Schilddrüsen­unter­funktion: Körper auf Sparflamme

Ständig müde, antriebslos oder schnell fröstelnd? Hier liest du, welche Symptome auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten, welche Werte wichtig sind und was bei der Behandlung hilft.

Ständig müde, antriebslos oder schnell fröstelnd? Hier liest du, welche Symptome auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeuten, welche Werte wichtig sind und was bei der Behandlung hilft.

Woran du eine Schilddrüsen­unter­funktion erkennen kannst

Die Schilddrüse ist klein, aber sie hat großen Einfluss auf deinen Körper. Sie bildet Hormone, die z. B. den Energieverbrauch, die Körpertemperatur, den Herzschlag, die Verdauung und den Zyklus mitsteuern. Produziert sie zu wenig Hormone, liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor, auch Hypothyreose genannt. Dann läuft dein Stoffwechsel langsamer als sonst.

Das Problem: Eine Unterfunktion entwickelt sich oft schleichend. Viele Beschwerden wirken zunächst unspezifisch. Genau deshalb wird die Erkrankung manchmal erst spät erkannt. Eine sichere Diagnose erfolgt nicht über ein einzelnes Symptom, sondern über die ärztliche Abklärung und einen Bluttest.

Typische Beschwerden sind:

  • Müdigkeit
  • Antriebsschwäche
  • Frieren
  • Verstopfung
  • Ein eher langsamer Puls

Hinzukommen können:

  • Konzentrationsprobleme
  • Gedächtnisstörungen
  • Trockene Haut und Haare
  • Haarausfall
  • Eine heisere Stimme
  • Eine leichte bis mäßige Gewichtszunahme

Manche Betroffene fühlen sich auch psychisch verändert, z. B. niedergeschlagen oder ungewöhnlich teilnahmslos.

Auch Muskel- oder Gelenkschmerzen, verlangsamte Reflexe, Kribbeln oder Taubheitsgefühle sind möglich. Bei Frauen können starke oder unregelmäßige Regelblutungen auftreten. Auch die Fruchtbarkeit kann eingeschränkt sein. Das heißt nicht, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Aber wenn du einen Kinderwunsch hast, solltest du auffällige Beschwerden oder veränderte Schilddrüsenwerte ärztlich abklären lassen.

Wichtig ist: Diese Symptome sind nicht automatisch ein Beweis für eine Unterfunktion. Viele davon können auch andere Ursachen haben. Genau darum bringt Rätselraten nur wenig. Wenn Beschwerden über längere Zeit bleiben oder mehrere Punkte zusammenkommen, ist ein Termin in der hausärztlichen Praxis sinnvoll.

Ursachen einer Schilddrüsen­unter­funktion

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Die Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift, ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. Auf Dauer kann sie dazu führen, dass die Drüse nicht mehr genug Hormone bildet.
  • Operation oder Radiojodtherapie: Diese Behandlungen werden z. B. bei einer Schilddrüsenüberfunktion oder bei bestimmten Knoten eingesetzt. Dabei wird Schilddrüsengewebe entfernt oder gezielt zerstört – die Hormonproduktion kann danach eingeschränkt sein.
  • Jodmangel: Jod wird für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Nimmst du über längere Zeit zu wenig Jod auf, z. B. weil jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch oder Jodsalz selten auf dem Speiseplan stehen, kann die Hormonproduktion sinken.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Wirkstoffe können die Hormonbildung beeinflussen, z. B. Lithium bei psychischen Erkrankungen, Amiodaron bei Herzrhythmusstörungen oder bestimmte Krebsmedikamente.
  • Angeborene Unterfunktion: In seltenen Fällen ist die Schilddrüse von Geburt an nicht richtig entwickelt oder funktioniert nicht ausreichend.
  • Störung der Steuerung: Auch Probleme im Gehirn können dazu führen, dass die Schilddrüse nicht ausreichend angeregt wird.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann in jedem Alter auftreten. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Je nach Ursache zeigt sie sich in unterschiedlichen Lebensphasen, insgesamt nimmt die Häufigkeit aber mit dem Alter zu.

Wann du Beschwerden ärztlich abklären lassen solltest

Wenn du über längere Zeit erschöpft bist, ständig frierst, Verstopfung hast, unerklärlich zunimmst oder Veränderungen an Haut und Haaren bemerkst, lasse das abklären. Das gilt auch bei Zyklusveränderungen, Fruchtbarkeitsproblemen oder wenn du schon einmal auffällige Schilddrüsenwerte hattest. 1. Anlaufstelle ist meist deine Hausärztin oder dein Hausarzt. Bei komplizierteren Verläufen kann an eine endokrinologische Fachpraxis überwiesen werden. 

Wie läuft die Diagnose ab, und welche Werte sind wichtig?

Wenn der Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion besteht, fragt die Ärztin oder der Arzt zuerst nach deinen Beschwerden. Danach wird meist Blut abgenommen. Besonders wichtig sind dabei TSH und fT4, je nach Situation auch fT3. TSH ist ein Hormon aus der Hirnanhangsdrüse. Es regt die Schilddrüse an, Hormone zu produzieren. fT4 ist eines der Schilddrüsenhormone selbst, also das Hormon, das im Körper wirkt. Wenn die Schilddrüse zu wenig arbeitet, steigt TSH oft an, weil dein Körper versucht gegenzusteuern. 

Typisch für eine Unterfunktion ist ein erhöhter TSH-Wert zusammen mit einem niedrigen fT4. Ist TSH erhöht, fT4 aber noch normal, kann das für eine latente Unterfunktion sprechen. Die genaue Einordnung hängt aber immer vom Gesamtbild ab, also von Beschwerden, Verlauf und weiteren Laborwerten. 

Viele suchen nach einer klaren Zahl und fragen: „Welcher TSH-Wert ist gefährlich?“ So einfach ist es leider nicht. Ein einzelner Wert reicht nicht für eine Diagnose. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit können leicht erhöhte TSH-Werte auch nur ein frühes Zeichen sein, und nicht jede Person mit erhöhtem TSH entwickelt behandlungsbedürftige Beschwerden.

Wenn der Verdacht auf Hashimoto besteht, können zusätzlich Antikörper bestimmt werden. Je nach Befund kommen auch Ultraschall und eine Überweisung in die Endokrinologie infrage.

Wie die Behandlung aussieht

Die Standardtherapie ist Levothyroxin, oft L-Thyroxin genannt. Der Wirkstoff ersetzt das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin. Ziel ist es, deinen Hormonmangel auszugleichen und die Werte wieder in den passenden Bereich zu bringen.

Bei richtiger Dosierung treten laut dem Bundesministerium für Gesundheit praktisch keine Nebenwirkungen auf. Wichtig ist aber: Die Dosis sollte nicht auf eigene Faust verändert werden. Denn wenn du zu viel einnimmst, können Beschwerden auftreten, die eher an eine Überfunktion erinnern, z. B. Unruhe, Herzklopfen oder Schlafprobleme.

Auch wenn du dir verständlicherweise schnelle Besserung wünschst: Der Hormonspiegel braucht Zeit, um sich einzupendeln. Die Dosis kann bei Bedarf nach 2-3 Monaten angepasst werden, weil es so lange dauern kann, bis sich der Hormonspiegel stabilisiert hat.

Das heißt: Erste Veränderungen kannst du früher bemerken, aber die richtige Einstellung klappt oft nicht ruckzuck. Gerade das frustriert viele. Trotzdem ist es wichtig, dranzubleiben und Kontrolltermine wahrzunehmen. Denn bleibt sie unbehandelt, kann eine Schilddrüsenunterfunktion nicht nur die Beschwerden verstärken, sondern auf Dauer auch andere Bereiche im Körper belasten, z. B. das Herz-Kreislauf-System oder den Stoffwechsel.

Information

Unterfunktion oder Überfunktion: Der Unterschied

Die Schilddrüse kann sowohl über- als auch unteraktiv sein. Während bei einer Überfunktion der Stoffwechsel beschleunigt ist, läuft er bei einer Unterfunktion eher verlangsamt. Welche Form vorliegt, hängt von den Beschwerden und den Blutwerten ab.

Warum du trotz L-Thyroxin nicht automatisch abnimmst

Eine Unterfunktion kann eine Gewichtszunahme begünstigen, weil der Stoffwechsel verlangsamt ist. Aber dein Gewicht hängt nie nur an der Schilddrüse. Auch Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stress, Muskelmasse und andere Erkrankungen spielen hier hinein. Darum bedeutet eine gute medikamentöse Einstellung nicht automatisch, dass die Kilos sofort verschwinden. Die Schilddrüse ist ein wichtiger Faktor, aber eben nicht der einzige. Die Gewichtszunahme gehört außerdem nur zu den möglichen Beschwerden und ist meist eher leicht bis mäßig.

Was sinnvoll ist: Medikamente regelmäßig einnehmen, Werte kontrollieren lassen, auf ausreichend Bewegung im Alltag achten, ausgewogen essen und dir realistische Ziele setzen. Was nicht sinnvoll ist: Crash-Diäten, dubiose „Stoffwechsel-Booster“ oder Präparate mit großen Versprechen.

Gibt es pflanzliche Alternativen?

Für eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion gibt es keine pflanzliche Alternative, die eine notwendige Hormontherapie gleichwertig ersetzen kann. Wenn dein Körper zu wenig Schilddrüsenhormone bildet, lässt sich das in der Regel nur durch das Ersetzen des fehlenden Hormons sinnvoll ausgleichen.

Jod-, Algen- oder Kräuterpräparate solltest du deshalb nicht auf eigene Faust probieren. Vor allem bei Hashimoto ist es keine gute Idee, einfach mal selbst etwas zu „optimieren“. Nahrungsergänzungsmittel solltest du nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.

Was dir im Alltag helfen kann

Das Wichtigste ist eine gute und verlässliche Behandlung. Nimm dein Medikament so ein, wie es dir verordnet wurde, und gehe zu den vereinbarten Kontrollen. Beobachte, wie es dir geht, aber mache dich nicht verrückt, wenn nicht sofort alles besser wird.

Hilfreich sind außerdem ein möglichst regelmäßiger Alltag, Bewegung, genug Schlaf und ein realistischer Blick auf deinen Körper. Du musst deinen Stoffwechsel nicht mit Gewalt „ankurbeln“. Viel wichtiger ist, dass deine Werte gut eingestellt sind und du Schritt für Schritt wieder mehr Stabilität bekommst.

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