Burnout und Boreout erkennen und verhindern

Das berufliche Umfeld hat großen Einfluss auf die mentale Gesundheit. Führungs­kräfte tragen besondere Verantwortung, die Anzeichen von Burnout oder auch Boreout zu erkennen und Folge­erkrankungen zu vermeiden.

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Das berufliche Umfeld hat großen Einfluss auf die mentale Gesundheit. Führungs­kräfte tragen besondere Verantwortung, die Anzeichen von Burnout oder auch Boreout zu erkennen und Folge­erkrankungen zu vermeiden.

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Burnout und Boreout: Gar nicht so selten

Im Leben eines jeden Menschen gibt es Phasen, in denen es mal turbulenter zugeht. Das betrifft auch den Berufsalltag, wo es immer wieder zu Zeiten vermehrter Hektik kommen kann. Ebenso gibt es ereignisarme Phasen oder Leerläufe im Privat- wie im Berufsleben, die das Gefühl aufkommen lassen, irgendwie im Abseits zu stehen. Beides ist normal. Das Burnout- oder Boreout-Syndrom entstehen erst dann, wenn solche Zeiten andauern oder sich regelmäßig wiederholen und letztlich krank machen.

In unserer Studie „Arbeiten 2023“ hat sich gezeigt, dass 34 % der Befragten in den letzten 12 Monaten Burnout-Symptome bei sich selbst oder Kolleg*innen beobachtet haben. Als Burnout-gefährdet stufen sich 21 % ein und wünschen sich deshalb von ihren Unternehmen Angebote zur Förderung der mentalen Gesundheit.

Tragen Sie als Führungskraft dazu bei, das Thema mentale Gesundheit im Betrieb zu enttabuisieren. Fördern Sie den offenen Austausch, um Syndrome wie Burnout oder Boreout gar nicht erst entstehen zu lassen.

Merkmale und gesundheitliche Folgen von Burnout und Boreout

Von Burnout spricht man, wenn es infolge einer permanenten, beruflich bedingten Überforderung zu Erschöpfungszuständen kommt. Auch ständige Kränkungen durch Vorgesetzte oder Kolleg*innen sind oft mitursächlich für ein Burnout. Vom Burnout-Betroffene fühlen sich ausgebrannt und dauerhaft gestresst. Burnout gilt zwar nicht als Krankheit, kann jedoch zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Gesundheit führen, die sich durch vielfältige Symptome bemerkbar macht – man spricht vom Burnout-Syndrom.

Zur Symptomatik von Burnout zählen u. a. Schwindelgefühle, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit bis hin zu Depressionen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herz-Kreislaufstörungen, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen und oft auch eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte oder andere Erkrankungen.

Boreout hingegen ist die ständige Unterforderung und gefühlte Langeweile im Job. Auch sie kann der Gesundheit schaden. Beim Boreout kommen oft Ängste hoch, nicht gebraucht zu werden und überflüssig zu sein. Deshalb sollte das Gefühl ständiger Unterforderung nicht unterschätzt werden. Die sich bei chronischer Unterforderung schleichend entwickelnde Symptomatik ähnelt der eines Burnouts bzw. kann im Burnout münden.

Die Abgrenzung der Symptomatik gegenüber Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen wie Angststörungen ist in beiden Fällen nicht immer einfach.

Burnout und Boreout: Achten Sie auf diese Anzeichen

Betriebe, in denen starker Zeitdruck herrscht und Mitarbeitende keine oder nur geringe Gestaltungsmöglichkeiten bzw. keine Kontrolle über die Organisation ihrer Arbeit haben, sind besonders gefährdet. Auch Umstrukturierungen und personelle Umbesetzungen können zu permanenter Über- oder Unterforderung führen und das Risiko für Folgeerkrankungen von Burnout oder Boreout erhöhen. Deshalb: Augen auf! Und achten Sie auch auf sich selbst: Denn nicht nur Ihre Beschäftigten, auch Sie selbst können von Über- oder Unterforderung betroffen sein.

Diese Beobachtungen im betrieblichen Umfeld können auf ein Burnout hindeuten:

  • Bislang sehr zuverlässige Personen lassen plötzlich erheblich in ihrer Leistungsstärke nach, Motivation und Produktivität verringern sich merkbar.
  • Es treten über einen längeren Zeitraum körperliche oder seelische Symptome wie vermehrte Infekte, offensichtliche Übermüdung und Konzentrationsschwächen auf.
  • Die Kommunikationsfreude und auch die sonst sichtbare Lebensfreude sinken, Betroffene ziehen sich immer mehr zurück.
  • Es kommt vermehrt zu Fehlern bei der Arbeit.
  • Es kommt immer öfter zu krankheitsbedingten Fehlzeiten.
  • Der Umgangston im Betrieb bzw. im Team ist nicht wertschätzend, negatives Feedback überwiegt die positiven, bestärkenden Rückmeldungen.

Diese Beobachtungen im betrieblichen Umfeld können auf ein Boreout hindeuten:

  • Mangelnde Motivation über einen längeren Zeitraum und Desinteresse an Aufgaben sind erkennbar.
  • Betroffene sitzen die Arbeitszeit ab, arbeiten langsamer als möglich und erledigen Privates während der Arbeitszeit.
  • Ein hoher Grad von Auslastung wird vorgetäuscht, um die selbst empfundene Nutz- bzw. Sinnlosigkeit der Arbeit vor sich selbst und anderen zu kaschieren. Das wiederum kann sich zu einem starken Stressfaktor ausweiten.
  • Es kann zu Mobbing durch Kolleg*innen kommen, die ein höheres Arbeitspensum bewältigen müssen.

Prävention und Unterstützung bei Burnout und Boreout

Als Führungskraft haben Sie zwar einen höheren Gestaltungsspielraum und damit mehr Kontrolle über Ihre Arbeit, womit ein wesentlicher Risikofaktor für ein Burnout entfällt. Andererseits findet auch die Arbeit von Führungskräften innerhalb bestimmter Strukturen des Unternehmens statt, auch sie unterliegen Sachzwängen und haben große Arbeitslasten zu bewältigen. Boreout kommt unter Führungskräften zwar deutlich seltener vor, doch auch sie können am falschen Platz sitzen und sich permanent unterfordert fühlen. Wenn es um die Prävention von Burnout oder Boreout geht oder um Maßnahmen zur Eindämmung, unterscheiden sich Führungskräfte und Beschäftigte kaum. Mit diesen Mitteln können Sie bei sich selbst und bei Ihren Mitarbeitenden gegensteuern und auch vorbeugen:

  • Achtsamkeit fördern: Wer auf sich selbst und seine Umgebung achtet, erkennt die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer besser. Dazu gehört vor allem, rechtzeitig auf Warnsignale von Körper und Seele zu reagieren.

  • Offen darüber reden: Schaffen Sie ein Umfeld, in dem über die mentale Gesundheit, Über- und auch Unterforderung gesprochen werden kann, ohne negative Konsequenzen für Betroffene.

  • Bedürfnisse erkunden, offene Gesprächskultur führen: Geht es darum, übermäßige Belastungen abzubauen, können flexiblere Arbeitszeiten helfen. Holen Sie die Meinungen aus dem Team ein, ermutigen Sie Ihre Mitarbeitenden zu Eigeninitiative und Verantwortungsübernahme.

  • Wertschätzende Kommunikation: Dazu gehören neben fachlichem Lob auch das Zeigen von Dankbarkeit und Anerkennung z. B. für besonderen Einsatz.

  • Zeit zum Lernen und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten: Neues zu lernen kann die Motivation fördern und unterforderte Beschäftigte wieder für ihre Aufgaben begeistern. Und Mitarbeitende, die herausfordernde Aufgaben übernehmen, bewältigen diese besser, wenn sie Zeit zum Lernen und Unterstützung vom Arbeitgebenden bekommen.

  • Wenn die Anzeichen für eine starke Überlastung sich mehren: Nehmen Sie sich selbst bzw. Ihre betroffenen Teammitglieder für eine Weile aus der Schusslinie. Solche Auszeiten helfen, wieder ins Lot zu kommen.

  • Stressmanagement durch besseres Zeitmanagement: Wenn Burnout oder Boreout ein Thema sind, liegt es oft an der Organisation der Arbeit. Prüfen Sie gemeinsam mit den Betroffenen, ob und wie Arbeitsprozesse optimiert werden können. Achten Sie darauf, dem Team Gestaltungsmöglichkeiten einzuräumen.

Unsere Angebote zur Stressprävention

Wenn Sie die mentale Gesundheit Ihrer Beschäftigten im betrieblichen Kontext fördern möchten, kommen Sie gerne auf uns zu. Wir beraten und unterstützen Sie, z. B. mit diesen Angeboten:

  • Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen kann erste Ansatzpunkte für die Ableitung geeigneter Maßnahmen geben.
  • Unsere Gesundheits-App Mein Phileo sensibilisiert Führungskräfte und Mitarbeitende für die eigene (mentale) Gesundheit und hilft stressfrei, gesund und motiviert durch den Arbeitsalltag zu kommen.
  • Unser Online-Portal „Gesund Führen“ wurde speziell für Personen mit Führungsverantwortung entwickelt und bietet E-Learnings, Selbsttests, Video-Tutorials und viel Hintergrundwissen zu verschiedenen Gesundheitsthemen wie z. B. Stressmanagement.
  • Das Projekt psyGa bietet Handlungshilfen, kompakt aufbereitete Informationen und Praxisinstrumente für eine starke psychische Gesundheit.

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Wenn Sie Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in Ihrem Unternehmen umsetzen möchten und eine Beratung wünschen, wenden Sie sich gerne an uns.

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