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Seelische Gesundheit

Suffiziente Lebensweise – Entspannung pur!

Mannigfache Aufforderungen zum Konsum nehmen uns allerorts ins Visier: Da gibt es die neuesten Must-haves in der Mode, ständig wechselnde Einrichtungstrends, schicke Innovationen in der Unterhaltungsindustrie und, nicht zu vergessen, die Traumreiseziele in exotischen Ländern, die man unbedingt gesehen haben muss. Wer da allen Anforderungen gerecht werden will, gerät schnell in Dauerstress. Denn schließlich müssen auf der Jagd nach den günstigsten Angeboten zahlreiche Preisvergleiche im Netz angestellt oder etliche Kilometer mit dem Auto zurückgelegt werden.

Doch wie ist es um die Notwendigkeit all dieser Dinge bestellt? Der Gegenentwurf zu einer konsumierenden Lebensweise, die im Wesentlichen auf die Erfüllung fremdbestimmter Wünsche zielt, ist eine suffiziente Lebensform. Die zeichnet sich aus durch ein gewisses Maß an Genügsamkeit und Verzicht, der allerdings nicht als Mangel, sondern als Gewinn empfunden wird: Ein Gewinn an Selbstbestimmung, Zeit und einem neuen Miteinander, also Entspannung pur!

Besitz: Lust und Last

Ob Kleidung, Unterhaltungselektronik, Möbel oder Elektrogeräte: Das Stöbern nach den neuesten Trends beim Stadtbummel oder im Netz macht einfach Spaß. Und dann der Moment der Freude, wenn die Neuanschaffung endlich zum Einsatz kommt! Doch mit der Zeit wächst der Besitzstand immer weiter an und die Lust kann schnell in eine Last umschlagen: Die gesamte Habe muss immer wieder verräumt, sortiert und gepflegt werden; weitere Neuanschaffungen wie geräumigere Schränke oder Regale für mehr Stauraum werden nötig; letztendlich erfordert der immens gewachsene Besitzstand vielleicht sogar einen Umzug. Und auch wenn der Besitz versichert ist, reist man zumal in unsicheren Zeiten nur ungern, weil man sein Eigentum nicht unbewacht zurücklassen möchte. Besitz kann einem also ganz schön im Wege stehen.

Suffizienz oder Konsum?

Das Wort Suffizienz ist abgeleitet vom lateinischen sufficere, das „genügen" oder „ausreichen" meint. Konsum dagegen bedeutet Verbrauch genauso wie Verschwendung. Eine auf Mehrung des materiellen Besitzstandes ausgerichtete konsumierende Lebensform verbraucht nicht nur mehr Ressourcen, sondern auch mehr Zeit und schafft neue Abhängigkeiten. Wer suffizient lebt, ist keineswegs ein freudloser Asket, ein kompletter Konsumverweigerer, ein Genussmuffel oder eine Spaßbremse. Vielmehr begnügt er sich bewusst mit dem wirklich Nötigen. Dinge werden nicht gekauft, weil es sie gibt oder weil sie modern sind, sondern nach reiflicher Überlegung nur dann, wenn sie wirklich gebraucht werden.

Endlich Zeit

Die Jagd nach Angeboten, stundenlange Preisvergleiche im Netz, das Studium der neuesten Produktkataloge, all das entfällt und schafft neue Freiräume. Der Tagesablauf wird nicht mehr durch den Paketboten bestimmt: Die Verabredung mit Freunden im Kino oder zum Sport muss also nicht abgesagt werden, nur weil die bestellte Sendung laut Sendungsverfolgung vielleicht erst am Abend eintrifft. Ein Gewinn an Zeit entsteht außerdem, wenn weniger Konsumartikel zu versorgen und zu pflegen sind. Und wer weniger konsumiert, spart jede Menge Geld, was in einigen Fällen sogar die Reduzierung der Arbeitszeit möglich macht.

Das neue Miteinander

Eine suffiziente Lebensweise lässt sich in aller Konsequenz nur im Miteinander erreichen, denn Car-sharing gehört nach Möglichkeit ebenso dazu wie das gemeinsame Nutzen von Dingen, die nicht täglich gebraucht werden wie größere Gartengeräte oder Heimwerkerutensilien. Zeit für Begegnung ist außerdem auf Tauschbörsen oder in Repair-Cafés. Und auch beim Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel ergeben sich immer wieder Gelegenheiten, neue soziale Kontakten zu knüpfen.

Selbstbestimmt, entspannt und glücklich

Ein Zuwachs an Besitz geht nicht notwendig mit einem Plus an Glück einher. Man kann sich auch darüber freuen, dass man viele Dinge gar nicht braucht. Das schafft eine gute Basis für die Freude an den wenigen Dingen, die man hat. Welche das sind, bestimmt dabei jeder selbst. Aktuelle Trends spielen hier keine Rolle. Der Genuss liegt nicht in der Quantität, sondern in der Qualität. Der Verzicht schmerzt nicht, sondern schafft neue Freiheiten und eine entspannte Lebensweise.