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Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland: Die Kostenschere öffnet sich

Steigende Ausgaben

Im ersten Halbjahr 2014 haben die 131 gesetzlichen Krankenkassen Reserven in Höhe von 517 Millionen Euro abgebaut. Einnahmen in Höhe von rund 101,7 Milliarden Euro standen nach den vorläufigen Finanzergebnissen Ausgaben von rund 102,3 Milliarden Euro gegenüber. Die monatlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind damit erstmalig auf über 17 Milliarden Euro gestiegen. Die Krankenkassen verfügten zum Halbjahrswechsel 2014 noch über Reserven in Höhe von 16,2 Milliarden Euro. Der Jahresverlauf zeigt, dass sich die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben weiter öffnet. Insbesondere durch hohe Tarifabschlüsse und die dadurch steigenden Beiträge der Versicherten sind zwar die Einnahmen um rund 2,7 Prozent gestiegen, je Versicherten gab es im ersten Halbjahr 2014 jedoch einen Ausgabenzuwachs von 5,2 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 5,3 Prozent je Versicherten, die Verwaltungskosten um rund 2,2 Prozent.

Der Jahresverlauf zeigt, dass sich die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben weiter öffnet. Insbesondere durch hohe Tarifabschlüsse und die dadurch steigenden Beiträge der Versicherten sind zwar die Einnahmen um rund 2,7 Prozent gestiegen, je Versicherten gab es im ersten Halbjahr 2014 jedoch einen Ausgabenzuwachs von 5,2 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 5,3 Prozent je Versicherten, die Verwaltungskosten um rund 2,2 Prozent.

Entwicklungen in den einzelnen Leistungsbereichen

den Monaten Januar bis Juni 2014 sind die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen um 8,9 Prozent gestiegen. Hier führt die Versorgung mit innovativen Arzneimitteln zu erheblichen Mehrausgaben. Aktuell steht das Medikament Sovaldi in der Diskussion. Dieses zum Jahresbeginn neu zugelassene Medikament gilt als Durchbruch in der Therapie von Hepatitis-C-Infektionen – das ist sehr zu begrüßen. Dass aber eine Therapie mit 84 Tabletten 60.000 Euro kostet, ist aus Sicht der Kassen sehr bedenklich und nicht gerechtfertigt. Hier werden die Beitragszahler über Gebühr in Anspruch genommen. Bei Behandlung von bis zu 300.000 Hepatitis-C-Patienten (pro Jahr!) in Deutschland entstehen neue Milliardenkosten, die zusätzlich finanziert werden müssen.

Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben je Versicherten um 4,1 Prozent, bei den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung und Zahnersatz um 4,4 bzw. 2,8 Prozent. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung stiegen je Versicherten um 4,3 Prozent. Beim Krankengeld hat sich der Anstieg mit einem Plus von 6,7 Prozent gegenüber den Vorjahren nur etwas verlangsamt. Maßgebliche Ursachen für diesen Anstieg beim Krankengeld sind eine Zunahme der Krankengeldbezieher in höheren Altersgruppen bei steigendem Renteneintrittsalter sowie der Anstieg von lang andauernden psychischen Erkrankungen.

Hohe Zuwachsraten von 9,5 Prozent wiesen im ersten Halbjahr auch die Ausgaben für Hilfsmittel aus, was vor allem auf Verbesserungen im Bereich der Hörgeräteversorgung zurückzuführen ist – die Krankenkassen haben die Festbeträge für Hörhilfen bei hochgradig schwerhörigen Personen annähernd verdoppelt, die Ausgaben sind hier um rund 59 Prozent gestiegen.

Die Ausgaben der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung haben um 28 Prozent zugenommen – dass die Betreuung der Menschen mit nicht heilbaren Erkrankungen kontinuierlich stark verbessert wird, ist sehr zu begrüßen. Auch die um rund 7 Prozent gestiegenen Zuschüsse der Krankenkassen für ambulante und stationäre Hospize zeigen, dass sich die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland stetig verbessert. Die Ausgaben der Krankenkassen für Präventionsleistungen nach §§ 20 ff. SGB V haben ebenfalls einen deutlichen Anstieg (ca. 15,2 Prozent je Versicherten) erfahren.

Weiter steigende Ausgaben – was ist zu tun?

Die Zahlen des ersten Halbjahres sprechen dafür, dass für die Kassen bereits im Jahr 2014 die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds insgesamt nicht ausreichen werden, um die voraussichtlichen Ausgaben zu decken. Durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-FQWG) starten Krankenkassen und Gesundheitsfonds zum 1. Januar 2015 in eine neue Finanzarchitektur. Dass auch
im kommenden Jahr steigende Ausgaben nicht mit niedrigeren Beitragssätzen zu finanzieren sind, haben wir bereits in den letzten Ausgaben der pronova profil klargestellt. In den nächsten Monaten wird dieses Thema immer häufiger in den Medien auftauchen und kontrovers diskutiert werden. Indem wir Sie schon heute über die Hintergründe aufklären, verschaffen wir Ihnen einen wichtigen Informationsvorsprung.