Eine Führungskraft und ihr Team: Gutes Match oder tickende Zeitbombe?

Gute Führung motiviert, schlechte erschöpft. Sie entscheidet über Teamgeist, Gesundheit und Zufriedenheit – und darüber, wann Arbeit beflügelt oder belastet. So kann gute Führung gelingen.

Gute Führung motiviert, schlechte erschöpft. Sie entscheidet über Teamgeist, Gesundheit und Zufriedenheit – und darüber, wann Arbeit beflügelt oder belastet. So kann gute Führung gelingen.

Warum Führung so entscheidend ist

Ein Montagmorgen. Das Team sitzt im Meetingraum, Kaffeebecher in der Hand, Blick auf die Präsentation. Die Stimmung? Könnte besser sein. Zwischen Termindruck, neuen Projekten und ständigen Änderungen fehlt vielen der Überblick – und vor allem das Gefühl, gehört zu werden. Dann betritt die Führungskraft den Raum: freundlich, aufmerksam, klar in ihrer Kommunikation. Sie fragt nicht zuerst nach Zahlen, sondern nach der Stimmung im Team. Und plötzlich ändert sich etwas.

Solche Momente zeigen: Führung ist mehr als Organisation – sie ist Beziehungsarbeit.

Unsere Studie „Arbeiten 2025“ belegt, wie groß der Einfluss von Führungsverhalten wirklich ist: Mehr als jede*r 5. berichtet von Problemen mit der Führungsebene, etwa durch mangelnde Kommunikation oder fehlendes Vertrauen. Wo dagegen transparent, empathisch und wertschätzend geführt wird, steigt nicht nur die Motivation, sondern auch die psychische Gesundheit.

Führungskräfte, die ihre Teams ernst nehmen und ihnen Freiräume geben, schaffen die Grundlage für Vertrauen, Kreativität und Leistungsfähigkeit. Gerade in Zeiten von Homeoffice, Digitalisierung und Fachkräftemangel ist gesunde Führung kein „Soft Skill“ mehr, sondern eine zentrale Zukunftskompetenz.

Führungsstile im Überblick

Es gibt nicht den einen richtigen Führungsstil – aber verschiedene Ansätze, die individuell eingesetzt werden können:

  • Autoritärer Führungsstil: Entscheidungen werden von oben getroffen. Klare Regeln, aber wenig Mitsprache. Funktioniert in Krisen, wirkt im Alltag oft demotivierend.

  • Kooperativer Führungsstil: Führungskräfte binden ihr Team aktiv ein, fördern Austausch und Eigenverantwortung – das stärkt Vertrauen und Engagement. Dieser Stil funktioniert weniger gut, wenn schnelle Entscheidungen gefragt sind oder Mitarbeitende noch wenig Erfahrung haben und klare Vorgaben brauchen.

  • Situativer Führungsstil: Führung variiert je nach Kontext und Person. Mal braucht es klare Ansagen, mal Freiräume – dieser Stil gilt als besonders effektiv.

  • Transformationaler Führungsstil: Führung durch Sinn und Vision statt durch Kontrolle. Mitarbeitende werden inspiriert, sich zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

Auch unsere Studie zeigt: Führung ist einer der entscheidenden Faktoren für Zufriedenheit und Gesundheit im Job. Rund 22 % der Beschäftigten berichten von Problemen mit der Führungsebene – meist weil Vorgesetzte zu stark kontrollieren, unverständlich kommunizieren oder ihre eigenen Regeln nicht leben.

Führung, die auf Vertrauen, Wertschätzung und Beteiligung setzt, wirkt dagegen entlastend und stärkt die Motivation im Team.

Kompetenzen, die zählen

Führung beginnt mit Haltung. Diese Kompetenzen machen den Unterschied:

  • Empathie: Zuhören, bevor man urteilt. Verstehen, wie sich andere fühlen.

  • Kommunikationsstärke: Offen, klar und respektvoll kommunizieren – auch in schwierigen Situationen.

  • Feedbackkultur: Lob geben, Kritik konstruktiv äußern, Erfolge sichtbar machen.

  • Selbstreflexion: Sich selbst hinterfragen und bereit sein dazuzulernen.

  • Resilienz: Mit Druck umgehen können, ohne ihn weiterzugeben.

In unserer Studie zeigt sich: Fehlende Wertschätzung ist einer der Hauptgründe für innere Kündigung oder „Quiet Quitting“. Wer dagegen Anerkennung zeigt, stärkt Motivation und Loyalität.

Führung in der Praxis: Was wirklich wirkt

Gute Führung zeigt sich im Alltag. Laut unserer Studie „Arbeiten 2025“ haben 22 % der Beschäftigten Probleme mit ihrer Führungskraft – häufig deshalb, weil Erwartungen unklar sind oder Kontrolle zu stark ausgeübt wird. Umgekehrt berichten Teams, die sich ernst genommen und wertgeschätzt fühlen, von deutlich höherer Motivation und besserem Arbeitsklima.

Was das bedeutet: Führung sollte nicht nur organisieren, sondern unterstützen. Ein regelmäßiges Feedbackgespräch, offene Fragen wie „Was brauchst du, um besser arbeiten zu können?“ oder kleine Gesten der Anerkennung wirken oft stärker als Boni oder Titel. Führungskräfte, die zuhören, Verantwortung teilen und Vertrauen schenken, schaffen eine Atmosphäre, in der Mitarbeitende wachsen können statt auszubrennen.

Information

Das sagt unsere Expertin

„Vorgesetzte können durch ihre Art zu führen psychologische Sicherheit schaffen. Darüber hinaus wirken Wertschätzung, konstruktives Feedback und Lob positiv auf Motivation und Selbstwert. Fehlen dagegen Transparenz und Anerkennung, entsteht Frustration und das Gefühl des Kontrollverlusts wächst – ein starker Stressfaktor im Arbeitsleben.“

Lesen Sie das ganze Interview mit unserer Expertin Patrizia Thamm!

Die 4 Arten von Motivation

Motivation ist nicht gleich Motivation. Es gibt 4 Typen, die für Führung und Teamentwicklung wichtig sind:

  • Intrinsische Motivation: Entsteht aus sich selbst – etwa weil jemand Freude an einer Aufgabe hat oder Sinn in seiner Arbeit sieht.

  • Extrinsische Motivation: Wird von äußeren Faktoren geprägt, z. B. Lob, Anerkennung oder materielle Anreize.

  • Identifizierte Motivation: Mitarbeitende erkennen den persönlichen oder gesellschaftlichen Wert einer Aufgabe und handeln aus Überzeugung.

  • Introjizierte Motivation: Menschen wollen Erwartungen erfüllen – um dazuzugehören oder nicht zu enttäuschen.

Erfolgreiche Führung berücksichtigt alle 4 Formen: Sie schafft Sinn, fördert Eigenverantwortung und sorgt gleichzeitig für klare Rahmenbedingungen und Anerkennung.

No-Go's im Führungsverhalten

Ein gesundes Team braucht mehr als klare Ziele – es braucht Vertrauen. Diese Verhaltensweisen wirken dagegen destruktiv:

  • Mikromanagement: Alles kontrollieren, nichts delegieren – das demotiviert und hemmt Eigenverantwortung.

  • Fehlende Vorbildfunktion: Werte predigen, aber anders handeln. In unserer Studie nannten 52 % genau das als häufigen Konfliktpunkt mit Führungskräften.

  • Schweigen bei Konflikten: Probleme aussitzen führt zu Unsicherheit und Frust.

  • Ignoranz gegenüber Belastungen: Wer Warnsignale im Team überhört, riskiert Krankheitsausfälle und Burnout.

Gute Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen – auch für die mentale Gesundheit im Team. Wenn Mitarbeitende erste Anzeichen von stiller Überlastung zeigen, etwa im Sinne von Quiet Cracking, ist es Aufgabe der Führung, aufmerksam zu reagieren und Entlastung zu ermöglichen.

So fördern Sie Motivation und Zufriedenheit im Team

Ein ehrliches Dankeschön wirkt stärker als jede Bonuszahlung. Anerkennung und Feedback sind die einfachsten und wirksamsten Motivatoren.

Mitarbeitende wollen gestalten, nicht nur ausführen. Autonomie stärkt das Gefühl von Sinn und Kontrolle. Beides ist essenziell für die Motivation.

Sagen Sie klar, was Sie erwarten – und hören Sie genauso zu. Missverständnisse entstehen meist durch fehlende Gespräche, nicht durch fehlende Leistung.

Sorgen Sie dafür, dass im Team offen über Belastung gesprochen werden kann. Informieren Sie sich zu Themen rund um das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM), fördern Sie Gesundheitstage und nutzen Sie Angebote wie die Mein Phileo-App.

Wer selbst Pausen macht, Erreichbarkeit begrenzt und Respekt vor Grenzen zeigt, lebt gesunde Führung glaubwürdig vor. Auch nicht zu unterschätzen: Präsenz zeigen und mitmachen. Ihre Verkäufer*innen arbeiten samstags? Dann spricht auch nichts gegen einen Bürotag zu denselben Zeiten.

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