Familien schaffen nach der Pandemie neue Spielregeln

Eine aktuelle Studie der pronova BKK beleuchtet die Einstellungen und Stimmungen von Familien in der Corona-Krise. Wir haben hierfür 1.000 Menschen mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt befragt. Die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen ordnet die Ergebnisse ein.

pronova BKK: In 84 Prozent der Haushalte haben alle Kinder alle von der Stiko empfohlenen Impfungen erhalten. Bei Corona-Impfungen sind Eltern gespaltener Meinung. Jetzt ist die Stiko-Empfehlung für Kinder ab 12 Jahren da. Sind Eltern unter Druck?

Corinna Mühlhausen: Covid-19 ist eine besonders dramatische Krankheit, noch nie wurde eine Impfung so stark diskutiert und so offen mit Ängsten umgegangen. Die soziale Kontrolle erschwert die Abwägung von Risiken. Viele Familien müssen sich rechtfertigen, wenn sie sich gegen eine Impfung von Kindern entscheiden. Hier hilft es, miteinander zu sprechen. Langfristig wird die Zeit der Pandemie beeinflussen, wie die Kinder mit den Themen Impfung und Vorsorge umgehen, wenn sie selbst erwachsen sind. Es ist zu erwarten, dass das gesundheitsbewusste Verhalten künftig einen immer höheren Stellenwert erhält.

pronova BKK: Sind die Kinder nicht noch zu jung für so viel Verantwortung?

Mühlhausen: Wenn sie im Dialog mit ihren Eltern sind, nicht. Es ist ein positiver Effekt, dass in Familien offener über medizinische Themen und auch die psychische Gesundheit gesprochen wird. Die 10- bis 15-Jährigen waren besonders von den Folgen der Pandemie betroffen. Sie hatten weniger Gelegenheit, ihre Freunde zu treffen und mussten im Lockdown viel Zeit mit Eltern verbringen, von denen sie sich ja eigentlich abnabeln wollen. Eltern wurde überdeutlich vor Augen geführt, dass ihre Kinder sie als Gesprächspartner und Anker brauchen.

pronova BKK: Nach den Lockdowns freuen sich die Familien laut Studie besonders über die Öffnungen von Schule und Kita. Hat sich die Bedeutung von Bildung gewandelt?

Mühlhausen: Die letzten Monate haben Eltern vor Augen geführt, welche facettenreichen Aufgaben das Bildungssystem im Leben der Kinder übernimmt. Schulen und Kitas sind ein stabilisierender Rahmen für das Aufwachsen und die Entwicklung. In der Folge wird sich das System verändern. Mentale Gesundheit wird wichtiger werden. Es wird ein neuer Beruf an der Schnittstelle zwischen Lehrer, Erziehern und Sozialpädagogen entstehen, der die Bereiche zum Wohle der Kinder besser vernetzt.

pronova BKK: Besonders die Eltern freuen sich auch darüber, dass Kinder jetzt wieder mehr Alternativen zum Medienkonsum haben. Aber kommen sie ohne Smartphone und Co noch zurecht?

Mühlhausen: In der Pandemie hat sich das soziale Miteinander zwangsläufig auf Medien verlagert. Die Generation Z kann und will nicht mehr ohne die digitalen Helfer. Hier braucht es Impulse, am besten von Vorbildern wie Youtubern, die einen kritischen Blick auf den Medienkonsum wagen und zu einer Medienpause einladen. Die Kinder sind heute besser zu einer ganzheitlichen Betrachtung der psychischen und physischen Folgen in der Lage.

pronova BKK: Die Studie zeigt aber auch, dass zu Hause mehr gesprochen, mehr zusammen unternommen oder gespielt wurde. Wird das auch nach Corona bleiben?

Mühlhausen: Es ist möglich, dass gemeinsame Aktivitäten privat Bestand haben. Doch das muss gelebt werden, sonst stellen sich schnell die Vor-Covid-Rituale ein. Vielleicht fanden es die Familienmitglieder schön, Brettspiele zu spielen, Jugendliche haben das Kochen oder Backen entdeckt. Das sollten sie auch nach der Krise aktiv weiterbetreiben.

pronova BKK: Als alle mehr zu Hause waren, haben sich auch Aufgaben und Rollen im Haushalt verschoben. Gibt es jetzt ein Zurück zu traditionellen Rollen oder sind langfristig neue Modelle entstanden?

Mühlhausen: Es gab beide Entwicklungen. Die Studie zeigt, dass die Pandemie besonders für Frauen eine anstrengende Zeit war, die oft überfordert mit Homeoffice und Homeschooling waren. An den Rollenbildern der Kinder hat sich etwas verändert: Der Vater war plötzlich häufiger zuhause, es gab eine neue Form von Miteinander. Schon jetzt ermöglichen viele Firmen Vertrauensarbeitszeiten und Home Office. Spätestens wenn die heutigen Kinder in den Beruf einsteigen, werden sie neue Spielregeln in der Arbeitswelt auch bei den Firmen erzwingen, die jetzt nur das gesetzliche Muss angeboten haben.

pronova BKK: Laut Studie sind nicht nur neue Rollenbilder, sondern auch neue Ängste der Eltern entstanden…

Mühlhausen: Die Angst vor einer weiteren Pandemie wird das Gesundheitsverhalten und das Bemühen um Vorsorge zukünftig mitbestimmen. Familien sind extrem von der Covid-Krise betroffen, sie haben sich aber mit Mut und Durchhaltevermögen aus der Überforderung befreit. Drei Viertel der Eltern geben an, dass die Familie zusammengewachsen sei. Das zeigt, über welche großartigen Resilienzfähigkeiten sie verfügen. Die Menschen haben verstanden, dass Krisen nur gemeinschaftlich überstanden werden können – im Sinne einer Wir-Kultur werden sie sich künftig verstärkt darum kümmern, Mensch, Tier und Umwelt nachhaltig gesund zu erhalten.

Pressemitteilungen

Corona-Impfung für Kinder? Eltern sind gespaltener Ansicht

Studie belegt großes Vertrauen in die Stiko: 43 Prozent machen Entscheidung von einer Empfehlung abhängig

Leverkusen, 16. August 2021 – Corona-Impfung für Kinder? Diese Frage spaltet die deutsche Elternschaft. 17 Prozent möchten ihr Kind impfen lassen, 28 Prozent auf keinen Fall. 43 Prozent würden erst einer entsprechenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) folgen. Wenn die Stiko diese ausspräche, wäre sogar die Hälfte der Eltern für eine Impfpflicht. Dies sind Ergebnisse der Studie „Familien in der Krise“ der pronova BKK, für die 1.000 Menschen mit mindestens einem Kind im Haushalt befragt wurden.

Derzeit sind mit den Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna zwei Präparate für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Empfohlen wird die Immunisierung aber nur für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen. Für jüngere Kinder gibt es derzeit noch keine zugelassenen Vakzine gegen Corona. Die Studie zeigt, dass die Impfbereitschaft in Familien bei 60 Prozent liegt – allerdings nur für den Fall, dass die Stiko eine Impfempfehlung auch für alle Kinder ausspricht.

Stiko genießt bei Eltern größtes Vertrauen

„Wir sehen einmal mehr, wie groß das Vertrauen der Eltern in die Stiko ist. Sie ist die Instanz, auf die Eltern ihre Entscheidungen beim Thema Impfen in vielen Fällen stützen“, sagt Dr. Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK. Neben den aktuell diskutierten Corona-Impfungen hören Eltern auch bei anderen Impfentscheidungen auf die Stiko. So würden sogar mehr als drei Viertel eine Impfpflicht zumindest für einige der Standardimpfungen wie Tetanus oder Polio befürworten. 44 Prozent gehen so weit, dass sie den gesamten Stiko-Impfkalender für Kinder zur Pflicht machen wollen. Würde das Gremium auch die Corona-Impfung für alle Kinder empfehlen, wäre gut ein Drittel für eine Impfpflicht, 41 Prozent dagegen. 16 Prozent sprechen sich unabhängig von dem Votum der Stiko für eine verpflichtende Corona-Impfung für Kinder aus.

Große Mehrheit folgt Impfkalender

Insgesamt ist die Impfbereitschaft in Deutschland groß: 84 Prozent geben an, dass ihre Kinder nach Stiko-Empfehlung durchgeimpft sind. Nur drei Prozent lassen ihre Kinder nicht impfen. 86 Prozent vertrauen bei dem Thema ihrer Kinderarztpraxis. Jeweils rund acht von zehn Eltern haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder- und Jugendärzte auch auf kritische Fragen intensiv eingehen und bei Zweifeln oder Sorgen Verständnis haben.

„Die Eltern in Deutschland sehen Schutzimpfungen für ihre Kinder grundsätzlich positiv. Die öffentliche Kontroverse um die Corona-Impfung der Kinder ab 12 Jahren aber hat Spuren hinterlassen und zweifellos für Verunsicherung gesorgt“, sagt Herold von der pronova BKK. „Viele Eltern fragen sich, wie sie die Situation für ihre Kinder bewerten und welche Schlüsse sie ziehen sollen.“

Ambivalente Ansichten zur Corona-Kinderimpfung

Diese Unsicherheit spiegelt sich auch deutlich in den Studienergebnissen: Die befragten Eltern kommen zu ambivalenten Einschätzungen. So halten sechs von zehn die Impfung für sinnvoll zum Aufbau einer Herdenimmunität und für einen sicheren Schulbetrieb. Zugleich befürchten ebenso viele eine versteckte Impfpflicht, wenn einzelne Aktivitäten nur für geimpfte Kinder möglich sein sollten. Die Sorgen vor Nebenwirkungen der Impfung sind bei 58 Prozent der Befragten größer als vor einer Ansteckung mit dem Virus, einem schweren Krankheitsverlauf und auch vor Spätfolgen wie Long Covid. Deutliche Mehrheiten sind dafür, zuerst solche Personengruppen zu impfen, die ein höheres Risiko haben, schwer an Covid zu erkranken. 80 Prozent sagen das mit Blick auf die Impfreihenfolge in Deutschland. 70 Prozent sind auch global betrachtet dieser Ansicht: Ehe Kinder in reicheren Ländern geimpft werden, sollten weltweit die Alten und Kranken geschützt werden.

Ältere Eltern offener für Corona-Impfung für ihr Kind

Die Bereitschaft, das eigene Kind gegen Corona zu impfen, ist auch vom Alter und der Bildung der Eltern abhängig. Ein Viertel der Mütter und Väter ab 45 Jahren wollen ihr Kind auch ohne Stiko-Empfehlung gegen Corona immunisieren lassen, im Schnitt sind es nur 17 Prozent. Unter den jungen Eltern zwischen 18 und 34 Jahren sind die Impfgegner am stärksten vertreten: 35 Prozent wollen ihr Kind auf keinen Fall impfen lassen, ganz gleich, welche Haltung die Stiko vertritt. In der gesamten Elternschaft sind es lediglich 28 Prozent. Unter Akademikern ist die Impfbereitschaft besonders hoch: 21 Prozent möchten die Kinderimpfung auch ohne Stiko-Empfehlung, 54 Prozent würden auf die Stiko hören. Mit einer Empfehlung würden damit insgesamt drei Viertel der Akademikerinnen und Akademiker den Nachwuchs gegen Corona impfen lassen. Bei den Müttern und Vätern mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss sind es 55 Prozent, im Schnitt der gesamten Elternschaft 60 Prozent

Zur Studie

Die Studie „Familien in der Krise“ wurde im Juli 2021 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt repräsentativ nach Geschlecht, Alter und Bundesland online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits über 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob per App, im Chat, über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon oder in den 60 Kundenservices vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden. Weitere Informationen auf pronovabkk.de.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Lockdown enorm erschwert

Berufstätige Eltern fühlten sich mit Homeschooling und Betreuung überfordert

Leverkusen, 1. September 2021 – Einen erneuten Lockdown würden Eltern und Kinder in Deutschland nicht durchstehen. Denn die Erschöpfung ist groß: Kinderbetreuung und Homeschooling über Monate haben viele Familien extrem belastet und tiefe Spuren hinterlassen. Die Hälfte der berufstätigen Mütter und Väter war mit der Kombination aus Homeschooling, Kinderbetreuung und Arbeit komplett überfordert. Das zeigt die Familien-Studie der pronova BKK, für die 1.000 Menschen mit mindestens einem Kind im Haushalt befragt wurden.

Das Gefühl der Überforderung angesichts von Kinderbetreuung und Homeschooling im Lockdown und den Anforderungen im Job kennen 53 Prozent der berufstätigen Eltern. Und das blieb nicht ohne Folgen für den Job: Vier von zehn Befragten sagen, dass ihre Arbeit darunter gelitten habe, dass die Kinder nicht im gewohnten Umfang in Schule und Kindergarten waren.

Vor allem den jungen Eltern, die noch am Anfang ihres Berufslebens stehen, machte die Situation arg zu schaffen. Bei den Müttern und Vätern unter 35 Jahren fühlten sich 58 Prozent mit Kinderbetreuung und Job überfordert. 51 Prozent sagen, dass ihre Arbeit darunter gelitten habe. „Angesichts geschlossener Schulen und Kitas segelten berufstätige Eltern hart an der Belastungsgrenze. Jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich in ihrem Job erst noch beweisen möchten und die vielleicht noch nicht so fest im Sattel sitzen wie ältere Kolleginnen und Kollegen, hatten es besonders schwer“, sagt Dr. Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK.

Homeschooling stellt Eltern vor Probleme

Monatelang waren es die Eltern, die die Verantwortung dafür trugen, dass ihr Kind beim Schulstoff mitkam. Die Studie zeigt, welche enorme Anstrengung das für Familien bedeutete: Das Gefühl der Überforderung beschlich Eltern mit jüngeren Schulkindern, die den Unterrichtsstoff nicht selbstständig bewältigen, besonders häufig. Zwei Drittel der Eltern mit Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren wurde das Homeschooling mitunter zu viel. Mit ihren ganz kleinen Kindern oder mit Jugendlichen ab 14 Jahren fühlten sich dagegen lediglich knapp die Hälfte der Mütter und Väter im Lockdown manchmal überfordert.

„Alltagsorganisation auf Sand gebaut“

Jede zweite Familie war auf Unterstützung bei der Betreuung angewiesen – ob privat oder in Schule oder Kita. Jüngere Eltern unter 35 Jahren wiederum hatten hier besonders großen Bedarf: 72 Prozent kamen nicht ohne Hilfe bei der Betreuung aus, um ihrem Beruf nachzugehen. Auch Familien mit jüngeren Kindern bis zehn Jahren holten sich verstärkt Unterstützung hinzu, um die fehlende Kita- und Schulbetreuung aufzufangen. Dennoch haben von den Müttern und Vätern mit jüngeren Kindern unter 13 Jahren nur 38 Prozent die Möglichkeit genutzt, Kindkranktage während der Schul- und Kita-Schließung zu nehmen, um den Nachwuchs betreuen zu können.

„Familien haben ihr Bestes gegeben, um die Situation irgendwie zu meistern. Das Gefühl der Unsicherheit aber ist in der Pandemie ein Dauerzustand geworden. Berufstätige Eltern können seit letztem Jahr nicht mehr darauf bauen, dass ihre Kinder verlässlich betreut werden, während sie arbeiten müssen. Die Alltagsorganisation ist auf Sand gebaut. Das löst ohne Zweifel Stress aus“, sagt Herold von der pronova BKK.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert

Immerhin 61 Prozent der Eltern stießen bei ihren Vorgesetzten auf etwas Verständnis für die familiäre Situation im Lockdown. Mehr als die Hälfte nutzte Angebote ihres Arbeitgebers wie Homeoffice, um Kinderbetreuung und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. In den Genuss individueller Angebote speziell für Eltern kamen allerdings nur ein Drittel der Befragten. 27 Prozent berichten, es habe lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Homeoffice-Angebote gegeben. Flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice, um bei der Kinderbetreuung entlastet zu werden, konnten besonders Eltern mit akademischem Abschluss nutzen. Bei ihnen waren es 76 Prozent.

Karriere-Bremse für Eltern

Selbst wenn Schulen und Kitas zwischen den Lockdowns geöffnet waren, blieb die beständige Sorge: Wann werden die Maßnahmen womöglich wieder verschärft? Wie kommen die Kinder zurecht, wie gut finden sie zurück in ihre Gruppe in Schule oder Kita? „Eltern brauchen die Gewissheit, dass der Nachwuchs gut betreut ist, um sich ganz auf die Erfordernisse im Berufsleben konzentrieren zu können. Diese Gewissheit ist in der Pandemie brüchig geworden. Schlechte Voraussetzungen für Höchstleistungen im Job: Insofern war das Betreuungsdesaster in den Pandemie-Monaten für Eltern definitiv eine Karrierebremse“, sagt Herold von der pronova BKK. Nun bräuchten Familien dringend Verlässlichkeit, um sich von den aufreibenden Monaten zu erholen. „Die Belastungsgrenze war vielfach überschritten. Wenn jetzt Schulen und Kitas verlässlich geöffnet bleiben, können auch Eltern aufatmen.“

Zur Studie

Die Studie „Familien in der Krise“ wurde im Juli 2021 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt repräsentativ nach Geschlecht, Alter und Bundesland online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits über 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob per App, im Chat, über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon oder in den 60 Kundenservices vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden. Weitere Informationen auf pronovabkk.de.

Studie zum Familienleben nach dem Corona-Modus: Erleichterung bei Eltern und Kindern

Rückkehr in Schule und Kita tut Familien gut, Sorgen wegen psychischer Folgen und verpasster Bildungschancen

Leverkusen, 09. September 2021 – Nach den Einschränkungen der Lockdown-Monate freuen sich Eltern und Kinder über die Rückkehr in Kita und Schule und das Ende der Kontaktbeschränkungen. Eine große Mehrheit der Mütter und Väter zeigt sich auch erleichtert darüber, dass die Kinder wieder mehr Alternativen zu Bildschirm und Fernseher haben. Doch so schnell lassen sich die Erfahrungen aus der Krise nicht abschütteln: Jede zweite Familie berichtet von physischen wie auch psychischen Belastungen für die Kinder. Dies sind Ergebnisse der Studie „Familien in der Krise“ der pronova BKK, für die 1.000 Menschen mit mindestens einem Kind im Haushalt befragt wurden.

Der Lockdown hat den Alltag von Eltern und Kindern aus den Angeln gehoben. Die aus Familiensicht wichtigsten Lockerungen waren die Rückkehr in Schulen und Kitas sowie die Möglichkeit, wieder Freunde zu treffen. Jeweils 50 Prozent der Eltern sagen, dass ihren Kindern die Rücknahme der Einschränkungen in diesen Bereichen besonders gutgetan habe. 39 Prozent fanden die Lockerung der Kontaktbeschränkungen, um Familienangehörige zu treffen, am wichtigsten. Aus Elternsicht eine Wohltat für die Kinder waren auch die Wiedereröffnung von Schwimmbädern und anderen Freizeiteinrichtungen (34 Prozent), die Wiederaufnahme von Hobbies im Verein oder in der Musikschule (22 Prozent) sowie Sport (20 Prozent).

Familien sind in der Krise zusammengewachsen

Familienleben im Corona-Modus bedeutete, dass Kinder und Eltern auf Theater, Kino und Schwimmbad, auf Reisen und auf Restaurantbesuche verzichten mussten, wie die große Mehrheit der Väter und Mütter berichtet. In der überwiegenden Zahl der Familien wurde dafür mehr miteinander gesprochen. 64 Prozent haben häufiger gemeinsam gespielt oder einen Ausflug gemacht. Entsprechend stellen drei Viertel der Eltern fest, dass die Familie in der Krisenzeit zusammengewachsen ist.

Jede zweite Familie im Lockdown psychisch belastet

Zugenommen haben während des Lockdowns aber auch der Medienkonsum (79 Prozent) und in selteneren Fällen auch Streitigkeiten in der Familie (36 Prozent). 46 Prozent der Eltern sehen die körperliche Gesundheit ihrer Kinder durch Bewegungsmangel und fehlende motorische Entwicklungsmöglichkeiten beeinträchtigt. Ebenfalls fast die Hälfte der Eltern gibt an, dass ihr Kind psychisch unter den Einschränkungen gelitten hat. „Das ist ein extrem hoher Wert, wenn man bedenkt, dass viele Menschen davor zurückschrecken, sich zu mentalen Herausforderungen zu bekennen“, sagt die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen. „Für viele Eltern war es Teil der Krisenerfahrung, dass sie sich um die psychische Gesundheit ihrer Kinder kümmern mussten.“

Dennoch sind 73 Prozent der Eltern zuversichtlich, dass ihr Kind die Erfahrungen aus der Krise und dem Lockdown gut verarbeiten wird. 89 Prozent der Eltern sagen, dass es allen gut tue, dass die Kinder wieder in Schule und Kita gehen könnten. 66 Prozent machen sich nach den Schul- und Kita-Schließungen Sorgen um die Bildungschancen ihrer Kinder. „Wie niemals zuvor wurde Eltern in den Monaten der Pandemie vor Augen geführt, welche wichtigen Funktionen das Bildungssystem im Leben ihrer Kinder übernimmt. Schulen und Kitas sind der stabilisierende Rahmen, in dem kognitive, soziale, körperliche und mentale Entwicklung stattfindet“, sagt Zukunftsforscherin Mühlhausen.

Die älteren Kinder sind müde, die jüngeren unruhig

In welcher Verfassung sind die Kinder nach den Corona-Monaten? Eltern nehmen bei ihren Kindern ab sechs Jahren vor allem Müdigkeit (47 Prozent), Antriebslosigkeit (45 Prozent) und Konzentrationsschwierigkeiten (43 Prozent) wahr. Bei den Älteren ab elf Jahren spielen Müdigkeit und Antriebslosigkeit eine dominierende Rolle, bei den Jüngeren kommt noch etwas anderes verstärkt hinzu: 35 Prozent der Eltern berichten von Unruhe; vor der Krise hatten dies nur 29 Prozent der Eltern bei ihren Kindern festgestellt. Auffällig in der Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen ist, dass alle abgefragten Symptome 2021 häufiger als vor zwei Jahren auftreten. Neben der Unruhe haben Kinder im Grundschulter auch verstärkt mit Konzentrationsproblemen, Sehschwierigkeiten und Kopfschmerzen zu kämpfen.

Zur Studie

Die Studie „Familien in der Krise“ wurde im Juli 2021 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt repräsentativ nach Geschlecht, Alter und Bundesland online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits über 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob per App, im Chat, über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon oder in den 60 Kundenservices vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden. Weitere Informationen auf pronovabkk.de.

Studie: Corona-Krise weckt neue Zukunfts-Ängste in der Elterngeneration

Pandemie-Stress überlagert viele andere Sorgen von Müttern und Vätern

Leverkusen, 12. Oktober 2021 – Mit der Corona-Pandemie sind die Zukunftssorgen der Eltern gewachsen. Die größte Angst haben Mütter und Väter vor einer Erkrankung ihres Kindes (35 Prozent). Danach folgen Sorgen angesichts der Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel (29 Prozent). Neu ist an dritter Stelle die Angst vor weiteren Pandemien oder einer neuen Corona-Welle (26 Prozent). Weit verbreitet ist zudem die Sorge um die Bildungschancen der Kinder (ebenfalls 26 Prozent). Dies sind Ergebnisse der Studie „Familien in der Krise“ der pronova BKK, für die 1.000 Menschen mit mindestens einem Kind im Haushalt befragt wurden.

Infektions-Wellen und Lockdown-Maßnahmen mit geschlossenen Schulen und Kitas haben bei den Eltern neue Sorgen wachsen lassen, besonders um die Bildungschancen der Kinder. Gut ein Viertel der Befragten fürchtet sich vor neuen Virus-Wellen wie auch vor Bildungslücken. „Die Pandemie war eine kollektive Krisenerfahrung“, sagt die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen. Auch die Folgen der Krise beschäftigen die Eltern: 23 Prozent befürchten psychische Belastungen ihrer Kinder, 21 Prozent wirtschaftliche Nachteile. „Die durchlittene Pandemie dürfte dazu beitragen, dass sich Eltern und Kinder stärker um Gesundheitsschutz und Vorsorge kümmern werden“, erwartet Mühlhausen.

Angst vor der Klimakrise tritt etwas in den Hintergrund

Mit der Pandemie-Erfahrung haben sich die Befürchtungen der Eltern verschoben. Das zeigt ein Vergleich mit den früheren Familienstudien der pronova BKK, für die seit 2015 alle zwei Jahre Eltern mit Kindern unter zehn Jahren befragt wurden. Trieben Befürchtungen mit Blick auf den Klimawandel im Jahr 2019 noch 38 Prozent um, fühlen sich 2021 nur noch 28 Prozent der Eltern mit Kindern unter zehn Jahren hierdurch am stärksten betroffen. Dabei hatte der Klimawandel den Familienstudien seit 2015 zufolge zunehmend Zukunftsängste ausgelöst: 2017 war der Anteil der besorgten Eltern war von 23 Prozent auf 28 Prozent angewachsen und hatte in den folgenden zwei Jahren sogar einen Sprung um zehn Prozentpunkte gemacht. „Die Pandemie hat mit ihren sozialen Folgen für die Familien das Thema Klimawandel überlagert“, konstatiert Mühlhausen, „die damit verbundenen Erschütterungen haben das Familienleben unmittelbar geprägt.“

Armut und Krankheit erscheinen weniger bedrohlich

Geldsorgen haben in den vergangenen Jahren abgenommen. In den früheren Familienstudien zählte die Sorge um die finanzielle Absicherung der Liebsten regelmäßig zu den Top drei, verlor aber kontinuierlich an Bedeutung. 2015 beunruhigte die finanzielle Lage jeden Zweiten, 2019 nur noch etwa jeden Dritten, in diesem Jahr jeden Vierten mit Kindern unter zehn.

Deutlich geschrumpft ist auch die Angst vor einer generellen Erkrankung des Kindes: Waren vor zwei Jahren noch knapp die Hälfte der Eltern unter Zehnjähriger deshalb besorgt, sind es heute nur noch 39 Prozent – und das in Pandemie-Zeiten. „Familien sind extrem von der Corona-Krise betroffen. Die Angst, dass das eigene Kind sich anstecken könnte, ist aber nur ein Aspekt. Lockdown-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen waren für die Familien mindestens ebenso belastend“, sagt Zukunftsforscherin Mühlhausen.

Pandemie-Angst schiebt sich im Bewusstsein nach vorn

Eine neuerliche Corona-Welle oder eine neue Pandemie – das gehört 2021 zu den größten Ängsten deutscher Eltern. „Dabei haben sich Familien mit Mut und Durchhaltevermögen aus der Überforderung befreit. Drei Viertel der Eltern geben an, dass die Familie zusammengewachsen sei. Das zeigt, wie resilient die Familie als Gemeinschaft ist.“ Mühlhausen sieht auch neue Ansätze der Krisenbewältigung, die in der Zukunft dienlich sein könnten. „Krisen tragen dazu bei, dass wir Menschen neue Fähigkeiten ausbilden. In den nächsten Jahren können die Erfahrungen im Umgang mit dieser Krise dabei helfen, unser Verhalten an die neuen Herausforderungen rund um die Klimakrise anzupassen und uns im Sinne einer neuen Wir-Kultur gemeinsam darum zu kümmern, Mensch, Tier und Umwelt nachhaltig gesund zu erhalten.“

Zur Studie

Die Studie „Familien in der Krise“ wurde im Juli 2021 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.000 Personen ab 18 Jahren mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt repräsentativ nach Geschlecht, Alter und Bundesland online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits über 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob per App, im Chat, über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon oder in den 60 Kundenservices vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden.

Pressekontakt pronova BKK

Nina Remor
pronova BKK
Horst-Henning-Platz 1
51373 Leverkusen
Tel.: 0214 32296-2305
E-Mail: presse@pronovabkk.de

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  • Eine aktuelle repräsentative Studie der pronova BKK beleuchtet das Seelenleben der „Generation Corona“, also der 16- bis 29-Jährigen. Die Ergebnisse zeichnen ein bedrückendes Bild: Jugendliche und junge Erwachsene leiden erheblich unter den pandemiebedingten Einschränkungen. Die Generation Corona ist traurig, einsam, voller Sorgen - und immer am Handy. Ihre sozialen Kontakte sind massiv eingeschränkt. Eine Situation, die das Wort Krise wirklich verdient. Wir haben die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen um eine Einordnung der Ergebnisse gebeten.

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  • Alkohol, Koffein, Nikotin – für viele gehören sie als Genussmittel zum Alltag. Andere finden Zerstreuung und Entspannung beim Shopping oder beim Naschen von Süßigkeiten, beim Fernsehen oder Daddeln am Computer oder Handy. Aber wann werden gelegentliche Freuden zu Gewohnheiten, die sich nicht mehr so leicht ablegen lassen? Und wer ist besonders anfällig für welche Verlockung? Wir wollten wissen, wie es um das Suchtverhalten der Deutschen bestellt ist.

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  • Wie kommen wir gesund durch die Pandemie? Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln, Maskenpflicht – all das ist seit dem Frühjahr 2020 Alltag geworden. Wir bemühen uns täglich aufs Neue, uns an Einschränkungen in unserem sozialen Leben, an ein verändertes Lernen und Arbeiten und den Verzicht auf Reisen zu gewöhnen. Doch was bedeutet die Corona-Krise für die Seele? Welche psychischen Folgen bringt ein Lockdown mit sich? Das wollten wir wissen, als wir die Studie „Psychische Gesundheit in der Krise“ planten.

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  • Die Smartphone-Nutzung im Kindesalter ist ein Thema, das die Gemüter von Eltern sowie von pädagogischen und medizinischen Fachkräften erhitzt. Wie unsere Studie „Smart Aufwachsen 2019?“ zeigt, beobachten etwa Kinderärztinnen und Kinderärzte häufig schon bei den Allerkleinsten deutliche Folgen der immer länger werdenden Bildschirmzeiten an Smartphone, Tablet und Co. – darunter Lernentwicklungsstörungen, Übergewicht und soziale Auffälligkeiten. Deshalb ist ein achtsamer Umgang mit den digitalen Begleitern enorm wichtig.

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