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Gut zu wissen

Warum Bauchschmerzen im Kopf und Kopfschmerzen im Bauch entstehen können

Kopf- und Bauchschmerzen

Kopf und Bauch sind in vielen Situationen Partner auf Augenhöhe und einer redet dem anderen schon mal rein: Eine schlechte Nachricht schlägt uns auf den Magen oder wir treffen eine wichtige Entscheidung aus dem Bauch heraus. Diese bekannten Zusammenhänge fußen keineswegs auf vagen Vermutungen, sondern auf einem handfesten Zusammenspiel zwischen dem zentralen Nervensystem in Kopf und Rückenmark und dem enterischen Nervensystem, das den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Über den Vagusnerv stehen die Systeme in ständigem Austausch miteinander und bilden die sogenannte Darm-Hirn-Achse.


Kopf an Bauch: Achtung Stress, Verdauung beschleunigen!

Stress schlägt auf den Magen: Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Erbrechen, Verstopfung oder plötzliche Durchfälle sind nicht selten auf Stresssituationen zurückzuführen. Die einen bekommen vor einer Prüfung keinen Bissen hinunter, weil der Magen irgendwie blockiert zu sein scheint, andere verschlingen in Heißhungerattacken große Mengen Schokolade. Neben Prüfungsängsten beeinflussen auch Vorstellungsgespräche, schwierige Situationen am Arbeitsplatz, Reisefieber, Streit unter Kollegen oder in Familie und Beziehung sowie allgemeine Unsicherheit in unbekannten Situationen Magen und Darm gleichermaßen. Es beginnt zu rumoren und im Extremfall machen wir uns sprichwörtlich in die Hose.

Der Grund: Die in Belastungssituationen freigesetzten Stresshormone versetzen unseren Körper in Alarmbereitschaft. In der Folge wird Energie auch aus dem Verdauungsprozess abgezogen mit dem Ergebnis, dass die Nahrung entweder unzureichend transportiert und aufgeschlossen oder in Eile entsorgt wird.

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Bauch- und Kopfschmerzen

Bauch an Kopf: Akutes Unwohlsein, Stimmung runterfahren!

Doch der Weg vom Hirn in den Bauch ist keine Einbahnstraße: Wer zu viel oder das Falsche gegessen hat, ist oft missgelaunt und sieht die Welt im trüben Licht. Kein Wunder, denn das enterische Nervensystem, auch Bauchhirn genannt, regelt nicht nur die Verdauung, sondern sendet ständig Signale an das Kopfhirn. Häufige Bauchschmerzen können ein Reizdarmsyndrom zur Folge haben, bei dem gleichzeitig auch das Risiko für eine spätere Depression steigt. Außerdem erhöhen vom Bauchhirn ausgesendete Botenstoffe das Schmerzempfinden. Bei empfindlichen Personen kann eine falsche Ernährung Kopfschmerzen auslösen oder diese verstärken. Migräne-Patienten wissen, dass so manche Attacke durch bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein, Käse, Sauerkraut oder bestimmte Früchte ausgelöst wird. Doch das Bauchgeschehen kann dem Kopf auch Freude machen, wenn wir etwa eine glückliche Entscheidung aus dem Bauch heraus getroffen haben und erleben, wie in der Folge positive Gefühle und neue Energien entstehen.

Im Blickpunkt der Forschung: Darm-Hirn-Achse

Doch Hirn und Bauch liegen ziemlich weit auseinander – wie ist es möglich, dass beide Körperregionen so intensiv miteinander kommunizieren? Für die Kommunikation im Körper sind unter anderem Nervenbahnen verantwortlich. Das enterische Nervensystem (ENS) durchzieht als komplexes neuronales Netzwerk den gesamten Verdauungstrakt. Es regelt die lebenswichtigen Darmtätigkeiten wie Durchblutung, Darmimmunsystem und Beweglichkeit des Darms im Wesentlichen eigenständig.

Das zentrale Nervensystem (ZNS) in Gehirn und Rückenmark hat hier eine überwachende Funktion. Ununterbrochen und blitzschnell flitzen Informationen über den Vagusnerv zwischen ZNS und ENS hin und her. So kann ein gemeldetes Unwohlsein im Bauch Beschwerden im Kopf nach sich ziehen und umgekehrt. Die Wechselwirkung zwischen der Darmgesundheit, bei der auch das Mikrobiom, also die Besiedlung des Darms mit Bakterien eine große Rolle spielt, und der Gesundheit des Gehirns ist Gegenstand zahlreicher neurologischer Forschungen. Für den Alltag kann man aber schon heute einige wichtige Erkenntnisse mitnehmen: Wer es beispielsweise mit chronischen Kopfschmerzen oder gar Migräne zu tun hat, sollte vielleicht einmal seine Ernährungsweise kritisch unter die Lupe nehmen. Und wer öfter unter unklaren Beschwerden im Magen-Darmtrakt leidet, könnte durch Stressabbau und regelmäßiges Entspannungstraining Linderung erfahren.

Häufig gestellte Fragen zum Zusammenhang zwischen Bauch- und Kopfschmerzen

Wenn das Bauchhirn spricht: Was ist das enterische Nervensystem (ENS)?

Bis zu 100 Millionen Nervenzellen bilden ein dichtes neuronales Netzwerk, das den gesamten Magen-Darm-Trakt umhüllt: das enterische Nervensystem, kurz ENS. In diesem Nervensystem sind verschiedene Nervenzelltypen untereinander perfekt vernetzt, kommunizieren über bestimmte Botenstoffe miteinander und steuern komplexe Magen-Darm-Funktionen im Wesentlichen eigenständig. Da das ENS unserem Gehirn in seiner Arbeitsweise ebenbürtig ist, wird es auch als Bauchhirn bezeichnet.

Alles will geregelt sein: Welche Aufgaben hat das ENS?

Das ENS reguliert die Nährstoffaufnahme über die Schleimhäute, aktiviert das Darmimmunsystem sowie die Darmmuskulatur und steuert so den Transport der Nahrung durch die verschiedenen Darmabschnitte. Außerdem wacht das ENS über die Hormon- und Vitaminproduktion, die Aktivierung von Verdauungsenzymen und die Durchblutung des Magen-Darm-Traktes. Auch die Ausscheidungs-mechanismen werden autark geregelt.

Highspeed-Verbindung Vagus: Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen ENS und zentralem Nervensystem?

Über den Vagusnerv bildet das ENS zusammen mit dem zentralen Nervensystem (ZNS) die Darm-Hirn-Achse. Ständig werden Zustandsberichte an das Gehirn übermittelt. Etwa 90 Prozent der Botschaften gehen vom Bauch zum Hirn, ein Beleg für die Eigenständigkeit des Bauchhirns. Besonders bei Gefühlen wie Angst, Wut oder auch bei Stress allerdings mischt dich das Gehirn in das Bauchgeschehen ein, indem es die Verdauungstätigkeit verzögert oder auch mal erheblich beschleunigt.

Auch Mikroben spielen eine Rolle: Was ist das Mikrobiom?

Billionen von Mikroorganismen besiedeln unseren Darm, überwiegend Bakterien, aber auch Pilze und Viren. Was früher Darmflora hieß, wird heute intestinale Mikrobiota genannt. Der ebenfalls verwendete Ausdruck Mikrobiom meint alle Mikroorganismen einschließlich ihrer Gene. Bis zu zwei Kilogramm bringen die Mikroben, die unseren Darm besiedeln und deren Artenzahl auf über 1.000 geschätzt wird, auf die Waage. Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist ganz individuell und hängt von verschiedenen Faktoren ab: von den Genen, von den Mikroben derjenigen, mit denen wir in einem Haushalt leben, von unserer Ernährungsweise und auch von unseren Gefühlen. Und neben guten Bakterien gibt es auch solche, die Entzündungsreaktionen im Körper begünstigen. Viele Bakterien bekommen wir übrigens ganz direkt von unserer Mutter über die Muttermilch oder schon während der Geburt im Geburtskanal.

Welche Funktion erfüllt das Mikrobiom?

Die Mikroorganismen haben vielfältige Aufgaben: Sie produzieren Verdauungsenzyme, Vitamine und lebenswichtige Botenstoffe. Außerdem sorgen sie dafür, dass schädliche Substanzen die Darmwand nicht passieren können und halten potenzielle Krankheitserreger in Schach. Bakterien sind außerordentlich wichtig für die Entwicklung des Immunsystems. Das Mikrobiom ist Gegenstand zahlreicher Forschungen, denn möglicherweise spielt es eine wichtige Rolle bei der Entstehung verschiedenster Krankheiten, und zwar nicht nur Darmerkrankungen, sondern auch Allergien, Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Depressionen oder Demenzerkrankungen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mikrobiom und Übergewicht?

Bisherigen Untersuchungen zufolge setzt sich die Darmflora Übergewichtiger anders zusammen als die von schlanken Personen mit dem Ergebnis, dass erstere dazu neigen, mehr Energie aus der aufgenommenen Nahrung zu gewinnen. Studien an Mäusen erhärten den Verdacht, dass das Mikrobiom unmittelbaren Einfluss auf das Gewicht hat: Schlanke Mäuse legten nach der Übertragung adipöser Darmflora deutlich an Gewicht zu. Fraglich bleibt allerdings noch, ob solche Ergebnisse uneingeschränkt auf den Menschen übertragbar sind. Weitere Forschungen stehen hier noch aus.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mikrobiom und das Risiko für Krankheiten?

Tatsächlich unterscheidet sich die Mikrobiota von Gesunden und Kranken. Jedoch ist noch nicht abschließend geklärt, ob das veränderte Mikrobiom die Erkrankung hervorruft oder umgekehrt eine Erkrankung die Besiedlung des Darms nachhaltig verändert. Bei Adipositas ist die Artenvielfalt der Mikroorganismen im Darm meist relativ klein. Dadurch werden eventuell auch Folgekrankheiten wie Diabetes oder chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt. Je artenreicher die Besiedlung des Darms ist, desto mehr profitiert unsere Gesundheit.

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf das Risiko für Depressionen?

Auch psychische Erkrankungen werden möglicherweise durch das Mikrobiom beeinflusst, schließlich produzieren die Bewohner des Darms unter anderem Hormone, die wiederum unsere Stimmungslage mitbestimmen. Auch über das Immunsystem werden Signale an das Gehirn weitergegeben, die hier für eine gute oder schlechte Stimmung sorgen können. Je weiter das komplexe Zusammenwirken innerhalb der Darm-Hirn-Achse erforscht wird, desto besser können auch wirksame Therapien entwickelt werden.

Welche Auswirkungen haben Antibiotika auf das Mikrobiom?

Bei vielen Erkrankungen werden Antibiotika verabreicht, um die Krankheitserreger abzutöten. Gleichzeitig bedeutet das allerdings immer einen verheerenden Eingriff in die gesamte Mikrobiota, bis zu 90 Prozent der Mikroben können zerstört werden. Während früher ein Antibiotikum immer über einen eher längeren Zeitraum eingenommen wurde, um die Krankheitserreger vollständig zu beseitigen und Resistenzen zu verhindern, kehrt man heute zu kürzeren Therapien zurück, um die Darmmikroben nicht in allzu großem Umfang zu zerstören. Man weiß inzwischen, dass resistente Keime von Natur aus im Mikrobiom vorhanden sind.

Ist die Einnahme von Probiotika sinnvoll?

Hersteller werben mit Probiotika-Präparaten oder angereicherten Nahrungsmitteln, die die Mikrobiota nachhaltig verbessern sollen. Allerdings lassen sich längst nicht alle Darmbewohner auch außerhalb des Darms züchten. Zwar beeinflussen Präparate mit bestimmten Bakterienstämmen das Reizdarmsyndrom durchaus positiv, dennoch verändern sie das Mikrobiom nicht dauerhaft.

Welche Ernährungsform wirkt sich positiv auf das Mikrobiom aus?

Das Leben in unserem Magen-Darm-Trakt wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Einer davon ist unsere Ernährung. Als Faustregel darf nach bisherigen Erkenntnissen gelten, dass eine ausgesprochen vielseitige Ernährung ein artenreiches Mikrobiom begünstigt. Sehr einseitige Diäten oder Vorlieben dagegen reduzieren die Vielfalt der Mikroorganismen. Auch eine vegetarische oder eine vegane Ernährungsform verändern das Mikrobiom, da Bakterien zur Verstoffwechslung von Fleisch oder auch Milchprodukten nicht mehr benötigt werden. Eine gute Basis für ein artenreiches Mikrobiom bietet in jedem Fall eine ballaststoffreiche Ernährung mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Nahrungsmitteln. Wichtig für ein gut funktionierendes Mikrobiom ist außerdem, dass wir ohne Stress und Hektik essen.

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