Was ist Stalking?
Stalking ist kein Missverständnis und auch keine lästige Kleinigkeit, es ist ein ständiger Eingriff in dein Leben, der enorm viel Angst und Stress auslösen kann. Wenn dich jemand immer wieder kontaktiert, verfolgt, beobachtet oder bedrängt – egal ob online oder direkt vor deiner Haustür –, spricht man von Nachstellung.
Wie das konkret aussieht, kann sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen merken, dass jemand sie im Alltag verfolgt oder ihre Wege ausspioniert. Andere erleben digitales Stalking: Nachrichten, manchmal von gefälschten Profilen, die im Minutentakt einprasseln, heimlich mitgelesene Chats, Tracking-Apps oder gehackte Konten und Profile.
Häufig beginnt Stalking nach einer Trennung. Oft zeigen sich schon während der Beziehung Kontrollzwang, Überwachung und psychische Gewalt. Nach der Trennung kann daraus eine gezielte Nachstellung werden – ein Versuch, Macht zurückzugewinnen oder Nähe zu erzwingen. Stalking kann aber genauso gut im Freundes- oder Kollegenkreis passieren. In den seltensten Fällen sind es Fremde, die den Betroffenen nachstellen.
Ex-Partner*innen gehören zu den gefährlichsten Täter*innen, da sie Zugang zu Wohnung, Routinen und sozialen Kontakten hatten – und emotional stark involviert waren. Das fühlt sich für viele Betroffene besonders bedrohlich an. Trotzdem gilt: Jede Situation, die dir Angst macht oder deine Grenzen überschreitet, verdient ernsthafte Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Aber wie lautet nun die genaue Definition? „Das ist total schwierig“, sagt Lena Weilbacher, Dipl. Juristin und stellvertretende Landesvorsitzende beim WEISSEN RING Niedersachsen in unserem Podcast „Jetzt mal ehrlich“. „Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Man kann von Stalking sprechen, wenn es wiederholt zu Belästigungen und Verfolgungen gegen den Willen der betroffenen Person kommt. Und wenn sich die betroffene Person dabei erheblich in ihrer Lebensgestaltung beeinträchtigt fühlt. Dann ist auf jeden Fall eine Form des Stalkings erreicht.“
Die Expertin ergänzt: „Wenn die Person trotz Ablehnung und einem klaren ‚Ich möchte das nicht. Lass mich bitte in Ruhe‘ deine Nähe sucht, dir immer und immer wieder schreibt, dich ohne Grund zu Hause oder auf der Arbeit besucht oder ihr euch plötzlich ständig überall seht, dir Geschenke in den Briefkasten legt, dich ständig mit Fake-Profilen anschreibt, kurz: immer wieder deine Grenzen überschreitet, dann sind das sehr akute Warnsignale.“
Die Polizei beschreibt verschiedene Handlungen, die typisch für Stalking sind:
- Permanentes Schreiben: Nachrichten, die nicht aufhören, egal ob du antwortest oder nicht
- Unerwünschte Geschenke: Aufmerksamkeiten, die mehr verunsichern als erfreuen
- Plötzliches Auftauchen an deiner Wohnung oder deinem Arbeitsplatz: Oft ohne erkennbaren Anlass
- Das Beobachten oder Ausspionieren deiner Wege: Wenn jemand dir folgt oder deine Routinen kennt
- Cyberstalking über Social Media: Ständige Nachrichten, Fake-Profile, Eingriffe in deine Accounts oder das Gefühl, digital überwacht zu werden
Einzeln muss das noch lange nichts bedeuten. Stalking entsteht oft erst durch die Wiederholung und die Häufung. Darum hör auf dein Bauchgefühl: Etwas fühlt sich nicht richtig an? Dann nimm das ernst. Dein Gefühl ist ein wichtiger Warnhinweis, und du darfst dir Unterstützung holen, auch wenn du dir noch nicht sicher bist, was genau dahintersteckt.