Schilddrüsen­über­funktion: Körper unter Strom

Herzrasen, Unruhe, Schwitzen oder Gewichtsverlust? Hier liest du, welche Warnsignale auf eine Schilddrüsenüberfunktion hindeuten, welche Ursachen dahinterstecken und wie die Behandlung aussieht.

Herzrasen, Unruhe, Schwitzen oder Gewichtsverlust? Hier liest du, welche Warnsignale auf eine Schilddrüsenüberfunktion hindeuten, welche Ursachen dahinterstecken und wie die Behandlung aussieht.

Welche Warn­signale typisch sind

Die Schilddrüse steuert ziemlich viel in deinem Körper. Ihre Hormone beeinflussen z. B. den Stoffwechsel, den Herzschlag, den Energieverbrauch und die Temperaturregulation. Produziert sie zu viele Hormone, liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, auch Hyperthyreose genannt. Dann läuft dein Körper auf Hochtouren. 

Das kann sich sehr unterschiedlich anfühlen. Manche bemerken vor allem Herzrasen und innere Unruhe. Andere verlieren Gewicht, obwohl sie normal oder sogar mehr als üblich essen. Wieder andere schlafen schlecht, schwitzen stärker und fühlen sich, als würden sie die ganze Zeit unter Strom stehen.

Zu den häufigen Beschwerden gehören:

  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Gewichtsverlust trotz verstärkten Hungergefühls
  • Häufiger Stuhlgang und / oder Durchfall

Dazu kommen oft:

  • Nervosität
  • Zittern
  • Gereiztheit
  • Schlaflosigkeit
  • Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit

Manche Menschen fühlen sich gleichzeitig schwach und gehetzt. Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber typisch: Der Körper läuft zwar auf Hochtouren, aber das heißt nicht, dass du dich automatisch leistungsfähig fühlst.

Auch eine vergrößerte Schilddrüse oder Knoten können auffallen, etwa als sichtbare Schwellung am Hals, durch ein Druckgefühl oder im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung. Bei Morbus Basedow, einer Autoimmunerkrankung, die häufig eine Schilddrüsenüberfunktion verursacht, können zusätzlich Veränderungen an den Augen vorkommen, z. B. hervortretende oder geschwollene Augen.

Information

Überfunktion oder Unterfunktion: Der Unterschied

Die Schilddrüse kann sowohl über- als auch unteraktiv sein. Während bei einer Überfunktion der Stoffwechsel beschleunigt ist, läuft er bei einer Unterfunktion eher verlangsamt. Welche Form vorliegt, hängt von den Beschwerden und den Blutwerten ab.

Ursachen einer Schilddrüsen­über­funktion

Die häufigste Ursache ist Morbus Basedow. Das ist eine Autoimmunerkrankung. Dabei bildet das Immunsystem Antikörper, die die Schilddrüse dazu anregen, verstärkt Hormone zu produzieren.

Daneben gibt es die Schilddrüsenautonomie. Dabei produzieren bestimmte Bereiche der Schilddrüse, sogenannte „heiße“ Knoten, Hormone unabhängig von der normalen Steuerung. Auch eine Entzündung der Schilddrüse oder eine zu hoch dosierte Einnahme von Schilddrüsenhormonen kann zu einer Überfunktion führen.

Grundsätzlich kann eine Schilddrüsenüberfunktion in jedem Alter auftreten. Frauen sind jedoch deutlich häufiger betroffen als Männer, und das Risiko steigt mit zunehmendem Alter leicht an.

Hat das Einfluss auf die Frucht­barkeit?

Ja, das kann sein. Schilddrüsenhormone beeinflussen viele Prozesse im Körper, auch den Zyklus. Eine Überfunktion kann deshalb die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Wenn du einen Kinderwunsch hast oder schwanger bist, ist eine gute ärztliche Begleitung besonders wichtig.

Wann du dir ärztliche Hilfe holen solltest

Bitte gehe zum Arzt, wenn du neu auftretendes Herzrasen, Herzstolpern, starke innere Unruhe, deutlichen Gewichtsverlust, Zittern oder anhaltende Schlafprobleme bemerkst. Das gilt besonders dann, wenn mehrere Beschwerden zusammenkommen. 1. Anlaufstelle ist meist deine Hausärztin oder dein Hausarzt. Danach kann eine Überweisung in die Endokrinologie oder Nuklearmedizin folgen. 

Gerade Herzbeschwerden solltest du nicht einfach als Stress abtun. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann Herz und Kreislauf belasten und sollte deshalb unbedingt abgeklärt werden.

Welche Blutwerte wichtig sind

Wenn bei dir der Verdacht auf eine Überfunktion besteht, werden in der Regel die Blutwerte TSH, fT3 und fT4 bestimmt. TSH steuert die Schilddrüse, fT3 und fT4 sind die Schilddrüsenhormone. Bei einer Überfunktion ist TSH meist niedrig, die Hormonwerte sind erhöht. Sind fT3 und fT4 noch normal, TSH aber schon gesenkt, kann eine subklinische, also noch „verborgene“ Überfunktion vorliegen.

Es gilt allerdings: Ein einzelner TSH-Wert beantwortet nicht alles. Ein niedriger oder unterdrückter TSH-Wert passt zwar zur Überfunktion, aber erst zusammen mit den freien Hormonen (fT3 und fT4, also den im Blut wirksamen Schilddrüsenhormonen), deinen Beschwerden und weiteren Untersuchungen lässt sich das sinnvoll einordnen. 

Wenn der Verdacht auf Morbus Basedow besteht, können im Blut bestimmte Antikörper nachgewiesen werden. Zusätzlich helfen Ultraschall und, je nach Fragestellung, auch eine Szintigraphie, eine Untersuchung, bei der eine schwach radioaktive Substanz gespritzt wird, um die Aktivität der Schilddrüse sichtbar zu machen. So lassen sich z. B. knotige Veränderungen oder eine Autonomie, also Bereiche der Schilddrüse, die Hormone unabhängig von der normalen Steuerung produzieren, besser beurteilen.

Behandlung einer Schilddrüsen­über­funktion

Die Therapie hängt von der Ursache ab. Häufig werden zuerst Thyreostatika eingesetzt. Diese Medikamente bremsen die Hormonbildung in der Schilddrüse. Sie werden meist für mehrere Monate eingesetzt. Ob die Behandlung danach beendet werden kann oder weitere Maßnahmen nötig sind, hängt von der Ursache und dem Verlauf ab.

Bei Morbus Basedow kann sich die Schilddrüsenfunktion unter längerer Einnahme von Thyreostatika wieder normalisieren. Wenn das nicht klappt, kommen oft eine Operation oder eine Radiojodtherapie infrage. Dabei wird radioaktives Jod genutzt, das sich in der Schilddrüse anreichert und überaktive Zellen zerstört.

Bei einer Schilddrüsenautonomie wird die Drüse häufig zunächst mit Medikamenten beruhigt. Danach folgt, je nach Situation, meist eine Operation oder eine Radiojodtherapie. Welche Behandlung für dich passend ist, hängt u. a. von der Ursache, dem Befund und deinem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Zu möglichen Nebenwirkungen lässt sich keine ehrliche Pauschalantwort geben, weil diese stark von Medikament, Dosis und Verfahren abhängen. Klar ist aber: Auch eine unbehandelte Überfunktion ist nicht harmlos. Sie kann z. B. das Herz belasten, zu Herzrhythmusstörungen führen oder den Knochenabbau beschleunigen.

Wie schnell es besser wird

Viele hoffen, dass Herzrasen, Unruhe oder Schlafprobleme schnell verschwinden. Das kann teilweise auch geschehen. Trotzdem braucht eine stabile Einstellung oft mehr Zeit und Kontrollen. Wie schnell sich Beschwerden bessern, hängt davon ab, was die Überfunktion ausgelöst hat und welche Behandlung du bekommst.

Darum gilt: Nimm Medikamente nur wie verordnet ein und ändere nichts auf eigene Faust. Auch wenn es dir zwischenzeitlich besser geht, heißt das nicht automatisch, dass die Ursache schon dauerhaft unter Kontrolle ist.

Was du selbst tun kannst

Am wichtigsten ist, Warnsignale ernst zu nehmen und Beschwerden abklären zu lassen. Eine Schilddrüsenüberfunktion lässt sich nicht mit Hausmitteln oder Nahrungsergänzung behandeln. Auch Aussagen wie „Omega-3 ist gut für die Schilddrüse“ helfen hier wenig weiter. Omega-3 kann Teil einer ausgewogenen Ernährung sein, ist aber keine Behandlung einer Hyperthyreose.

Auch Jod- oder Algenpräparate solltest du nicht einfach selbst probieren. Was sinnvoll ist oder nicht, hängt von der Ursache deiner Überfunktion ab. Genau deshalb ist die ärztliche Abklärung so wichtig.

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