Die sozialversicherungsrechtliche Behandlung von beschäftigten Studierenden

Beschäftigte Studierende sind Personen, die neben ihrem Studium eine entgeltliche Beschäftigung in einem Betrieb ausüben.

Was sind „ordentlich Studierende“?

Für die Beurteilung der Versicherungspflicht einer ausgeübten Beschäftigung ist maßgebend, ob die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer gleichzeitig als Studentin oder Student an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule (Universität oder Fachhochschule) eingeschrieben ist und so zu dem Personenkreis der so genannten „ordentlich Studierenden" gehört. In diesem Fall gelten die Vorschriften über die Versicherungsfreiheit. Diese Regeln finden ebenfalls Anwendung bei Personen, die eine der fachlichen Ausbildung dienende Schulen (Fachschule, Höhere Fachschule und Berufsfachschule) besuchen.

Das Studium an einer Hochschule muss mit der Immatrikulationsbescheinigung, der Besuch einer Fachschule mit einer Schulbescheinigung nachgewiesen werden. Diese wird den Lohnunterlagen beigefügt. Zur Absicherung des Status „ordentlich Studierender" ist es außerdem wichtig, dass Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Für das Promotionsstudium, Ergänzungs- oder Zweitstudium ist das Kriterium „ordentlich Studierender" nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts nicht anwendbar.

Das Wichtigste im Überblick

Vor Beginn eines Arbeitsverhältnisses ist es wichtig, zu klären, ob die angestrebte Tätigkeit in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung versicherungspflichtig oder versicherungsfrei ist.

Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung

Folgende Arbeitsverhältnisse sind grundsätzlich versicherungsfrei:

  • Arbeitsverhältnisse mit einer Wochenarbeitszeit von maximal 20 Stunden
  • Arbeitsverhältnisse in den Semesterferien (bei nur ausnahmsweise vorkommenden zeitlichen Überschreitungen von bis zu längstens zwei Wochen ist davon auszugehen, dass die Beschäftigung den Status als Studierende/r nicht beeinträchtigt und die Versicherungsfreiheit erhalten bleibt)
  • Kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse – im voraus befristet auf maximal drei Monate pro Jahr (bei mind. fünf Arbeitstagen pro Woche) bzw. 70 Arbeitstage (bei weniger als fünf Arbeitstagen je Woche)
  • Dauerbeschäftigungen mit einem monatlichen Einkommen von maximal 450 Euro (geringfügige Beschäftigungen). Hier zahlt die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag von 13 Prozent zur Krankenversicherung.

In den folgenden Fällen ist ein Arbeitsverhältnis grundsätzlich versicherungspflichtig:

  • Arbeitsverhältnisse mit mehr als 20 Stunden pro Woche außerhalb der Semesterferien
  • Arbeitsverhältnisse mit einer Dauer von mehr als 26 Wochen innerhalb eines Jahres
  • Abhängige Beschäftigungen in Urlaubssemestern, sofern das Arbeitsentgelt 450 Euro pro Monat übersteigt

Rentenversrung

Arbeitsverhältnisse sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Üben Sie eine Beschäftigung mit einem Monatseinkommen von maximal 450 Euro aus, haben Sie die Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien zu lassen.

Familienversicherung

Der Anspruch auf beitragsfreie Familienversicherung entfällt bei regelmäßigen monatlichen Einkünften über 445 Euro. Wird eine geringfügige Beschäftigung ausgeübt, erhöht sich die Einkommensgrenze auf 450 Euro monatlich.

Zeitenregelungen im Detail

Bei der versicherungsrechtlichen Beurteilung muss immer zwischen der Rentenversicherung und der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung unterschieden werden.

Die 20-Stunden-Grenze

Personen, die neben ihrem Studium wöchentlich mehr als 20 Stunden arbeiten, sind grundsätzlich als Arbeitnehmerin, bzw. Arbeitnehmer anzusehen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Beschäftigungen von nicht mehr als 20 Wochenstunden sind in der Kranken- ,Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Die Höhe des gezahlten Arbeitsentgelts ist für die versicherungsrechtliche Beurteilung unerheblich.

Ausnahmen von der 20-Stunden-Grenze

  • Bei wöchentlich mehr als 20 Stunden Arbeitszeit kann die oder der Beschäftigte auch dann noch Studentin oder Student sein, wenn sich die Arbeitszeit dem Studium anpasst und unterordnet. Das ist der Fall, wenn Beschäftigungen vornehmlich an Wochenenden sowie in den Abend- und Nachtstunden oder in den Semesterferien ausgeübt werden.
  • Versicherungsfreiheit besteht auch für Studentinnen und Studenten, die während der Vorlesungszeit zwar mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten, deren Beschäftigungsverhältnis aber von vornherein auf nicht mehr als drei Monate befristet ist. Sollte sich im Laufe der Beschäftigung herausstellen, dass die drei Monate überschritten werden, tritt die Versicherungspflicht vom Tag des bekannt werden ein. Versicherungsfreiheit besteht auch dann, wenn eine befristete Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden an weniger als fünf Arbeitstagen pro Woche und an nicht mehr als 70 Arbeitstagen im Jahr ausgeübt wird.
  • Übt eine Studentin oder ein Student im Laufe eines Jahres mehrmals eine befristete Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden aus oder ist sie oder er im Rahmen einer durchgehenden Beschäftigung befristet mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden beschäftigt, muss der Status des „ordentlichen Studierenden" geprüft werden. Hierbei muss festgestellt werden, ob die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten oder zu dem der Studierenden vorliegt. Von einer Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten ist dann auszugehen, wenn ein Student im Laufe eines Jahres mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) beschäftigt ist. Die Prüfung, ob im Laufe eines Jahres Beschäftigungen mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden für die Dauer von insgesamt mehr als 26 Wochen ausgeübt werden, ist auch vorzunehmen, wenn die zu beurteilende Beschäftigung ausschließlich oder teilweise in der vorlesungsfreien Zeit ausgeübt wird.

Befristete Beschäftigung von mehr als drei Monaten

Übt eine Studentin/ein Student eine befristete Tätigkeit von mehr als drei Monaten ausschließlich in den Semesterferien aus und handelt es sich hierbei um keine geringfügige Beschäftigung und es besteht Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Rentenversicherung besteht jedoch Versicherungspflicht, da die Beschäftigung auf mehr als drei Monate befristet und nicht geringfügig ist.

Weiterführende Links

DEÜV
Minijob Zentrale
www.dvka.de

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