Wer sind Young Carers?
Junge Pflegende, auch Young Carers genannt, sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich regelmäßig um ein Familienmitglied kümmern. Weil z. B. ein Elternteil oder Geschwisterkind auf Hilfe im Alltag angewiesen ist – aufgrund einer psychischen oder körperlichen Erkrankung, Demenz oder einer Suchterkrankung. Was sie von anderen Angehörigen unterscheidet, ist ihre verantwortliche Rolle. Sie sind eine feste Stütze im Leben des erkrankten Familienmitglieds. Und das neben Schule, Studium, Ausbildung oder dem 1. Job.
In Deutschland trifft das laut einer Studie der Universität Witten/Herdecke auf knapp 500.000 Kinder und Jugendliche zu. Damit sitzen rein rechnerisch 1-2 Young Carer in jeder Schulklasse. Sie sind meist zwischen 10 und 19 Jahre alt, bei jungen Pflegenden bis 25 Jahre spricht man auch von Young Adult Carers.
Was auch erwachsene Pflegende häufig erfahren, ist in der Gruppe der Young Carers noch ausgeprägter: Ihr Einsatz wird kaum gesehen. „Ein großes Merkmal dieser Gruppe ist das Thema Verborgenheit“, erklärt Dr. Anna-Maria Spittel, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in unserem Podcast „Jetzt mal ehrlich“. „Dafür gibt es verschiedene Gründe. So kann es sein, dass die Kinder und Jugendlichen, je nach Erkrankung oder familiärer Situation, nicht über das Thema sprechen wollen.“ Oder es wird ihnen zu Hause sogar untersagt, sich anderen gegenüber zu öffnen. Viele fürchten auch, dass Außenstehende eingreifen könnten, z. B. Jugendämter.
„Aber auch das Thema Selbstidentifizierung spielt eine Rolle“, so Anna-Maria Spittel. Für viele Kinder und Jugendliche sei es völlig normal, die kranken Eltern zu pflegen, weil sie mit der Zeit in die Situation hineinwüchsen.