Zukunftsangst in der Gen Z: Wie du zuver­sichtlich bleibst

Viele Jugendliche machen sich Gedanken über die Zukunft. Ständiges Grübeln kann zum Stressfaktor werden. Mit diesen Tipps lernst du, deine Zukunftsangst in den Griff zu bekommen und deine mentale Gesundheit zu stärken.

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Viele Jugendliche machen sich Gedanken über die Zukunft. Ständiges Grübeln kann zum Stressfaktor werden. Mit diesen Tipps lernst du, deine Zukunftsangst in den Griff zu bekommen und deine mentale Gesundheit zu stärken.

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Generation Z(ukunftsangst): Die Sorgen der Jugend

ede Generation tickt anders – und hat ihre ganz eigenen Vorstellungen von Familie, Job und Freizeit. Das hat nicht nur damit zu tun, dass sich jede Generation von der Generation ihrer Eltern abgrenzen möchte. Sondern auch damit, was in der Welt gerade passiert, während sie erwachsen wird. Die Shell-Jugendstudie nimmt regelmäßig die Lebenswelt von Jugendlichen unter die Lupe: Wie geht die Jugend mit Krisen und den aktuellen Herausforderungen ihrer Zeit um – und wovor hat sie Angst? Das sind die Ergebnisse der aktuellen Studie 2024:

81 % der 12- bis 25-Jährigen haben Angst vor einem Krieg in Europa. 2019 waren es nur 46 %. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine am 24.02.2022 sehen sich junge Menschen mit einem Krieg in einem Fast-Nachbarland konfrontiert. Über Social Media werden Bilder und Videos der Schrecken in Echtzeit übertragen. Das verstärkt das Gefühl von Furcht und Hilflosigkeit.

Die Sorge, in die Armut abzurutschen, beschäftigt 67 % der jungen Menschen. 63 % haben Angst vor sozialer Ungleichheit. Das Paradoxe daran: Meist haben besonders die Menschen Angst vor Armut, denen es eigentlich gut geht. Menschen, die bereits arm sind, haben häufig weder Zeit noch Kraft, sich mit ihren Ängsten auseinander­zusetzen. Der Anteil derjenigen, die Angst vor Armut haben, ist seit 2019 um 15 % gestiegen.

Hitzerekorde, Waldbrände, Extremfluten – der Klimawandel macht sich immer deutlicher bemerkbar. „Wie wird das Leben zukünftig für mich und für meine Familie aussehen?“ 64 % der 12- bis 25-Jährigen bereitet die Umweltverschmutzung und 63 % der Klimawandel große Sorgen. Im Vergleich zu 2019 hat die Klimaangst ein wenig abgenommen.

64 % der jungen Menschen haben Angst vor der wachsenden Feindseligkeit zwischen Menschen, 58 % speziell vor Ausländerfeindlichkeit. Die Zahl rechter Übergriffe und Gewalttaten nimmt in Deutschland seit Jahren zu, während rechtspopulistische Parteien Wahlerfolge feiern. Die Angst vor einem Rechtsruck lag 2019 bei 52-56 %.

Das hilft bei Zukunftsangst

Die ständige Konfrontation mit schlechten Nachrichten versetzt dein Gehirn in Dauerstress. Klar: Stress ist nicht immer vermeidbar. Und: Manchmal ist er sogar hilfreich. Wenn du z. B. eine Aufgabe angehst, auf die du dich freust. Dann steigert Stress deine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Fühlst du dich jedoch über einen längeren Zeitraum sehr gestresst, hat das den gegenteiligen Effekt, und dein Körper wird bald Alarmsignale senden. Die möglichen Folgen: Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Herzrasen und, in schlimmen Fällen, Depression.

Zum Glück gibt es ein paar Tipps, mit denen du deine psychische Widerstandskraft (Resilienz) stärken und gegen die Zukunftsangst vorgehen kannst:

Gar nicht so einfach, aber superwichtig: ein optimistisches Mindset. Klar kannst du nichts für die Entscheidungen der Politik oder die aktuelle Wirtschaftslage. Dich als Opfer zu sehen, ist aber auch keine Lösung. Überleg dir stattdessen, wie du einen Teil zur Verbesserung der Lage beitragen kannst. Auch kleine Schritte können helfen, das Ohnmachtsgefühl loszuwerden. Nimm z. B. an Demonstrationen teil, tritt einer Partei bei, spende an Hilfsorganisationen oder soziale Projekte, werde ehrenamtlich tätig oder sammle Sachspenden.

Alleinsein kann dich für Ängste empfänglicher machen. Also schnapp dir deine Freund*innen und unternehmt was Schönes. Geht spazieren, kocht euch etwas Leckeres, schaut eure Lieblingsserie oder geht gemeinsam zum Sport.

Wenn du merkst, dass dich die Nachrichtenflut überrollt und immer mehr belastet, leg eine Pause ein. Es reicht aus, sich 1x am Tag oder vielleicht nur jeden 2. Tag über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren. In der Zwischenzeit kannst du dich ganz auf deinen Alltag konzentrieren. Grübelst du zu viel über die großen Probleme, fällt es dir irgendwann schwer, rational und lösungsorientiert zu denken.

Hierzulande geht es uns verhältnismäßig gut. Es kann helfen, dir das immer mal wieder bewusst zu machen. Wofür bist du dankbar? Wird die Angst trotzdem größer, frag dich: Was davon betrifft mich wirklich? Was fühlt sich nicht nur bedrohlich an, sondern ist für mich und mein Leben eine reale Gefahr?

Sprich mit deiner Familie, deinen Freund*innen oder anderen Betroffenen über deine Ängste. Du wirst schnell merken: Anderen geht es ähnlich, und du bist nicht allein.

Wenn dich starke Ängste sehr belasten, kannst du mit deiner Hausärztin bzw. deinem Hausarzt darüber sprechen oder dich an eine Angstambulanz wenden. In der Spezialsprechstunde kannst du dort mit Ärzt*innen und Psycholog*innen über deine Angst sprechen und dich therapeutisch beraten lassen. Ein Angebot in deiner Nähe findest du z. B., indem du „Angstambulanz“ und deinen Wohnort googelst.

Angst vs. Sorge: Wo liegt der Unterschied?

Sorgen gehören zum Leben dazu – sie helfen dir, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und dich auf schwierige Situationen vorzubereiten. Wenn du dir also Gedanken über Noten, die Zukunft oder die Weltlage machst, ist das völlig normal.

Wenn diese Sorgen überhandnehmen, dich dauerhaft belasten, dein Denken bestimmen oder dich im Alltag einschränken, kann es sich um eine Angststörung handeln. Warnsignale sind Schlafprobleme, ständige Grübelschleifen, körperliche Symptome wie Herzrasen oder das Vermeiden bestimmter Situationen.

Dann ist es wichtig, professionelle Unterstützung zu suchen, etwa bei deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder in einer Angstambulanz. Ein Angebot in deiner Nähe findest du z. B. über Google. Über Selbsthilfegruppen in deiner Umgebung kannst du dich über die NAKOS-Datenbanksuche informieren.

Illustration einer Frau, die alleine am Tisch sitzt

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Mentale Techniken bei Angst

Wenn dich Ängste immer wieder einholen, kannst du lernen, ihnen bewusst entgegenzutreten. Mit bestimmten Übungen und Techniken lässt sich die Angst zwar nicht abschalten, aber du kannst lernen, sie zu regulieren.

  • Atemübungen helfen, akute Anspannung zu lösen: Atme z. B. 4 sec ruhig durch die Nase in den Bauch ein und lasse dir 6-8 sec Zeit beim Ausatmen durch den Mund. Passe die Zeiten gern an dein eigenes Wohlbefinden an.
  • Eine weitere bewährte Methode ist die kognitive Umstrukturierung. Erkenne belastende Gedanken wie „Ich halte das nicht aus“ oder „Das schaffe ich nie“ und ersetze sie durch realistischere Bewertungen wie „Ich habe solche Situationen schon gemeistert“ oder „Ich probiere es Schritt für Schritt. Das hat schon mal geklappt“. So lernst du, Situationen gelassener und selbstsicherer zu bewältigen und stärkst deine mentale Widerstandskraft.
  • Achtsamkeit und Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, Meditation oder Atemtechniken senken das Stressniveau und beruhigen den Körper. Regelmäßige Bewegung und soziale Kontakte stabilisieren zusätzlich die Psyche.

Wichtig ist: Übung und Geduld sind entscheidend – Veränderungen geschehen selten von heute auf morgen.

Tipps für Lehrkräfte und Eltern

Eins vorweg: Die Mehrheit der Jugend sieht ihrer Zukunft positiv entgegen. Sie hat Zukunftsvertrauen und blickt optimistisch auf die Möglichkeiten, die ihr geboten werden. Wenn sich doch mal Sorgen oder Ängste im Alltag einschleichen, ist das ganz normal. Gerade in der Pubertät gesellen sich zur Zukunftsangst auch ganz persönliche Fragen: Wie geht es nach der Schule weiter? Oder: Wo ist mein Platz in der Welt? Eltern und Lehrkräfte können dann als gutes Beispiel vorangehen und Mut machen.

  • Schau optimistisch in die Zukunft. Denn das färbt ab. Sätze wie „Ich glaube an dich! Du wirst es schaffen, auch wenn du mehrere Anläufe brauchst“ können Kindern Ängste nehmen und dazu ermutigen, aktiv zu werden und an einer Lösung zu arbeiten.
  • Vermittle das Gefühl, etwas bewirken und gestalten zu können: Stell dein Kind oder dein*e Schüler*innen vor Herausforderungen, die sie bewältigen können. Auch ehrenamtliches Engagement kann den Optimismus stärken.
  • Bezieh Kinder und Schüler*innen in Entscheidungen mit ein, damit sie lernen: „Meine Stimme zählt.“

Das Leben ist kein "Entweder-oder", sondern ein "Und". Neben Ängsten und Sorgen gibt es immer auch positive Dinge, für die man dankbar sein kann. Das kannst du dir immer wieder bewusst machen.

Hey, wir lassen dich nicht allein

  • In unseren Präventionskursen lernst du Entspannungs- und Achtsamkeitstechniken, die dir helfen, Stress abzubauen und innere Ruhe zu finden.
  • Mit dem Online-Programm Novego bekommst du schnelle Online-Hilfe, wenn du in einer Lebenskrise steckst oder psychische bzw. psychosomatische Symptome an dir entdeckst.
  • Außerdem bietet unser Kompass-Programm individuelle Unterstützung und ambulante Hilfe bei psychischen Erkrankungen.

Information

Anlaufstellen für Hilfe und Beratung

Wenn die eigenen Sorgen oder Gefühle viel zu viel werden, ist es wichtig, dir Hilfe zu holen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten. Wir zeigen dir, an wen du dich wenden kannst.