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Wissen für Profis

Arbeitsunfall: Wie verhält man sich richtig?

Viele Unfallgefahren lauern dort, wo wir uns die meiste Zeit aufhalten: am Arbeitsplatz und auf dem täglichen Weg dorthin. Zwar hat sich die Zahl der Arbeitsunfälle in Deutschland in den letzten zwanzig Jahren in etwa halbiert – dennoch ereigneten sich allein 2015 rund 866.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder sogar den Tod zur Folge hatten. Eine beträchtliche Anzahl – und treffen kann es jeden. Doch die wenigsten wissen, wie man sich bei Arbeitsunfällen richtig verhält.

Was ist ein Arbeitsunfall?

Von einem Arbeitsunfall spricht man, wenn der Unfall unmittelbar am Arbeitsplatz passiert oder im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Dazu gehören auch Unfälle, die sich auf dem täglichen Weg von zu Hause zur Arbeitsstätte oder auf dem Weg zurück ereignen. Ebenfalls als Arbeitsunfälle gelten zum Beispiel Unfälle, die bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit oder bei Betriebsausflügen und -feiern passieren, sofern die Veranstaltungen vom Unternehmen durchgeführt werden.

Wer übernimmt die Behandlungskosten bei einem Arbeitsunfall?

Alle Beschäftigten in Deutschland sind über ihren Arbeitgeber automatisch in der gesetzlichen Unfall-versicherung versichert. Diese übernimmt auch die Behandlungskosten bei Arbeitsunfällen.

Welcher Unfallversicherungsträger ist zuständig?

In Deutschland gibt es derzeit neun nach Branchen gegliederte Berufsgenossenschaften für die ge-werbliche Wirtschaft. Darüber hinaus existieren 19 Unfallkassen und Gemeindeunfallversicherungsverbände. Diese sind regional gegliedert und einerseits für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zuständig, andererseits für Schüler, Studenten und Kinder in Tageseinrichtungen. Außerdem gibt es vier Feuerwehr-Unfallkassen sowie die Unfallversicherung Bund und Bahn, die bundesweit zuständig ist.

Welche Leistungen erhält man bei einem Arbeitsunfall?

Bei einem Arbeitsunfall sind Beschäftigte über ihren Unfallversicherungsträger umfassend abgesichert. Zu den medizinischen Leistungen, die von der gesetzlichen Unfallversicherung im Bedarfsfall übernommen werden, gehören zum Beispiel ärztliche Behandlungen, Krankenhausbehandlungen sowie die Versorgung mit Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmitteln.

Beschäftigte, die aufgrund eines Arbeitsunfalls nicht arbeiten können, erhalten zur Absicherung ihres Verdienstausfalls Verletztengeld. Das Verletztengeld zahlt die Krankenkasse des Mitarbeiters im Auftrag der gesetzlichen Unfallversicherung aus.
Zudem gehören im Fall der Fälle Umschulungen, behindertengerechte Umgestaltungen des Arbeitsplatzes, Unfallrenten bei dauerhaften Gesundheitsschäden sowie Hinterbliebenenrenten im Todesfall zu den Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung.

Wichtig: Es besteht kein Versicherungsschutz, wenn Verletzungen oder Gesundheitsschäden ohne Einwirkung von außen zufällig während der versicherten Tätigkeit auftreten. Wenn also zum Beispiel ein Kind im Hort plötzlich Nasenbluten bekommt oder ein Mitarbeiter am Schreibtisch einen Herzinfarkt erleidet.

Aber: Auch wenn der Unfall von der gesetzlichen Unfallversicherung nicht als Arbeitsunfall anerkannt wird, brauchen Arbeitnehmer sich keine Sorgen machen. In diesen Fällen übernimmt üblicherweise die zuständige Krankenkasse die Kosten für die erforderliche medizinische Behandlung.

Nach Arbeitsunfall Durchgangsarzt aufsuchen

Sobald ein Mitarbeiter aufgrund eines Arbeitsunfalls medizinisch behandelt werden muss, gilt das sonst bestehende Recht auf freie Arztwahl nur eingeschränkt. Nach Möglichkeit sollte ein sogenannter Durchgangsarzt aufgesucht werden. Dieser ist auf die Behandlung von Arbeitsunfällen spezialisiert und eigens dafür zugelassen.

Die Vorstellung bei einem Durchgangsarzt ist erforderlich, wenn

  • die Unfallverletzung über den Unfalltag hinaus zur Arbeitsunfähigkeit führt, oder
  • die notwendige ärztliche Behandlung voraussichtlich über eine Woche andauert, oder
  • Heil- und Hilfsmittel zu verordnen sind, oder
  • es sich um eine Wiedererkrankung aufgrund von Unfallfolgen handelt

Der Durchgangsarzt ist darauf hinzuweisen, dass der Unfall im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht. Eine direkte Kontaktaufnahme zum Unfallversicherungsträger ist nicht erforderlich. Dies übernimmt der Durchgangsarzt und leitet gleichzeitig die Behandlung zu Lasten der gesetzlichen Unfallversicherung ein.

Zudem entscheidet der Durchgangsarzt über die Art und Weise der weiteren Behandlung. Bei leichten Verletzungen kann es sein, dass eine Weiterbehandlung durch den Hausarzt erfolgt. In diesen Fällen überwacht der Durchgangsarzt das Heilverfahren z.B. durch Wiedervorstellungstermine (Nachschau).

Unfallverletzte mit alleinigen Augen- oder Hals-, Nasen-, Ohrenverletzungen können sich auch direkt bei einem entsprechenden Facharzt vorstellen oder werden dorthin überwiesen.

Wie findet man den nächstgelegenen Durchgangsarzt?

Bundesweit gibt es rund 3.800 Durchgangsärzte. Über den nächstgelegenen Durchgangsarzt kann man sich beim zuständigen Unfallversicherungsträger erkundigen. Zudem steht auf der Website der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (www.dguv.de) eine umfangreiche Datenbank zur Suche eines passenden Durchgangsarztes zur Verfügung.