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Seelische Gesundheit

Das Märchen vom Multitasking

Telefonieren, Mails checken und ein Meeting vorbereiten; Autofahren, ein Hörbuch hören und eine SMS schreiben; Kochen, das Kind beruhigen und per Smartphone chatten: Unser modernes Leben ist komplex und rasant, ständig sind wir an allen Ecken gefordert. Multitasking heißt die Zauberformel, die uns vorgaukelt, besonders effektiv zu sein, wenn wir mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Doch das ist ein Irrtum. Verschiedenen Studien zufolge erhöht nämlich Multitasking nicht die Effizienz, sondern führt vielmehr zu einem Verlust an Konzentration und Leistung und verursacht obendrein jede Menge Stress. Darüber hinaus kann Multitasking sogar gefährliche Situationen herbeiführen, etwa wenn wir beim Autofahren telefonieren.

Multitasking hat Grenzen

Echtes Multitasking unterscheidet sich wesentlich von komplexen Handlungen: Das Zubereiten eines Mehrgängemenüs ist zweifellos eine komplexe Aufgabe mit mehreren verschiedenen Handlungen. Doch all diese Einzelhandlungen haben ein und dasselbe Ziel im Blick, nämlich das hundertprozentige Gelingen des vorgegebenen Rezepts.

Beim Multitasking dagegen wollen mehrere Aufgaben mit voneinander unabhängigen Zielen zeitüberlappend bewältigt werden. Das ist jedoch Hirnforschern zufolge neurobiologisch gar nicht möglich. Das Gehirn kann sich nicht gleichzeitig auf mehrere komplexe Abläufe konzentrieren. Sicher: Musik hören und das Badezimmer putzen gelingt mühelos, doch komplizierte Arbeitsprozesse brauchen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, wenn sie zu hundert Prozent erledigt werden sollen. Beim Versuch des Multitasking springt unser Gehirn allenfalls rasch zwischen den verschiedenen Anforderungen hin und her. Das Ergebnis: Die Arbeitszeit erhöht sich, Fehler schleichen sich ein, die Leistungsfähigkeit sinkt, der Stress steigt.

Routine und Übung ermöglicht mehr Gleichzeitigkeit

In einigen Bereichen ist Multitasking in Grenzen möglich. Meist handelt es hier jedoch um Routinevorgänge. Automatisierte Handlungen erfordern keine neuen Denk- und Entscheidungsprozesse: Wir können problemlos unser Schaltgetriebe im Auto bedienen, gleichzeitig Musik hören und werden in der Regel trotzdem das nächste Straßenschild nicht übersehen. Lassen wir uns allerdings auf ein Streitgespräch mit unserem Beifahrer ein, das nicht nur Konzentration fordert, sondern auch die Emotionen bewegt, funktioniert das routinemäßige Schalten in den nächsten Gang zwar noch, aber die Aufmerksamkeit für unvorhergesehene Situationen im Straßenverkehr leidet erheblich. Bis zu einem gewissen Grad kann man gleichzeitiges Erledigen von leichten Aufgaben trainieren. Je besser wir mit einem Arbeitsablauf vertraut sind, desto mehr Hirnkapazitäten haben wir frei für andere Aufgaben.

Eins nach dem anderen

  • Gerade bei schwierigen Aufgaben ist es wichtig, erst eine Sache konzentriert abzuschließen und sich dann der nächsten mit voller Aufmerksamkeit zuzuwenden.
  • Die Kollegen bitte möglichst nicht mit vermeintlich dringenden Anfragen ständig bei der Arbeit unterbrechen, Fragen besser sammeln und beim Meeting erörtern.
  • Die Arbeit nicht dauernd durch Checken der neuesten Mails unterbrechen, eventuell reicht hier ein halbstündliches Überprüfen der Neueingänge.
  • Für effizientes Lernen sich jeweils ein Thema für einen bestimmten Zeitraum vornehmen und nicht ständig zwischen den Themen wechseln.
  • Nicht jede Eilmeldung muss auch sofort gelesen werden, eine ständige Ablenkung und Unterbrechung komplizierter Arbeitsprozesse gilt es vielmehr zu vermeiden.