Hantavirus: Symptome, Ansteckung und Therapie

Hantavirus-Infektionen sind selten, können aber ernst verlaufen. Das Risiko steigt bei Kontakt zu Mäusekot oder Staub. Erfahre, welche Symptome du kennen solltest und wie du dich vor der Infektion schützt.

Hantavirus-Infektionen sind selten, können aber ernst verlaufen. Das Risiko steigt bei Kontakt zu Mäusekot oder Staub. Erfahre, welche Symptome du kennen solltest und wie du dich vor der Infektion schützt.

Was sind Hantaviren?

Hantaviren sind Viren, die weltweit vorkommen und vor allem von Nagetieren übertragen werden, z. B. von Mäusen oder Ratten. Die Tiere selbst zeigen keine Symptome, können das Virus aber über Kot, Urin und Speichel ausscheiden.

In Deutschland spielen vor allem das Puumala-Virus und das Dobrava-Belgrad-Virus eine Rolle. Das Puumala-Virus wird hauptsächlich durch die Rötelmaus übertragen, das Dobrava-Belgrad-Virus durch bestimmte Mausarten, etwa die Brandmaus.

Hantavirus-Erkrankungen sind selten, aber meldepflichtig. Wird eine Infektion mit dem Virus nachgewiesen, wird dies anonymisiert bzw. mit den notwendigen personenbezogenen Daten an das Gesundheitsamt weitergegeben.

Die Fallzahlen schwanken von Jahr zu Jahr, weil auch die Nagetierbestände unterschiedlich groß sind. Ein höheres Risiko haben Menschen, die viel Kontakt zu möglichen Nagetier-Lebensräumen haben – etwa bei der Gartenarbeit, Holzarbeiten, Renovierungen oder beim Reinigen von Schuppen und Kellern. Vorsicht ist auch für Katzenbesitzer*innen sinnvoll, wenn ihre Katze Mäuse oder Ratten mit nach Hause bringt.

Information

Seinen Namen hat das Hantavirus übrigens vom koreanischen Fluss Hantan-gang. In dieser Region wurden während des Koreakriegs Anfang der 1950er-Jahre viele schwere Erkrankungen beschrieben, die später mit Hantaviren in Verbindung gebracht wurden.

Wie erfolgt die Ansteckung mit dem Hantavirus?

Infizierte Nagetiere scheiden Hantaviren über Speichel, Urin und Kot aus. In getrockneten Ausscheidungen können die Erreger je nach Umgebung noch Tage bis Wochen ansteckend bleiben. Du musst die Tiere also nicht direkt berühren, um dich anzustecken.

Der wichtigste Übertragungsweg ist virushaltiger Staub. Er entsteht, wenn trockener Mäusekot, Urinreste oder Nistmaterial aufgewirbelt werden, etwa beim Fegen, Staubsaugen, Ausräumen oder Renovieren. Atmest du diesen Staub ein, kann das Virus in den Körper gelangen. Möglich ist eine Ansteckung auch über kleine Hautverletzungen und verunreinigte Lebensmittel, seltener durch Bisse infizierter Tiere.

Wichtig: Die in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Typen werden nach aktuellem Wissen nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Für Angehörige ist also meist nicht die erkrankte Person das Risiko, sondern eine mögliche gemeinsame Quelle, wie ein staubiger Schuppen mit Mäusebefall.

Wie schnell erfolgt eine Ansteck­ung mit dem Hantavirus?

Nach einer Ansteckung treten die Beschwerden nicht sofort auf. Die Inkubationszeit liegt meist bei 2-4 Wochen, möglich sind auch 5-60 Tage.

Wenn du heute Mäusekot entdeckt oder einen staubigen Schuppen ausgeräumt hast, sagt dein Befinden am selben Abend also noch wenig aus. Achte in den folgenden Wochen aufmerksam auf deinen Körper. Gleichzeitig gilt: Nicht jeder Kontakt führt automatisch zu einer Infektion.

Welche Symptome treten auf?

Eine Hantavirus-Infektion kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Menschen bemerken nichts oder haben nur leichte Beschwerden. Andere fühlen sich plötzlich deutlich krank. Die in Deutschland überwiegende Krankheitsform beginnt oft grippeähnlich. Typische Symptome sind:

  • Plötzliches Fieber, oft über 3-4 Tage
  • Kopf-, Rücken-, Bauch- oder Gliederschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
  • Schwindel, Benommenheit oder Kreislaufprobleme
  • Sehstörungen
  • In manchen Fällen Einblutungen, z. B. an der Bindehaut der Augen

Diese Beschwerden können auch zu Grippe, COVID-19 oder Magen-Darm-Infekten passen. Darum ist die Vorgeschichte wichtig: Gab es Kontakt zu Mäusen, Mäusekot oder Staub aus dem Schuppen, Keller oder Gartenhaus?

Typisch ist außerdem, dass die Nieren betroffen sein können. Hinweise sind z. B. deutlich weniger Urin als sonst, später auch eine auffällig erhöhte Urinmenge, Blut im Urin, starke Flankenschmerzen oder ein sehr schwaches, benommenes Gefühl. Laborwerte können Ärzt*innen zusätzliche Hinweise geben.

Wann solltest du ärztliche Hilfe holen?

Lass dich ärztlich beraten, wenn du in den vergangenen Wochen Kontakt zu Mäusen, Mäusekot, Mäuseurin, toten Nagetieren oder stark staubigen Bereichen mit möglichem Mäusebefall hattest und danach Beschwerden entwickelt hast.

Das gilt besonders bei Fieber und starkem Krankheitsgefühl, starken Kopf-, Bauch-, Rücken- oder Gliederschmerzen, Übelkeit oder Durchfall zusammen mit Fieber, deutlich weniger Urin als sonst, Blut im Urin, Kreislaufproblemen, Benommenheit, Atemnot oder bestehenden Nierenerkrankungen.

Sag in der Praxis direkt dazu, dass es einen möglichen Kontakt zu Nagetieren gab. Bei Atemnot, Kreislaufversagen, sehr schwerem Krankheitsgefühl oder deutlich verminderter Urinausscheidung solltest du schnell medizinische Hilfe holen.

Wie wird eine Hantavirus-Infektion diagnostiziert?

Ärzt*innen achten auf 2 Dinge: Deine Beschwerden und mögliche Risikokontakte. Wichtig ist also nicht nur, wie du dich fühlst, sondern auch, was vorher passiert ist: Hast du einen staubigen Schuppen gereinigt? Tote Mäuse entfernt? Mäusekot berührt?

Zur Diagnostik gehören meist Blut- und Urinuntersuchungen, etwa Blutbild, Kreatinin als Nierenwert, sowie Eiweiß oder Blut im Urin. Symptome allein reichen nicht für eine sichere Diagnose.

Welche Therapie hilft bei einer Hantavirus-Infektion?

Eine spezielle antivirale Standardtherapie gegen die in Deutschland typischen Hantavirus-Erkrankungen gibt es nicht. Behandelt werden vor allem Beschwerden und mögliche Komplikationen.

Bei milden Verläufen reicht eine ambulante Behandlung aus. Dann geht es z. B. um Schonung, Flüssigkeitszufuhr nach ärztlicher Empfehlung und geeignete Mittel gegen Fieber oder Schmerzen. Bei stärkeren Beschwerden oder auffälligen Nierenwerten kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein. Dort lassen sich Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt und Nierenfunktion überwachen. In seltenen schweren Fällen kann vorübergehend eine Dialyse erforderlich werden. Antibiotika helfen nicht gegen Hantaviren.

Wie lange dauert eine Erkrankung mit dem Hantavirus?

Das hängt vom Verlauf ab. Leichte Beschwerden können nach einigen Tagen abklingen. Bei deutlicher Erkrankung kann es mehrere Wochen dauern, bis du dich wieder fit fühlst. Wenn die Nieren beteiligt sind oder eine Behandlung im Krankenhaus nötig wird, kann die Erholung länger dauern. Auch Erschöpfung kann nach der akuten Phase noch anhalten.

Wie gefährlich ist das Hantavirus?

Hantaviren sind nicht harmlos – aber in Deutschland auch kein Grund für Panik. Viele Infektionen verlaufen unbemerkt oder mit milden Beschwerden. Die hier vorkommenden Virustypen verursachen überwiegend leichtere bis moderate Verläufe. Schwere Erkrankungen sind trotzdem möglich, vor allem wenn die Nieren stärker betroffen sind.

In Deutschland verläuft eine Hantavirus-Infektion häufig als sogenannte Nephropathia epidemica. Das bedeutet: Die Erkrankung kann grippeähnlich beginnen und vor allem die Nieren betreffen. Möglich sind hohes Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und eine vorübergehende Einschränkung der Nierenfunktion. In seltenen Fällen kann es zum akuten Nierenversagen kommen. Todesfälle sind in Deutschland aber selten. Warnzeichen solltest du trotzdem ernst nehmen.

Kann das Hantavirus eine Pandemie wie Corona auslösen?

Die Sorge ist verständlich, aber für die in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Typen ist eine Pandemie wie bei Corona sehr unwahrscheinlich. Sie werden nicht leicht von Mensch zu Mensch weitergegeben, sondern vor allem über Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen.

Anders ist es beim südamerikanischen Andes-Hantavirus. Dort sind in seltenen Fällen auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen möglich, vor allem bei engem Kontakt zu symptomatischen Personen. Dieser Virustyp unterscheidet sich aber von den hier typischen Hantaviren. Für Deutschland lässt sich daraus kein ähnliches Pandemiepotenzial ableiten.

Wie kannst du dich vor Hantaviren schützen?

Der beste Schutz ist, Kontakt zu Nagetieren und ihren Ausscheidungen zu vermeiden. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt:

  • Lagere Lebensmittel und Tierfutter fest verschlossen.
  • Entsorge Müll in geschlossenen Behältern und gib keine Essensreste oder tierischen Abfälle auf den Hauskompost.
  • Entferne mögliche Nistplätze wie Sperrmüll, alte Kartons oder Abfallhaufen.
  • Dichte Ritzen und Spalten ab und kontrolliere Keller, Dachboden, Garage und Schuppen regelmäßig.

Wenn du Mäusekot, tote Mäuse oder Nistmaterial entdeckst oder deine Katze ein totes bzw. verletztes Nagetier mit nach Hause bringt, beachte Folgendes:

  • Wirble keinen Staub auf. Fege oder sauge nicht trocken.
  • Berühre Nagetiere nicht mit bloßen Händen, sondern nutze Einmalhandschuhe.
  • Lüfte vorher gründlich und trage bei staubigen Arbeiten eine gut sitzende FFP2- oder FFP3-Maske.
  • Befeuchte Verunreinigungen vorsichtig, nimm sie mit feuchten Tüchern auf und reinige die Flächen gründlich mit Haushaltsreiniger.
  • Gib tote Mäuse oder stark verunreinigtes Material in eine Plastiktüte, verschließe sie gut und entsorge sie mit dem Hausmüll.
  • Dusche nach den Arbeiten möglichst sofort und wasche auch deine Haare. Wasche stark verschmutzte Arbeitskleidung, bevor du sie wieder trägst.

Bei starkem Befall kann professionelle Schädlingsbekämpfung nötig sein.

FAQ zum Hantavirus

Im Mai 2026 handelte es sich um das Andes-Hantavirus. Dieser Virustyp unterscheidet sich von den in Deutschland vorkommenden Hantaviren. Für die Hantavirus-Situation in Deutschland bedeutet das nicht, dass sich die hier typischen Virustypen plötzlich wie Corona verbreiten.

Laut Robert Koch-Institut steht in Deutschland bzw. der EU derzeit keine zugelassene Hantavirus-Impfung zur Verfügung.

Nein, ein verlässlicher Selbsttest für zu Hause ist nicht verfügbar. Eine Hantavirus-Infektion wird ärztlich abgeklärt, meist mit Blut- und Urinuntersuchungen. Wichtig ist dabei auch die Vorgeschichte: Hattest du Kontakt zu Mäusen, Mäusekot, toten Nagetieren oder staubigen Bereichen mit möglichem Mäusebefall?

Bei den in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Typen gilt: Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nach aktuellem Wissen nicht statt. Anders ist es beim Andes-Hantavirus, das in Südamerika vorkommt. Dort wurde eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung beobachtet, vor allem bei engem und längerem Kontakt zu symptomatischen Personen.

Ein erhöhtes Risiko haben vor allem Menschen, die häufiger mit Nagetieren, Mäusekot oder aufgewirbeltem Staub in Kontakt kommen. Dazu gehören z. B. Personen, die in der Forst- oder Landwirtschaft arbeiten, regelmäßig Garten-, Holz- oder Renovierungsarbeiten ausführen, Schuppen, Keller oder Ställe reinigen oder beim Camping in einfachen Hütten übernachten.

Besonders aufmerksam sollten außerdem Menschen mit bestehenden Nierenerkrankungen oder anderen relevanten Vorerkrankungen sein. Sie sollten mögliche Beschwerden nach Kontakt zu Nagetieren früh ärztlich abklären lassen. Auch Schwangere, ältere Menschen oder immungeschwächte Personen sollten bei unklaren Symptomen lieber früh medizinischen Rat einholen.

Haustiere sind nicht der typische Übertragungsweg. Relevant kann es indirekt werden, wenn Katzen oder Hunde Mäuse oder andere Nagetiere mit nach Hause bringen oder du beim Entfernen von Kot oder Nistmaterial mit verunreinigtem Material in Kontakt kommst. Nutze dann Handschuhe, vermeide Staub und wasche dir danach gründlich die Hände.

Schwere Verläufe können tödlich enden, kommen in Deutschland aber selten vor. Warnzeichen wie Kreislaufprobleme, Atemnot oder deutlich weniger Urin solltest du ernst nehmen.

Autor: Onlineredaktion Pronova BKK Zuletzt aktualisiert: 13.05.2026
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