt – impfen lassen, bevor es zu einer echten Grippewelle kommt. Wenn es für die aktuelle Grippesaison auch zu spät sein mag, um den Impfschutz aufzubauen – wer dieses Jahr im Herbst rechtzeitig daran denkt, kann für die nächste Grippesaison vorbeugen. Die Grippeschutzimpfung kann allerdings nur das Risiko für die Virusgrippe senken – auf grippale Infekte und Männergrippe hat sie keinerlei Einfluss.

Was tun bei Männergrippe?

Die Diagnose Männergrippe kann also zweierlei bedeuten. Zum einen das – hormonell und verhaltensbedingt – tatsächlich vorhandene Risiko, als Mann eher an Infekten zu erkranken. Zum anderen aber die Neigung von Männern, aus leichten Infekten durch übertriebene Leidensbekundung etwas sehr Schwerwiegendes zu machen, das besondere Rücksichtnahme erfordert.

Im ersten Fall – erkennbar daran, dass das Virus tatsächlich zugeschlagen hat und wirklich gar nichts mehr geht – ist so zu verfahren wie bei Krankheiten üblich: Arztbesuch, eventuell Medikamente und strikte Bettruhe.

Der zweite Fall ist dadurch leicht zu diagnostizieren, dass bestimmte liebgewonnene Tätigkeiten im Hobbybereich trotz Erkrankung auch weiter gern ausgeübt werden. Hier wirkt der konsequente Entzug von Mitleid und Rücksichtnahme oft Wunder und beschleunigt die Heilung ungemein.