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Die pronova BKK nimmt Stellung: Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten bald verboten?

Längst hat die Digitalisierung auch den Gesundheitssektor erreicht. Sie bietet viele Möglichkeiten, die Versorgung zu verbessern. Unter dem Schlagwort E-Health kommen verbesserte Informations- und Kommunikationstechnologien zum Einsatz, die auf breite Akzeptanz stoßen, so auch der Versandhandel von Medikamenten durch Online-Apotheken. Im Oktober 2016 hat der Europäische Gerichtshof erlaubt, dass ausländische Versandapotheken Rabatte geben dürfen, die deutsche Präsenzapotheken nicht gewähren dürfen. Anstatt den Wettbewerb damit zu öffnen, bereitet das Gesundheitsministerium ein Verbot für den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten vor.

Eine ganze Branche im 21. Jahrhundert per Gesetz vom Onlineversandhandel auszuschließen ist nicht zeitgemäß. Gerade der Versandhandel kann dazu beitragen, dass die Versorgung von Patienten, die schon heute auf dem Land längere Anfahrtswege zu Apotheken haben, verbessert wird. Zur Arzneimittelversorgung sollten alle Vertriebswege genutzt werden, die eine sichere Versorgung garantieren.

Patienten im Nachteil

Die Apotheker wiederum möchten den derzeitigen Stand behalten. Der Patient geht zum Arzt, holt sich sein Papier-Rezept und löst es bei der Apotheke um die Ecke ein. Das ist sicher auch vielerorts heute noch so. Und für die Patientinnen und Patienten, die sich bewusst für diese Form der Versorgung mit Arzneimitteln entscheiden, sicher ein guter Weg, der nicht abgeschafft werden sollte.

Aber für all diejenigen, die gerne die Auswahl haben und in diesem Sinne das für sie beste Angebot auswählen möchten, ist es ein Rückschritt. Es muss auch an Menschen gedacht werden, die vielleicht an mehreren Krankheiten leiden, gehbehindert sind oder die keine Apotheke in unmittelbarer Erreichbarkeit haben. Für die kann eine Versandapotheke eine große Hilfe sein.

Lösung zu Lasten der Versicherten

Das Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente stellt Verbraucher schlechter, weil es ihnen einen von mehreren sicheren Wegen zum Bezug von Arzneimitteln nimmt. Es verhindert Wettbewerb, es missachtet europäische Freihandelsregeln, ohne nachzuweisen, dass die behauptete Gefährdung der Versorgung durch heimische Apotheken zutrifft. Denn die verbreitete Geschichte vom Apothekensterben ist kein starkes Argument, gehen doch insbesondere Inhaber in ländlichen Gegenden in den Ruhestand, ohne an einen Nachfolger zu übergeben. Doch genau das ist ja eigentlich ein Argument, das für den Versandhandel spricht und nicht dagegen.

Anteil am Umsatz von Apotheken

Versandapotheken0,95 %
Präsenzapotheken99,5 %


Die Versicherten ziehen bislang den stationären Handel noch deutlich vor. Abgebildet ist die aktuelle Situation nach einer Auswertung des BKK Dachverbands