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Studie: Fast drei viertel aller Rheinland-Pfälzer würden Organe spenden – doch nur vier von zehn haben einen Ausweis

Ludwigshafen, 12. Juli 2016 – 71 Prozent aller Menschen in Rheinland-Pfalz sind grundsätzlich zu einer Organspende bereit. Doch nur 40 Prozent der potenziellen Spender sind im Besitz des dafür notwendigen Organspendeausweises – drei Prozent weniger als in der Gesamtbevölkerung. Rheinland-Pfälzer, die eine Organspende ablehnen, haben in erster Linie (62 Prozent) kein Vertrauen in das Vergabesystem, zugleich gibt es Bedenken bezüglich einer sicheren Todesdiagnose (37 Prozent). Eine Stammzellenspende würden sechs von zehn Rheinland-Pfälzern durchführen (60 Prozent), typisiert sind hierzulande jedoch nur ein Viertel der potenziellen Spender (25 Prozent). Wer eine Stammzellenspende ablehnt, nennt vor allem Ängste in Bezug auf den Eingriff und eventuelle Spätfolgen. Dies sind Ergebnisse der aktuellen Studie „Knochenmark- und Organspende 2016" der pronova BKK. Grundlage ist eine Befragung von 250 Bürgerinnen und Bürgern in Rheinland-Pfalz im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Insgesamt nahmen 1.630 Bundesbürger an der deutschlandweiten repräsentativen Befragung teil.

„Deutlich mehr Menschen in Rheinland-Pfalz sind zu einer Organ- oder Stammzellenspende bereit als diejenigen, die einen Ausweis besitzen oder sich haben typisieren lassen", fasst Lutz Kaiser, Vorstand der pronova BKK, die Studienergebnisse zusammen. Dabei könnte man sein Einverständnis zur Organspende mithilfe des Ausweises ganz einfach schriftlich erklären und so für den Ernstfall vorsorgen. Für eine Stammzellenspende ist es notwendig, im Vorfeld die dafür notwendige Typisierung vorzunehmen. „In beiden Fällen sind Viele mit den bestehenden Regelungen und Abläufen nicht genug vertraut. Das schafft Raum für Vorurteile und Vorbehalte, die wir dringend ausräumen müssen", so der Experte.

Mehrheit der Spendebereiten in Rheinland-Pfalz würde alle Organe geben

Die prinzipielle Spendenbereitschaft ist hoch: Fast drei Viertel (71 Prozent) der rheinland-pfälzischen Bevölkerung, die zu einer Organspende bereit sind, würden nach ihrem Tod alle Organe zur Verfügung stellen. 29 Prozent würden eine Auswahl vorgeben. Die höchste Spendenbereitschaft besteht bei Nieren und Leber, gefolgt von Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Darm. Gewebespenden, etwa Augenhornhaut oder Knochen, werden eher abgelehnt.

Ihre potenzielle Spendenbereitschaft begründet die Mehrheit der Menschen in Rheinland-Pfalz mit dem Wunsch, anderen Menschen helfen zu wollen (59 Prozent). Im Bundesdurchschnitt geben 65 Prozent der Befragten dies als Hauptgrund an. Weit weniger Rheinland-Pfälzer nannten als Motiv für ihre Spende, dass sie sich im Ernstfall ebenfalls ein Spenderorgan wünschen bzw. dieses in Anspruch nehmen würden (38 Prozent). Bundesweit nannten 44 Prozent der Befragten dies als Beweggrund für ihre Bereitschaft zur Organspende. Seinen Mitmenschen zu helfen ist auch die Hauptmotivation der Rheinland-Pfälzer, wenn es um eine Stammzellenspende geht. Hier sind insgesamt 60 Prozent dazu bereit – exakt so viele, wie im Bundesdurchschnitt.

Misstrauen in das Vergabesystem ist in Rheinland-Pfalz stark ausgeprägt

Rheinland-Pfälzer, die eine Organspende grundsätzlich ausschließen, hegen vor allem Zweifel am Vergabesystem (62 Prozent). Damit ist das Misstrauen der Menschen zwischen Eifel und Weinstraße weitaus größer als das der Bundesbürger insgesamt (52 Prozent). Gleichzeitig schätzt ein Großteil (77 Prozent) der Menschen in Rheinland-Pfalz den Nutzen einer Organspende höher ein als etwaige Nachteile. Dass die Skepsis trotzdem die Vorteile überwiegt, liegt in erster Linie an Medienberichten über Skandale. Jeder zweite Rheinland-Pfälzer (51 Prozent) lässt sich dadurch negativ in seiner Einstellung zur Organspende beeinflussen. Der am zweithäufigsten genannte Grund ist die Angst, zum Organspender wider Willen zu werden. Zum Beispiel, wenn Ärzte die Überlebenschancen eines potenziellen Empfängers höher einschätzen als die des Spenders. Diesen Grund gaben in Rheinland-Pfalz mit 37 Prozent besonders viele der Organspendegegner an, bundesweit nannten 29 Prozent der Befragten dieses Motiv.

Unbegründete Vorurteile der Rheinland-Pfälzer gegen Organspende ausräumen

„Viele Bedenken der rheinland-pfälzischen Bevölkerung hinsichtlich des Systems der Organspende sind unbegründet", sagt Lutz Kaiser von der pronova BKK. So wüssten viele nicht über das Standardverfahren Bescheid, bei dem zwei Ärzte den Hirntod unabhängig voneinander durch eine anerkannte und sichere Methode diagnostizieren müssten. Dass 55 Prozent der Organspendegegner in Rheinland-Pfalz in der Studie angaben, unter dieser Voraussetzung ihre Entscheidung überdenken zu wollen, sei ein positives Signal. „Hier müssen wir mit Aufklärung und mehr Information ansetzen", so der Experte.

Auch beim Thema Stammzellenspende existieren Vorurteile. Diese beziehen sich vor allem auf Risiken und mögliche Spätfolgen bei der Entnahme. Viele Rheinland-Pfälzer wissen nicht, dass durch moderne Möglichkeiten der Stammzellenentnahme wie der Blutstammzellenspende kein operativer Eingriff notwendig ist. Bei dieser sogenannten peripheren Stammzellenspende ist lediglich eine vorherige Medikamenteneinnahme zur Aktivierung der Stammzellenausschüttung notwendig, die grippeähnliche Symptome als Nebenwirkung hervorrufen kann. Langzeitnebenwirkungen sind nicht bekannt. Nach der Entnahme in Form einer Knochenmarkspende ist lediglich mit einem lokalen Wundschmerz zu rechnen, der mit einem Prellungsschmerz vergleichbar ist. Dabei liegen die größten Risiken in der üblichen Narkose. Die Art der Entnahme ist von den Patienten frei wählbar. Wären sie über diese Methode aufgeklärt, würden mehr als 55 Prozent der Verweigerer in Rheinland-Pfalz einer Stammzellenspende zustimmen. Generell würde sich etwa jeder Zweite umentscheiden, wenn er wüsste, dass die Chance auf Heilung des Empfängers mindestens 60 Prozent beträgt und darüber hinaus zur Typisierung keine ärztliche Voruntersuchung stattfinden muss.

„Trotz großer Medienpräsenz des Themas Knochenmark- und Blutstammzellenspende schreckt nach wie vor jeder fünfte der rheinland-pfälzischen Bevölkerung davor zurück", so pronova BKK-Vorstand Lutz Kaiser. Grund könnte ein falscher Absender der Kampagnen sein. Die meisten Rheinland-Pfälzer wünschen sich Aufklärung zum Thema Organ- und Stammzellenspende in erster Linie von Vertretern aus dem Gesundheitswesen, vor allem von ihrem Hausarzt (64 Prozent) und ihrer Krankenkasse (60 Prozent). Der Wunsch, über die Medien aufgeklärt zu werden, liegt mit 49 Prozent deutlich dahinter. Doch nach wie vor werden Informationen zur Knochenmarkspende in Rheinland-Pfalz vor allem über das Fernsehen (56 Prozent) und Internet (36 Prozent) wahrgenommen. Lutz Kaiser: „Diese Erwartung an uns und das damit verbundene Vertrauen sehen wir als Auftrag, durch gezielte Aufklärung die Bereitschaft zur Knochenmark- und Organspende der Bewohner von Rheinland-Pfalz signifikant zu steigern."

Zur Studie

Die Studie „Knochenmark- und Organspende 2016" wurde im April 2016 im Auftrag der pronova BKK im Rahmen einer Online-Befragung durchgeführt. Es wurden dafür bundesweit 1.630 Teilnehmer repräsentativ befragt.

Über die pronova BKK
Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen großer Weltkonzerne wie z.B. Bayer, BASF, Ford, Continental oder Hapag-Lloyd entstanden. Die Kasse ist bundesweit für alle Interessierten geöffnet. Über 670.000 Kundinnen und Kunden schätzen die persönliche Betreuung, den exzellenten Service und die umfassenden Leistungen. Die pronova BKK ist mit einem dichten Geschäftsstellennetz an rund 80 Kundenservice- und Beratungsstellen vertreten. Sie gehört zu den fünf größten Betriebskrankenkassen und zu den größten Krankenkassen in Deutschland. Weitere Informationen unter www.pronovabkk.de.