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Wis­sen für Pro­fis

Rentenversicherung: Stabile Beiträge, bessere Leistungen

Seit Anfang 2019 gibt es bessere Leistungen in der Rentenversicherung. Mit dem RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetz will der Gesetzgeber zudem sicherstellen, dass das Rentenniveau in den nächsten Jahren nicht unter 48 % fällt, der Beitragssatz gleichfalls aber nicht über die 20-Prozent-Marke klettert.

Rentenniveau

Per Gesetz soll das Rentensicherungsniveau vor Steuern in den Jahren 2019 bis 2025 mindestens bei 48 % gehalten werden. Dazu wird der aktuelle Rentenwert entsprechend angehoben, sofern dieser Wert in einem laufenden Jahr nicht erreicht wird. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass aus den während des Erwerbslebens geleisteten Rentenversicherungsbeiträgen ein angemessenes Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung erreicht wird.

Zum Hintergrund: Unter dem Sicherungsniveau versteht man das Verhältnis aus verfügbarer Standardrente (= Standardrente abzgl. SV-Beiträge) und dem verfügbaren Durchschnittsentgelt (2018: 32.064 Euro) des jeweils betreffenden Kalenderjahres. Für die Standardrente werden 45 Entgeltpunkte zugrunde gelegt. Ein Entgeltpunkt entspricht hierbei einer einjährigen Beitragszahlung auf Basis des Durchschnittsverdienstes. Somit ergibt sich die Standardrente aus 45 Beitragsjahren mit Durch-schnittsverdienst. Verfügbare Rente bedeutet insoweit, dass diese um die vom Rentner zu tragenden Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge gemindert wird.

Der aktuelle Rentenwert ist ein maßgeblicher Faktor in der Rentenformel. Er entspricht der Monatsrente für einen Jahresbeitrag auf Basis des Durchschnittsverdienstes. Dieser Wert wird jährlich rechnerisch anhand diverser Faktoren ermittelt und dann per Rechtsverordnung festgelegt.

Beitragssatz

Ebenfalls per Gesetz wird der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung bis zum Jahr 2025 auf mindestens 18,6 % angehoben bzw. auf höchstens 20 % abgesenkt, sofern sich rechnerisch ein Wert außerhalb dieser Spanne ergeben würde. Für die Deckelung nach oben sollen im Bundeshaushalt separate Mittel bereitgestellt werden. Hinzu kommt ein Finanzierungssockel, bei dem der Bund in den Jahren 2022 bis 2025 Sonderzahlungen in Höhe von zunächst 500 Millionen Euro je Jahr an die allgemeine Rentenversicherung leistet. Diese Mittel werden ausschließlich für die Einhaltung der Beitragssatzobergrenze von 20% verwendet.

Erwerbsminderungsrenten

Denjenigen, die ab dem Jahr 2019 eine Erwerbsminderungsrente beziehen, wird eine verlängerte Zurechnungszeit angerechnet. Aktuell endet die Zurechnungszeit noch mit Vollendung des 65. Lebensjahrs, ab 2019 dann mit 65 und 8 Monaten. Bis zum Jahr 2031 wird sie dann schrittweise auf das vollendete 67. Lebensjahr angehoben.

Hintergrund: Die Zurechnungszeit ist ein wichtiger Faktor bei Erwerbsminderungsrenten. Denn in der Regel haben die Versicherten dann, wenn die Erwerbsminderung eintritt und sie nicht mehr (uneingeschränkt) arbeiten können, noch nicht sehr viele rentenrechtliche Zeiten auf ihrem Versicherungskonto. Diese Lücke soll durch die Zurechnungszeit (etwas) ausgeglichen werden. Denn diese wird anhand des bisherigen Versicherungsverlaufs bewertet und rentensteigernd berücksichtigt. Zudem soll die Verlängerung der Zurechnungszeit nun auch auf die Renten wegen Todes und die Alterssicherung der Landwirte übertragen werden.

Kindererziehung

In Zukunft wird die Erziehungsleistung von Müttern und Vätern, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben, in der Rente umfassender als bisher anerkannt.

Für Mütter und Väter, die ab dem 01.01.2019 in Rente gehen, wird die Kindererziehungszeit um weitere sechs Monate verlängert. Mütter und Väter, die bereits eine Rente beziehen, erhalten seit dem 01.01.2019 einen Zuschlag, der dem Rentenertrag eines halben Kindererziehungsjahres entspricht.

Mütter und Väter, für die in der Rente bereits ein Zuschlag für die Erziehung von Kindern aus der Verlängerung der Kindererziehungszeit im Jahr 2014 enthalten ist, erhalten einen um einen halben persönlichen Entgeltpunkt erhöhten Zuschlag, sofern sie im 24. Kalendermonat nach Ablauf des Monats der Geburt das Kind erzogen haben. Die Regelung entspricht grundsätzlich der Regelung, die 2014 mit der Ausweitung der Kindererziehungszeiten auf zwei Jahre erfolgte. Diese pauschale Anrechnungsweise erfolgt, wie schon die Verlängerung der Kindererziehungszeit im Jahr 2014, aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung, damit die Rentenversicherungsträger nicht Millionen von Renten neu feststellen müssen.

Hintergrund: Mit dem Rentenreformgesetz 1992 wurde die anzurechnende Kindererziehungszeit von einem Jahr auf drei Jahre verlängert. Für vor 1992 geborene Kinder verblieb es seinerzeit bei der Anrechnung von einem Jahr Kindererziehungszeit je Kind. In 2014 wurde die Kindererziehungszeit für diese Kinder auf 24 Monate angehoben.

Übergangsbereich statt Gleitzone

Ab dem 01.07.2019 fallen bei einer Beschäftigung in einem Übergangsbereich von 450,01 bis 1.300,00 Euro geringere Arbeitnehmerbeiträge an. Dieser Bereich wird die zurzeit geltende Gleitzone ersetzen, die eine entsprechende Beitragsreduzierung für den Bereich von 450,01 bis 850 Euro vorsieht.