Kind mit gelber Brille und Umhang spannt die Arme an - pronova BKK

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Lass dich jeden Monat in unseren Expertenchats zu aktuellen Themen beraten. In diesem Monat geht es um den Umgang mit ADHS und ADS.

Auf einen Blick

  • ADHS und ADS - Wie geht es nach der Diagnose weiter?
  • Unser Experte
  • Experten-Interview mit Dr. Klaus Skrodzki

ADHS und ADS - Wie geht es nach der Diagnose weiter?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist umgangssprachlich auch als „Zappelphilipp- Syndrom“ bekannt und beschreibt insbesondere Kinder, die nicht stillsitzen können, sich nicht an Regeln halten und oft als „Klassenclown“ betitelt werden.

ADS hingegen ist das Aufmerksamkeitsdefizit- Syndrom ohne Hyperaktivitätsstörung. Betroffene werden häufig als „Tagträumer“ abgestempelt, die sich nur schwer konzentrieren können.

Beide Diagnosen sind in unserer Gesellschaft umstritten, da die Diagnosen häufig bereits im frühkindlichen Alter gestellt werden und besonders die Behandlung mit dem Medikament „Ritalin“ ist umstritten. Was genau steckt hinter den beiden Krankheitsbildern? Gebe ich meinem Kind wirklich Ritalin oder gibt es andere Behandlungsmöglichkeiten?

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Lass dich am 04.10.2021 ab 20:30 Uhr kostenfrei im Expertenchat beraten.

Unser Experte

Dr. Klaus Skrodzki absolvierte 1973 sein Staatsexamen in der Humanmedizin an der Uni Erlangen. Im Anschluss machte er eine Facharztausbildung für Kinderheilkunde und Kinderkardiologie und arbeitete danach in einer Gemeinschaftspraxis in Forchheim. Im Jahr 2000 gründete er die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e.V. und ist Mitglied im Vorstand von ADHS Deutschland e.V. Von 2005-2008 war er Dozent an der Humboldt Universität Berlin. Außerdem war er bis 2020 Mitglied in der Leitungs- und Steuerungsgruppe des zentralen ADHS Netzes (ZAN). Neben all den aufgelisteten Tätigkeiten, ist er Herausgeber und Mitautor diverser Artikel und Fachbüchern zum Thema ADHS.

Experten-Interview mit Dr. Klaus Skrodzki

Lassen sich ADS und ADHS als psychische Störung klassifizieren?

ADHS ist in der ICD11 (das ist ein Internationales Klassifikationssystem von Krankheiten) als eine psychische Störung klassifiziert. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine in der Kindheit beginnende Entwicklungsstörung mit den Kernsymptomen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und/oder motorische Unruhe. Diese Symptome müssen mindestens 6 Monate anhalten, in verschiedenen Lebensbereichen auftreten und mit einer zumindest mäßigen Beeinträchtigung im sozialen und Leistungsbereich einhergehen. Unter ADS versteht man die Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität.

Können sich die Symptome im Laufe des Lebens verändern?

Die Kernsymptome der ADHS sind in den verschiedenen Altersstufen unterschiedlich ausgeprägt. Im Vorschulalter stehen meistens die starke Bewegungsunruhe und Hyperaktivität im Vordergrund. Auch im Schulalter wird ein Kind mit ADHS zu einem großen Teil in Situationen auffallen, in welchen von ihm erwartet wird, ruhig sitzen zu bleiben.

Ab dem Jugendalter zeigt sich die Hyperaktivität oftmals nicht mehr in gesteigerter körperlicher Aktivität, sondern vielmehr in Form von innerer Unruhe oder Fahrigkeit. Diese innere Form der Unruhe bleibt auch im Erwachsenenalter noch bestehen. Die Störung der Aufmerksamkeit ist besonders im Schulalter offensichtlich, zumal die kontinuierliche konzentrierte Mitarbeit eine wesentliche Anforderung an Schulkinder darstellt und eine Störung der Konzentration im Unterricht direkt beobachtbar und feststellbar ist.

Mit zunehmendem Alter erhöht sich entwicklungsbedingt die Aufmerksamkeitsspanne, doch bleibt sie im Vergleich mit Gleichaltrigen ohne ADHS häufig reduziert, was auch im Erwachsenenalter den Alltag Betroffener noch erheblich einschränken kann.

Etwa 50 bis 80% der im Kindesalter Betroffenen weisen auch als Erwachsene noch ADHS-Symptome auf. Ein Drittel zeigt sogar noch das Vollbild der Störung.

Wie wirkt Ritalin in der Behandlung von ADHS?

Unter der Medikation sehen wir eine Verbesserung der Steuerung von Motorik und Affekten, der Selbstregulation von Aufmerksamkeit und Motivation. Wir können auch eine Verbesserung der automatisierten Handlungsabläufe, der Handlungsplanung, und der zeitlichen Organisation feststellen.

Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung verbessern sich, ebenso Verständnis für Zusammenhänge, Einsicht, Konzentration, emotionale Motivation zu Leistung mit mehr Ausdauer und Freude an Anstrengung und Erfolg, Ausgeglichenheit der Gefühle und Gefühlsreaktionen. Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität werden merkbar verringert.

Unterscheidet sich die Häufigkeit der Erkrankungen zwischen den Geschlechtern?

Im Kindes- und Jugendalter werden Jungen mit ADHS 3-4x häufiger diagnostiziert. Mädchen fallen weniger auf, da sie oft keine Hyperaktivität zeigen. Ihr ADS wird oft erst später erkannt. Nach neuen Studien scheinen im Erwachsenenbereich Frauen und Männer gleich häufig von ADHS/ADS betroffen zu sein.

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