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Bewegung

Muskelkrämpfe: Was genau steckt dahinter?

Normalerweise arbeiten Muskeln und Nerven perfekt zusammen. So ermöglichen sie eine aufrechte Haltung und viele Bewegungsformen – und das alles völlig problemlos. Doch fast jeder kennt den plötzlichen Schmerz eines Muskelkrampfes, der meist in den Waden, mitunter aber auch in den Zehen auftritt und Sekunden oder gar Minuten andauert. Durchtrainierte Sportler und wahre Bewegungsmuffel können von einem Muskelkrampf gleichermaßen betroffen sein. Ein Muskelkrampf ist meist harmlos und keine Krankheit, aber doch ein ernstzunehmender Hinweis. Das gilt besonders bei häufiger Wiederkehr. Ist der akute Krampfzustand gelöst, gilt es Ursachenforschung zu betreiben und entsprechend zu handeln. Der Gang zum Arzt und eine medizinische Behandlung sind zum Glück nur in seltenen Fällen nötig. Durch eine ausgewogene Ernährung und ein sinnvolles Maß an Bewegung kann in vielen Fällen weiteren schmerzhaften Krämpfen vorgebeugt werden.

Was passiert bei einem Muskelkrampf?

Unsere Muskulatur befindet sich ständig in einem Wechselspiel von Anspannung und Lockerung. In der Regel bleiben diese Vorgänge von uns gänzlich unbemerkt. Damit Bewegungen reibungslos funktionieren, senden alle Muskelpartien permanent Signale über ihren Zustand mittels der Nervenbahnen an das Gehirn. Hier werden die Sinnesinformationen ausgewertet. Anschließend gehen vom Zentralnervensystem Impulse an die Muskulatur aus. Korrekturen in der Körperhaltung oder zielgerichtete Bewegungen werden auf diese Weise ausgelöst. Der Begriff Sensomotorik bezeichnet dieses enge Zusammenspiel von sensorischen Meldungen und motorischen Impulsen. Ein Krampf, also eine andauernde Kontraktion der Muskulatur, ist nun weniger im entsprechenden Muskel selbst begründet als vielmehr in einer fehlerhaften Signalübertragung. Als Folge ist der Regelmechanismus, der für eine Entspannung sorgt, außer Kraft gesetzt. Zusätzlich werden die Schmerzrezeptoren aktiviert, so mancher möchte sich während eines Muskelkrampfes am liebsten gar nicht bewegen. Die Störung der Signalübertragung kann verschiedene Ursachen haben. Entsprechend sind unterschiedliche Therapien angezeigt.

Ursachenforschung und Therapie

Übermäßige Belastung beim Sport...

...lässt die Muskulatur ermüden. Als Folge senden die Muskelpartien möglicherweise falsche Informationen aus, die eine heftige Anspannung hervorrufen statt eine Entspannung zu erzeugen. Der Regelmechanismus ist außer Kraft gesetzt. Die Folge davon ist ein Muskelkrampf.

Starkes Schwitzen beim Sport...

…bringt einen großen Verlust an Flüssigkeit und wichtigen Mineralstoffen mit sich. Neben einem Mangel an Kalium und Magnesium kann auch ein Natriummangel auftreten, die neuronale Signalübertragung wird erheblich gestört. Bei starker körperlicher Belastung im Sommer etwa einen Liter Wasser pro Stunde trinken, magnesiumreiches Wasser bevorzugen und natriumarmes Wasser mit einer Messerspitze Kochsalz anreichern.

Magnesiummangel...

...wird vielfach hinter einem Muskelkrampf vermutet. Die Einnahme von Magnesium ist eine häufige Empfehlung, ist Magnesium doch wichtig für die Signalübertragung und Impulsgebung. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis für die Behandlung von Krämpfen und einer Vorbeugung mit Magnesium konnte allerdings noch nicht erbracht werden. Magnesium bitte nicht im Übermaß vor oder während einer langen sportlichen Belastung einnehmen, besser nach dem Training und wohldosiert über einen längeren Zeitraum. Ein Zuviel an Magnesium kann zu Durchfällen führen, im Extremfall auch Leber, Herz und Gehirn schädigen.

Ein Abbau der Muskulatur oder eine Verkürzung der Muskeln...

…kann bei Sportabstinenzlern mit überwiegend sitzender Lebensweise beim Einstieg in sportliche Aktivitäten zu einer Überlastung der Muskulatur führen. Eine Wirrwarr in der Signalübertragung und Muskelkrämpfe, besonders nachts, können die Folge sein.

Wenn die Krämpfe immer nach einer großen Belastung auftreten...

...kann mangelnde Regeneration die Ursache für einen Muskelkrampf sein. Wichtig ist auch ausreichendes Trinken nach dem Sport und ein Ausgleich des Elektrolythaushalts. Eine ausgewogene Ernährung, die alle wichtigen Vitalstoffe enthält, ist außerdem wichtig für die Funktionsfähigkeit des Körpers.

Alkoholmissbrauch...

...kann Mangelzustände und Nervenschädigungen nach sich ziehen. Die Signalübertragung und auch die Durchblutung der Muskulatur ist gestört. Krämpfe treten häufiger auf, auch ein Missempfinden in den Beinen wird vermehrt wahrgenommen.

Krankhafte Ursachen...

...können hinter immer wiederkehrenden und lang anhaltenden Muskelkrämpfen stecken, besonders wenn sie von Schwellungen oder Taubheitsgefühl begleitet werden. Die Diagnose gehört dann unbedingt in ärztliche Hände! Diabetes, chronische Nierenschwäche, bestimmte bakterielle Infekte, Schilddrüsen-, Muskel- oder Nervenerkrankungen müssen entsprechend behandelt werden.

Chininsulfat für eine medikamentöse Therapie des Muskelkrampfs...

...bitte niemals auf eigene Faust anwenden! Der früher frei verkäufliche Wirkstoff steht heute unter Verschreibungspflicht. Grund dafür sind mögliche Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Blutbildveränderungen, Blutungsneigungen und Herz-Rhythmus-Störungen. Zwar sind entsprechende Arzneimittel noch zugelassen für die Therapie nächtlicher starker Wadenkrämpfe, jedoch nicht bei Kindern und Jugendliche, sondern ausschließlich bei Erwachsenen unter strenger ärztlicher Kontrolle.

Heftige Schmerzen während des Muskelkrampfs und leichte Nachschmerzen...

...sollten nicht auf eigene Faust mit Paracetamol oder Aspirin behandelt werden. Sanfte Dehnübungen, Massagen, warme Wickel oder Bäder lindern Schmerzen. Bei starken Schmerzen bitte einen Termin in der Arztpraxis machen.