Herpes: Wenn es an der Lippe kribbelt

Ein leichtes Kribbeln an der Lippe, kurz darauf bilden sich Bläschen: Lippenherpes ist weit verbreitet. Warum bekommen ihn manche immer wieder, andere nie? Wie ansteckend er ist – und was wirklich hilft.

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Ein leichtes Kribbeln an der Lippe, kurz darauf bilden sich Bläschen: Lippenherpes ist weit verbreitet. Warum bekommen ihn manche immer wieder, andere nie? Wie ansteckend er ist – und was wirklich hilft.

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Was ist Herpes?

Herpes ist eine Virusinfektion, die viele Menschen ein Leben lang begleitet. Ausgelöst wird sie durch sogenannte Herpes-simplex-Viren (HSV). Dabei unterscheidet man vor allem 2 Typen:

  • HSV-1: verursacht meist Lippenherpes (Herpes labialis)
  • HSV-2: tritt häufiger als Genitalherpes auf

Neben Lippen- und Genitalherpes gibt es weitere Herpesviren, z. B. das Varizella-Zoster-Virus, das Gürtelrose oder Windpocken verursacht. Diese unterscheiden sich jedoch deutlich in Verlauf und Behandlung vom klassischen Lippenherpes.

Anders als bei einem Grippevirus verschwindet das Herpesvirus nach der 1. Ansteckung nicht wieder aus dem Körper. Es zieht sich in bestimmte Nervenzellen zurück und kann Wochen oder sogar Jahre später erneut aktiv werden und Beschwerden auslösen.

Wie häufig ist Herpes, und wer ist betroffen?

Sehr viele Menschen tragen das Virus in sich – oft ohne es zu wissen. Dadurch ist Herpes viel verbreiteter, als viele denken. Die Ansteckung passiert häufig schon im Kindesalter, meist unbemerkt und ohne Beschwerden.

Während manche Menschen ihr Leben lang keine Symptome entwickeln, kämpfen andere immer wieder mit schmerzhaften Bläschen. Das hat nichts mit mangelnder Hygiene oder „falschem Verhalten“ zu tun. Ob und wie häufig Herpes ausbricht, ist individuell verschieden und lässt sich nicht vollständig beeinflussen.

Symptome: So zeigt sich Lippenherpes

Oft kündigt sich Lippenherpes schon an, bevor er sichtbar wird. Viele spüren zunächst ein Kribbeln, Brennen oder ein unangenehmes Spannungsgefühl an der Lippe. Erst danach folgen die typischen Veränderungen der Haut:

  • Kribbeln, Brennen oder Spannungsgefühl
  • Kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen
  • Die Bläschen platzen auf
  • Es bildet sich eine Kruste, die langsam abheilt

Am häufigsten tritt Herpes an den Lippen oder im Mundbereich auf. Möglich sind aber auch Stellen wie Nase, Wangen oder Kinn. Seltener zeigt sich Herpes im Genitalbereich oder am Auge. Je nachdem, wo er auftritt, unterscheiden sich Risiken und auch der Behandlungsbedarf.

Der gesamte Verlauf dauert in der Regel etwa 7-10 Tage. Für Betroffene ist es oft eine unangenehme Zeit, die Geduld erfordert.

Wie steckt man sich mit Herpes an?

Übertragen wird das Virus durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt, z. B. beim Küssen oder über gemeinsam genutzte Gegenstände wie Gläser oder Lippenpflege. Das passiert oft beiläufig und ohne böse Absicht.

Herpes ist vor allem dann ansteckend, wenn sich Bläschen gebildet haben und Flüssigkeit austritt. In dieser Phase ist Vorsicht besonders wichtig. Erst wenn die Kruste vollständig abgeheilt ist, sinkt das Ansteckungsrisiko deutlich.

Gleichzeitig gilt: Auch ohne sichtbare Bläschen kann das Virus weitergegeben werden. Das macht Herpes schwer kontrollierbar – selbst wenn man vorsichtig ist.

Verlauf und Behandlung

In der Regel heilt die Infektion von selbst ab, auch wenn sich die Tage mit Bläschen oft lang anfühlen. Antivirale Cremes oder Salben aus der Apotheke können den Verlauf verkürzen und Beschwerden lindern, vor allem dann, wenn sie früh angewendet werden.

Ist die Bläschenphase überstanden, kann die betroffene Haut, besonders an den Lippen, noch empfindlich bleiben. Durch Sprechen, Essen oder Trinken kann die Kruste immer wieder aufreißen. In dieser Phase kann es helfen, die Lippen mit einer fetthaltigen Pflege geschmeidig zu halten. Das ersetzt keine antivirale Behandlung, kann aber das Spannungsgefühl lindern und das Risiko, dass die Kruste aufplatzt, reduzieren.

Tabletten kommen nur in bestimmten Situationen infrage, etwa bei schweren oder sehr häufigen Verläufen, und sollten ärztlich verordnet werden. Wichtig zu wissen: Das Virus bleibt trotz Behandlung im Körper. Eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich.

Aktuell gibt es keine zugelassene Impfung gegen Herpes-simplex-Viren. Die Forschung läuft, eine Impfung steht jedoch kurzfristig nicht zur Verfügung.

Hausmittel: Hilfreich oder nicht?

Viele greifen bei Herpes zuerst zu Hausmitteln wie Honig, Zahnpasta oder Teebaumöl – oft in der Hoffnung, die Bläschen so schneller loszuwerden. Für ihre Wirksamkeit gibt es jedoch keine verlässlichen wissenschaftlichen Belege. Manche dieser Mittel können die Haut sogar zusätzlich reizen und den Heilungsprozess verzögern. Daher ist bei der Anwendung von Hausmitteln Vorsicht geboten.

Wichtig ist außerdem: Bläschen sollten nicht aufgestochen werden. Denn das kann die Infektion verschlimmern und das Risiko erhöhen, andere anzustecken.

Herpes oder Aphte: So erkennst du den Unterschied

Nicht jede schmerzhafte Stelle im Mund ist gleich Herpes. Gerade am Anfang ist die Verunsicherung groß: Ist das ansteckend? Muss ich aufpassen? Eine Unterscheidung ist wichtig. Nicht zuletzt, um andere zu schützen und die passende Behandlung zu wählen. Ein genauer Blick auf die Symptome hilft bei der Einordnung.

Merkmale Lippenherpes Aphte
Ursache Virusinfektion Entzündung der Mundschleimhaut
1. Anzeichen Kribbeln oder Brennen Plötzliches Schmerzgefühl
Aussehen Mehrere kleine, flüssigkeitsgefüllte Bläschen Weißlich-gelbliche Stelle mit rotem Rand
Lokalisation Vor allem Lippen und Lippenrand Meist im Mundinneren, z. B. an Wange, Zunge oder Zahnfleisch
Ansteckungsgefahr Ja, vor allem während der Bläschenphase Nein
Dauer Etwa 7-10 Tage Etwa 7-14 Tage
Behandlung Antivirale Salben möglich Schmerzlindernde Gele

Warum bricht Herpes immer wieder aus?

Nach der 1. Ansteckung verschwindet das Herpesvirus nicht wieder aus dem Körper. Es bleibt dort inaktiv und kann sich zu einem späteren Zeitpunkt erneut zeigen. Auslöser dafür gibt es viele – und sie lassen sich nicht immer vermeiden. Dazu zählen z. B.:

  • Stress oder starke seelische Belastung
  • Infekte wie Erkältungen oder Fieber
  • Intensive Sonneneinstrahlung
  • Hormonelle Veränderungen, z. B. während der Menstruation, in der Schwangerschaft, im Wochenbett oder in den Wechseljahren
  • Ein geschwächtes Immunsystem, z. B. nach Operationen, bei chronischen Erkrankungen oder durch immunsuppressive Medikamente

Warum Herpes bei manchen Menschen häufiger ausbricht als bei anderen, ist nicht geklärt. Entscheidend ist unter anderem, wie das eigene Immunsystem auf das Virus reagiert – und darauf hat man nur begrenzt Einfluss.

Wann solltest du ärztlichen Rat suchen?

Für gesunde Erwachsene ist Lippenherpes meist harmlos und verläuft unkompliziert. Es gibt jedoch Situationen, in denen ärztlicher Rat wichtig ist. Für Neugeborene und Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem kann eine Herpesinfektion gefährlich werden. Sehr selten kann es zu einer Entzündung des Gehirns kommen. In solchen Fällen ist eine schnelle medizinische Behandlung entscheidend.

In diesen Fällen solltest du nicht zögern, dich an deine Ärztin bzw. deinen Arzt zu wenden:

  • Bei sehr häufigen oder schweren Ausbrüchen
  • Bei Herpes am Auge
  • Bei Herpes bei Neugeborenen
  • Bei stark geschwächtem Immunsystem
  • Bei ungewöhnlichem oder sehr schmerzhaftem Verlauf

Vorbeugung: Geht das überhaupt?

Einen sicheren Schutz vor Herpes gibt es nicht. Bestimmte Faktoren wie Stress oder ein geschwächtes Immunsystem können Ausbrüche begünstigen – und lassen sich nicht immer vermeiden. Trotzdem kannst du einiges tun, um das Risiko zu senken.

Wer gut auf sich achtet, ausreichend schläft und Belastungen möglichst reduziert, kann Herpesausbrüchen vorbeugen. Eine Garantie gibt es allerdings nicht.

Du kannst das Risiko unter anderem senken durch:

Ernährung

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Deswegen sind deine Vorsorge­unter­suchungen komplett kostenlos. Leg bei deiner Ärztin bzw. deinem Arzt einfach deine Pronova-BKK-Versichertenkarte vor – und los geht’s!