Sex interessiert dich nicht?

Die meisten Menschen spüren irgendwann in ihrem Leben – erstmals meist in der Pubertät – ein sexuelles Verlangen nach Anderen. Dieses Verlangen kann sich auf anders- wie auch auf gleichgeschlechtliche Personen richten.

Auf einen Blick

  • Die Überbetonung von Sex
  • Warum solltest du das machen, was andere als normal ansehen?
  • Asexualität heißt nicht Beziehungslosigkeit
  • Auch das gehört dazu

Sex interessiert dich nicht?

Doch es gibt auch Menschen, die keinerlei sexuelles Verlangen verspüren. Man spricht dann von Asexualität. Das kann in einer Zeit, in der Fragen der geschlechtlichen Identität, der sexuellen Ausrichtung und der sexuellen Praktiken oft überbetont werden, dazu führen, dass man in eine Außenseiterposition oder gar unter Rechtfertigungsdruck gerät. Sex ist die Norm – wer da nicht mitmacht odersich nirgendwo so recht angezogen fühlt, gilt eben als nicht normal.

Die Überbetonung von Sex

„Wer nicht verkehrt, lebt verkehrt“ – dieser alte Spruch könnte auch das Lebensmotto auch der Gegenwart sein. Sex spielt heute eine extrem wichtige Rolle – ganze Sparten der Konsumgüterindustrie wie Mode oder Kosmetik zielen darauf ab, die sexuelle Anziehungskraft von Menschen zu erhöhen. Zahlreiche Unterhaltungsangebote in den Medien bedienen mehr oder weniger offen sexuelle Themen wie Leidenschaft, Untreue oder spezielle sexuelle Obsessionen. Im Internet gibt es unendlich viele Foren und Videoplattformen, in denen es um nichts anderes geht.

Um den Hype rund um Sex noch zu toppen, wird eine besonders hohe sexuelle Leistungsfähigkeit erwartet – man muss also nicht nur möglichst oft Sex haben, sondern auch noch extrem gut und ausdauernd darin sein. Für die optimale sexuelle Performance stellt die pharmazeutische Industrie passenderweise Mittel zur Leistungssteigerung bereit. Zu guter Letzt verfährt die Werbeindustrie in vielen Bereichen des Lebens nach der Maxime „Sex sells“ – man kann dem Thema Sex also kaum entkommen. Wer selbst nun keinerlei Interessen in diesem Bereich hegt, kann sich schnell ziemlich fremd und einsam fühlen.

Warum solltest du das machen, was die Anderen als normal ansehen?

Wenn du selbst so fühlst und kein sexuelles Begehren spürst, gerätst du leicht in die Position, dich gegenüber Freunden, Kollegen oder deiner Familie rechtfertigen zu müssen. Das, was alle machen, ist schließlich normal. Doch warum sollte das vermeintlich Normale auch für dich als das Richtigegelten? Ist das nicht reiner Zwang zur Anpassung?

Diesem Zwang darfst du dich guten Gewissens entziehen. Schließlich hast du nichts dagegen, dass die anderen so leben wie sie leben – aber du möchtest dir nicht vorschreiben lassen, dass du selbst genauso leben sollst. Und du lebst dein Leben und nicht das der anderen.

Asexualität heißt nicht Beziehungslosigkeit

Auch wer keine besondere sexuelle Anziehung und kein körperliches Verlangen hat, kann dennoch romantische Gefühle für einen anderen Menschen hegen. Diese romantische Beziehung sucht nicht die Erfüllung im körperlichen Lustgewinn, sondern im Eros des geistig-seelischen Miteinanders. Man spricht dann auch von einer platonischen Liebe, womit gemeint ist, dass diese Form der Beziehung sich im Ideellen vollzieht. Das bedeutet aber auch, dass asexuelle Menschen den Wunsch nach körperlicher Nähe und Zärtlichkeit nicht unbedingt ausschließen.

Und auch das Miteinander bleibt nicht außen vor, das Schöne muss nicht einsam, es kann auch gemeinsam gedacht und gefühlt werden. Die nicht-sexuelle Beziehung findet ihre Erfüllung nicht im Koitus, sondern auf geistig-seelischer Ebene: Man fühlt sich im Empfinden und Denken zueinander hingezogen und erlebt darin sein höchstes Glück.

Und auch im gemeinsamen seelischen Erleben kann es einen Höhepunkt geben, der mit Blick auf die Hormone dem Orgasmus nicht unähnlich ist. Auch hier werden Glückshormone ausgeschüttet, wohlige Wärme durchströmt einen, man erlebt das Gefühl des Einsseins mit dem Anderen. Dabei werden zwar keine Kinder gezeugt, oft aber neue Ideen, mit und aus denen man leben kann.

Auch das gehört dazu

Übrigens können auch Menschen, die eigentlich gar kein Interesse am Sex haben, dennoch mit anderen schlafen – etwa um sich einen Kinderwunsch zu erfüllen oder um die partnerschaftliche Beziehung zu einem Menschen zu stabilisieren, dem Sex wichtiger ist und den man nicht verlieren möchte. Man empfindet dann zwar selbst nichts beim Sex. Doch solange es aus freien Stücken geschieht, ist das auch kein Problem.

Und zu guter Letzt sei noch eine Sonderform der Asexualität erwähnt: In vielen langjährigen Beziehungen, in denen Sex einmal eine größere Rolle gespielt hat, kann es irgendwann dazu kommen, dass das Interesse an der gemeinsamen sexuellen Betätigung nachlässt oder einschläft. Das muss keine therapiebedürftige Störung der Beziehung sein, sondern kann für beide völlig in Ordnung sein. Und es muss auch nicht dazu führen, dass einer von beiden das sexuelle Glück dann außerhalb der Beziehung sucht. Die Beziehung erreicht halt eine andere Ebene. Nicht mehr und nicht weniger. Glück hat viele Gesichter.

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