Die sozialversicherungsrechtliche Behandlung von Praktikanten

Ein Praktikum dient dazu, die praktischen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen im Rahmen betrieblicher Berufsbildung zu erwerben, die sind. Praktika sind in vielen Studien-, Prüfungs- oder Ausbildungsordnungen vorgeschrieben, oft werden sie auch freiwillig oder zusätzlich geleistet. Praktikanten verrichten eine berufspraktische Tätigkeit, die mit der jeweiligen Studienrichtung im Zusammenhang steht. Dabei ist es sozialversicherungsrechtlich von Bedeutung, ob es sich um ein Vorpraktikum, ein Zwischenpraktikum oder ein Nachpraktikum handelt. Grundsätzlich gilt ein Praktikum als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – nur für Zwischenpraktika gibt es Ausnahmeregelungen.

Im Vorpraktikum

Versicherungsrechtliche Beurteilung in der Kranken- und Pflegeversicherung

Wird ein von der Ausbildungs-, Studien- bzw. Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum abgeleistet, hängt die versicherungsrechtliche Beurteilung davon ab, ob während des Praktikums Arbeitsentgelt gewährt wird oder nicht.

Mit Arbeitsentgelt

Ist das Praktikum entgeltlich, besteht in der Kranken- und Pflegeversicherung Versicherungspflicht als „zur Berufsausbildung Beschäftigte“. Die Regelungen über Versicherungsfreiheit von geringfügigen Beschäftigungen können nicht angewandt werden.

Ohne Arbeitsentgelt

Wird kein Entgelt gewährt, besteht grundsätzlich Versicherungspflicht in der Krankenversicherung. Die Versicherung hat der Praktikant selbst abzuschließen und den Beitrag in Höhe des Studentenbeitrags selbst zu bezahlen. Der Arbeitgeber ist hier, anders als in der Renten- und Arbeitslosenversicherung, nicht beteiligt.

Nicht vorgeschriebene Vorpraktika

Für nicht vorgeschriebene Vorpraktika bestehen keine Sonderregelungen. Vorpraktikanten unterliegen in dem Fall daher als Arbeitnehmer der Versicherungspflicht in der Kranken- und Pflegeversicherung.

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Vorpraktikanten, die ein vorgeschriebenes Praktikum ableisten, unterliegen der Versicherungspflicht in Renten- und Arbeitslosenversicherung, egal, ob Arbeitsentgelt gezahlt wird oder nicht. Die Regelungen zur Versicherungsfreiheit für geringfügig Beschäftigte gelten hier nicht. Das hat zur Folge, dass auch bei einem Praktikum, das nicht länger als 2 Monate oder 50 Arbeitstage dauert oder bei dem das monatliche Entgelt nicht mehr als 400 Euro beträgt, Versicherungspflicht besteht. Der Arbeitgeber hat versicherungspflichtige Vorpraktikanten zur Renten- und Arbeitslosenversicherung anzumelden und die Beiträge zu entrichten. Die Beitragsberechnung erfolgt aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt. Sofern kein Entgelt gezahlt wird, werden die Beiträge aus einem fiktiven Entgelt berechnet. Monatliche Bemessungsgrundlage ist dann ein Prozent der monatlichen Bezugsgröße.

Im Zwischenpraktikum

Vorgeschriebenes Zwischenpraktikum

Studentinnen oder Studenten, die während ihres Studiums ein in einer Ausbildungs-, Studien- oder Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum ableisten – häufig handelt es sich um ein sogenanntes Praxissemester –, sind in diesem Praktikum versicherungsfrei in allen Zweigen der Sozialversicherung. Die Dauer des Praktikums, die wöchentliche Arbeitszeit und die Höhe des Verdienstes spielen hier keine Rolle.

Nicht vorgeschriebenes Zwischenpraktikum

Für nicht vorgeschriebene Praktika, die während des Studiums geleistet werden, gibt es in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung keine besondere Ausnahmeregelung. In der Praxis sind Studentinnen und Studenten während dieser Zeit regelmäßig deswegen versicherungs- und beitragsfrei, weil Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. In der Rentenversicherung ist ein freiwilliges Praktikum aufgrund einer speziellen Regelung nur dann versicherungsfrei, wenn der monatliche Arbeitsverdienst 325 Euro nicht übersteigt. Die wöchentliche Arbeitszeit ist ohne Bedeutung.

Im Nachpraktikum

Grundsätzliche Versicherungspflicht als Arbeitnehmer

Studierende, die ein Praktikum nach dem Studium ablegen, sind grundsätzlich als Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig. Das gilt auch, wenn das Praktikum nur im Rahmen der Geringfügigkeit bleibt (Begrenzung auf maximal zwei Monate oder höchstens 325 Euro Monatsverdienst bei weniger als 15 Arbeitsstunden pro Woche). Bei einem Praktikum gelten die Regelungen zur Versicherungsfreiheit geringfügiger Beschäftigungen nicht.

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Wer im Anschluss ans Studium ein vorgeschriebenes Nachpraktikum absolviert, also nicht mehr immatrikuliert ist, unterliegt ebenso als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer der Versicherungspflicht in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Auch hier kommt Versicherungsfreiheit aufgrund einer geringfügigen Beschäftigung nicht in Frage.

Weiterführende Links

DEÜV
Minijob Zentrale
www.dvka.de

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