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Mobile Ärzte sollen Versorgung auf dem Land sichern helfen

Der Fachärztemangel abseits der Ballungszentren ist ein ernstes Problem, das viele Menschen bewegt. Das Ziel der pronova BKK ist es, Lösungsmodelle zu entwickeln, um die fachärztliche Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern. Der neue Facharzt-Termin-Service hat schon für Entlastung gesorgt. Doch es muss noch mehr getan werden: Ein nächster Schritt wäre die Einrichtung von mobilen Facharztzentren.

In der Bevölkerungsbefragung* „Gesundheitsversorgung 2016" wollte die pronova BKK von den Menschen wissen, ob sie mit ihrer fachärztlichen Versorgung zufrieden sind. Es zeigt sich, dass eine deutliche Kluft zwischen ländlichen Gegenden und urbanen Zentren besteht. Das betrifft vor allem die Entfernungen zu den nächsten Facharztpraxen und die Wartezeiten bis zum Termin. Menschen in größeren Städten benötigten laut der Umfrage bei ihrer letzten Fahrt zum Facharzt weniger als 20 Minuten, Bewohner von kleinen Orten dagegen fast eine halbe Stunde. Die unterschiedliche Versorgungsdichte zwischen Stadt und Land spiegelt sich auch in der Zufriedenheit der Bevölkerung: Rund die Hälfte der Städter sind generell mit der Entfernung zu den Facharztpraxen an ihrem Wohnort sehr zufrieden. In kleinen Gemeinden gilt das dagegen nicht einmal für jeden Dritten. Viele Menschen, die auf dem Land leben, fühlen sich auch deshalb benachteiligt, weil das Einholen einer Zweitmeinung dadurch erschwert ist.

Jeder Fünfte würde umziehen, um besser medizinisch versorgt zu sein

Angesichts der lückenhaften Versorgung mit Facharztpraxen insbesondere in ländlichen Regionen fragen sich viele Menschen inzwischen auch, ob sie wirklich dauerhaft auf dem Land leben wollen. Manche wählen gezielt den Wohnsitz in Ballungsgebieten mit sehr guten Verkehrsanbindungen. Der Studie zufolge zieht sogar fast jeder Fünfte in Betracht, für eine bessere medizinische Versorgung umzuziehen. Dazu ist allerdings vor allem die jüngere Generation bereit. Wer mit 60 Jahren auf dem Land lebt, bleibt in der Regel auch dort. Die Versorgungssituation könnte sich also auch noch dadurch verschlechtern, dass mehr ältere Menschen, die einen höheren Bedarf an fachärztlicher Versorgung haben, ausgerechnet in den Gebieten mit eher geringer fachärztlicher Versorgung wohnen.

Warten auf einen Termin

Neben der schlechten Erreichbarkeit von Fachärzten gibt es ein weiteres großes Problem: das wochenlange Warten auf einen Termin. Jeder fünfte Deutsche, der in den vergangenen fünf Jahren in fachärztlicher Behandlung war, musste einen Monat oder länger auf einen Termin warten. Daran haben verschiedene Maßnahmen, wie beispielsweise die Einrichtung der Terminservicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen, auch nicht grundlegend etwas ändern können. „Immerhin hat dieser Service punktuell für Entlastung gesorgt", sagt Lutz Kaiser, Vorstand der pronova BKK. Terminservicestellen könnten aber nicht alle Engpässe auf einen Schlag beseitigen. „Wir haben darauf reagiert, indem wir unseren Versicherten zusätzlich unseren Facharzt-Termin-Service bieten", erläutert Kaiser. Neben der Vermittlung von Terminen erhalten die Versicherten eine Gesundheitsberatung sowie die Möglichkeit, das Zweitmeinungsverfahren zu nutzen. Sein Fazit: „Die Kunden schätzen das Angebot und nutzen es inzwischen fleißig."

Bei der Versorgung mit Facharztpraxen besteht eine deutliche Kluft zwischen ländlichen Gegenden und urbanen Zentren
Stadt
500.000 Einwohner und mehr
Land weniger als 5.000
Einwohner
Durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Facharztpraxis (in Minuten)19,629,6
Durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Klinik (in Minuten)27,641,6
Sehr zufrieden mit der Nähe zu Arztpraxen an ihrem Wohnort47 %28 %
Sehr zufrieden mit der Nähe zu einer Klinik an ihrem Wohnort45 %18 %

Ärzte-Chats ersetzen nicht den persönlichen Kontakt

In der Diskussion geht es auch immer wiederum die Frage, wie mithilfe von modernen Kommunikationstechnologien eine fachärztliche Beratung angeboten werden kann, zum Beispiel mit Ärzte-Chats oder mit Unterstützung der Telemedizin, durch die medizinische Daten der Patienten an die Praxen übertragen werden können. Solchen Möglichkeiten stehen die Deutschen aber eher skeptisch gegenüber, wie sich bei der Befragung der pronova BKK klar herausstellte. Weniger als die Hälfte der Befragten würden beispielsweise eine Online-Kommunikation mit einem Arzt als eine mögliche Option in Betracht ziehen. Im Klartext: Die große Mehrheit würde ein solches Angebot wohl eher nicht nutzen.

Deutlich besser kommen die Lösungen an, bei denen der persönliche Kontakt zum Facharzt erhalten bleibt. Den meisten Zuspruch findet mit 75 Prozent der Befragten die Einrichtung mobiler Facharztzentren. Ärzte und Ärztinnen würden ihre Sprechstunden nicht nur in einer einzelnen, festen Praxis anbieten, sondern regelmäßig auch in ausgewählten regionalen Zentren, die für mehr Menschen gut zu erreichen sind. 73 Prozent der Befragten sprechen sich auch für die Einrichtung von Senioren-Residenzen mit angegliederten Arztpraxen aus. „Fachärzte können so Termine anbieten,ohne gleich mit der ganzen Praxis aufs Land ziehen zu müssen", sagt Kaiser. „Mit diesem flexiblen Modell haben Fachärzte die Möglichkeit,ihren Patienten wieder näher kommen."

*Ergebnisse der Studie „Gesundheitsversorgung 2016" der pronova BKK. Grundlage ist eine deutschlandweite, repräsentative Befragung von rund 1.640 Bundesbürgern ab 18 Jahren.