Menü Menü schließen

Infos zur Er­näh­rung

Vitamin D – kein Wundermittel

Rund 180 Millionen Euro gaben die Deutschen im Jahr 2017 allein in Apotheken für Vitamin-D-Präparate aus. Für die Pharmakonzerne bedeutet das ein Riesengeschäft, denn auch in Drogeriemärkten und im Online-Handel steigt der Absatz mit den Supplementen seit Jahren.

Doch es ist ein Geschäft mit der Angst: So wird ein vermeintlich flächendeckender Vitamin-D-Mangel verantwortlich gemacht für das Auftreten von Herz/Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz mit einem damit verbundenen signifikant erhöhten Sterberisiko. Und auch Krebs-, Atemwegs- und rheumatische Erkrankungen, Diabetes, Winterdepressionen und ein generell erhöhtes Infektrisiko werden schnell pauschal einem Mangel an Vitamin D zugeschrieben. Vitamin-D-Präparate kommen da sozusagen als wahre Wundermittel daher, am liebsten nach der Devise: Viel hilft viel! Doch was stimmt und was nicht? Neue Studien zur Wirkung von Vitamin D sorgen für Klarheit.

Richtig und durch Studien gut belegt sind diese Aussagen:

  • Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig für einen gesunden Knochenstoffwechsel, schützt also vor Knochenerweichung, Rachitis und Osteoporose.
  • Vitamin D beeinflusst außerdem den Blutdruck und die Blutgefäße sowie die Funktionsfähigkeit der Muskeln positiv.
  • Vitamin wird überwiegend im Körper selbst hergestellt – und zwar durch den Einfluss von Sonnenlicht.
  • Deutschland ist kein Vitamin-D-Mangelland. Gegen Ende des Winters können die Vitamin-D-Speicher zwar fast leer sein. Mit der Frühlingssonne füllen sie sich jedoch rasch wieder. Die Verwendung von Sonnenschutzmittel kann den natürlichen Effekt jedoch einschränken.
  • Durch Aufenthalte an der frischen Luft sowie durch Nahrungsmittel wie Pilze, Eier, Avocados und fette Seefische wie Hering, Makrele oder Lachs kann ein zusätzlicher Bedarf auf natürliche Weise fast immer gedeckt werden.

Neuere Studien widersprechen klar der Behauptung, dass Vitamin D vor vielen anderen Erkrankungen schützt:

  • Einen sicheren Schutz vor Krebs durch Vitamin D gibt es weder für Frauen noch für Männer.
  • Ein sehr hoher Vitamin-D-Spiegel bringt Gesunden keine Vorteile, im Gegenteil können die Muskeln sogar geschwächt werden.
  • Mangelndes Wohlbefinden und eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit können nicht auf einen Mangel an Vitamin D zurückgeführt werden.
  • Das Risiko für leichte Infekte mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit kann durch tägliche Vitamin-D-Gaben nicht reduziert werden.
  • Die in den USA durchgeführte VITAL-Studie (veröffentlicht 2018) konnte keinen Schutz vor Herz-/Kreislauferkrankungen durch Vitamin-D-Gaben nachweisen.

Zurück auf dem Boden der Tatsachen

Der Nachweis der genauen Wirkmechanismen bleibt ohnehin oftmals schwierig: Wenn im Zusammenhang mit einer Erkrankung wie beispielsweise Rheuma ein niedriger Vitamin-D-Spiegel gemessen wird, gibt es oft keine gesicherte Erkenntnis darüber, ob ein niedriger Vitamin-D-Wert das Risiko für die Erkrankung erhöht oder ob die Erkrankung den Vitamin-D-Spiegel negativ beeinflusst – Ursache und Wirkung werden oft vertauscht. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie ist daher die zusätzliche Gabe von Vitamin-D-Supplementen für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren nicht angezeigt. Ältere Menschen hingegen können – nach Rücksprache mit ihrem Arzt – von einer Vitamin-D-Gabe profitieren, weil ältere Haut das Sonnenlicht nicht mehr so gut aufnimmt.

Vitamin D-Präparate bitte niemals auf eigene Faust einnehmen, Folgen einer Überdosierung können u. a. Nierenerkrankungen sein. Mangelzustände werden allein durch eine ärztliche Blutuntersuchung festgestellt. Vom Vitamin D-Selbsttest für Zuhause ist dringend abzuraten.