Frühjahrs­müdig­keit: Nur ein Mythos?

Im Frühling werden die Tage länger, und die Natur erwacht – trotzdem fühlen sich viele Menschen erschöpft und antriebslos. Ist diese Frühjahrsmüdigkeit nur Einbildung, oder gibt es dafür nachvollziehbare Ursachen?

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Im Frühling werden die Tage länger, und die Natur erwacht – trotzdem fühlen sich viele Menschen erschöpft und antriebslos. Ist diese Frühjahrsmüdigkeit nur Einbildung, oder gibt es dafür nachvollziehbare Ursachen?

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Was bedeutet Früh­jahrs­müdig­keit überhaupt?

Frühjahrsmüdigkeit ist kein medizinischer Fachbegriff und auch keine eigenständige Erkrankung. Der Ausdruck beschreibt vielmehr einen Zustand vorübergehender körperlicher und geistiger Erschöpfung, der häufig in den ersten Frühlingswochen auftritt. Typisch sind Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kreislaufprobleme oder ein erhöhtes Schlafbedürfnis.

Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich dieses Empfinden durch physiologische Anpassungsprozesse im Körper erklären. Mit dem Übergang vom Winter zum Frühling verändern sich mehrere Umweltfaktoren gleichzeitig: Tageslicht, Temperaturen und oft auch der persönliche Tagesrhythmus.

Besonders die innere Uhr (zirkadianes System), die unter anderem Schlaf, Hormonfreisetzung und Stoffwechsel steuert, muss sich neu einpendeln. Diese Umstellung braucht Zeit – Müdigkeit kann eine Folge davon sein.

Mögliche Ursachen der Früh­jahrs­müdig­keit

Frühjahrsmüdigkeit entsteht meist durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Im Mittelpunkt stehen hormonelle Anpassungen an das veränderte Tageslicht und damit verbundene Veränderungen des Schlafrhythmus. Weitere Einflüsse können die Beschwerden verstärken.

Hormonelle Umstellung und veränderter Schlaf­rhythmus

Im Winter produziert der Körper vermehrt das Schlafhormon Melatonin, da Dunkelheit dessen Ausschüttung begünstigt. Mit zunehmendem Tageslicht im Frühling sollte die Melatoninproduktion sinken, während jene des „Wachhormons“ Serotonin ansteigt. Diese Umstellung erfolgt jedoch nicht von heute auf morgen. In der Übergangsphase kann es zu einer Art hormonellem Ungleichgewicht kommen, das sich als Müdigkeit oder verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar macht.

Hinzu kommt, dass das längere Tageslicht am Abend viele Menschen später einschlafen lässt, während der Wecker morgens zur gleichen Zeit klingelt. Der Schlaf-Wach-Rhythmus gerät dadurch vorübergehend aus dem Takt. Unregelmäßige Schlafzeiten oder chronischer Schlafmangel können wiederum das Gefühl von Erschöpfung verstärken und die hormonelle Anpassung weiter verzögern.

Temperatur­schwankungen und Kreislauf

Im Frühling wechseln sich warme Tage und kühle Nächte häufig ab. Um sich an steigende Temperaturen anzupassen, weiten sich die Blutgefäße. Das kann dazu führen, dass der Blutdruck vorübergehend absinkt. Besonders Menschen mit ohnehin niedrigem Blutdruck können darauf leicht mit Schwindel, Kopfschmerzen oder Erschöpfung reagieren.

Nährstoff­mängel nach dem Winter

In den Wintermonaten ist die Ernährung oft weniger frisch und abwechslungsreich. Gleichzeitig fehlt Sonnenlicht, was die körpereigene Bildung von Vitamin D reduziert. Auch Eisenmangel oder eine unzureichende Versorgung mit B-Vitaminen können nach dem Winter häufiger auftreten. Solche Nährstoffdefizite können Müdigkeit und Leistungsabfall begünstigen. Ob tatsächlich ein Mangel vorliegt, lässt sich zuverlässig durch eine Blutuntersuchung in der ärztlichen Praxis feststellen.

So lange dauert die Früh­jahrs­müdig­keit

Wie lange Frühjahrsmüdigkeit anhält, hängt eng mit den beschriebenen Anpassungsprozessen im Körper zusammen. Die innere Uhr, der Hormonhaushalt und der Schlaf-Wach-Rhythmus benötigen Zeit, um sich auf die veränderten Licht- und Umweltbedingungen im Frühling einzustellen.

Oft bessern sich die Symptome innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen. In diesem Zeitraum pendeln sich Melatonin- und Serotoninspiegel neu ein, der Schlaf wird wieder erholsamer, und das Energielevel steigt.

Wie schnell dieser Anpassungsprozess abläuft, ist individuell unterschiedlich und wird unter anderem durch Schlafverhalten, Bewegung, Stressbelastung und den allgemeinen Gesundheitszustand beeinflusst.

Wenn Müdigkeit nicht mehr „normal“ ist

Frühjahrsmüdigkeit gilt also als normale, zeitlich begrenzte Anpassungsreaktion des Körpers. Sie kann grundsätzlich Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen und klingt in der Regel von selbst wieder ab.

Wichtig ist jedoch, aufmerksam zu bleiben, wenn die Beschwerden ungewöhnlich stark ausgeprägt sind, über längere Zeit anhalten oder sich sogar steigern. Achte besonders auf folgende Begleitsymptome, die darauf hindeuten können, dass mehr als eine saisonale Anpassung dahintersteckt:

  • Anhaltende Niedergeschlagenheit
  • Deutlicher Interessenverlust
  • Ausgeprägte Schlafstörungen
  • Starke Erschöpfung trotz ausreichenden Schlafs
  • Spürbare Einschränkungen im Alltag

In solchen Fällen können andere Ursachen infrage kommen, etwa depressive Erkrankungen, Störungen des Hormonhaushalts (z. B. der Schilddrüse) oder ausgeprägte Vitamin- bzw. Nährstoffmängel. Eine ärztliche Abklärung hilft, mögliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Praktische Tipps: Das kann bei Frühjahrs­müdig­keit helfen

Frühjahrsmüdigkeit lässt sich zwar nicht von heute auf morgen „abschalten“, doch mit einfachen Alltagsmaßnahmen kannst du deinen Körper gezielt bei der Umstellung unterstützen. Die folgenden Tipps helfen dir dabei, neue Energie zu gewinnen und den natürlichen Rhythmus wieder zu stabilisieren.

Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft zählt zu den wirksamsten Maßnahmen gegen Frühjahrsmüdigkeit. Tageslicht ist der wichtigste Zeitgeber für deine innere Uhr und hilft, deinen Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren. Schon ein täglicher Spaziergang von 20-30 min bei Tageslicht kann dir helfen, wacher zu werden, die Serotoninproduktion anzuregen und den Kreislauf in Schwung zu bringen.

Besonders günstig ist Bewegung am Vormittag oder frühen Mittag, da sie deinem Körper signalisiert, dass der Tag aktiv beginnt. Wenn du wenig Zeit hast, kannst du auch kurze Wege bewusst zu Fuß zurücklegen oder Pausen für einen kurzen Aufenthalt im Freien nutzen.

Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung unterstützt deinen Körper in der Anpassungsphase im Frühling. Frisches Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und eiweißreiche Lebensmittel liefern Energie und wichtige Mikronährstoffe für Stoffwechsel, Nerven- und Muskelfunktion.

Nach dem Winter kann es sinnvoll sein, besonders auf eisen- und vitaminreiche Lebensmittel zu achten. Dazu zählen z. B. grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und Milchprodukte. Nahrungsergänzungsmittel sind in der Regel nicht notwendig und sollten nur bei ärztlich festgestelltem Mangel und nach Rücksprache eingenommen werden.

Ein möglichst gleichmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus hilft deinem Körper, sich schneller an die veränderten Lichtverhältnisse im Frühling anzupassen. Feste Zeiten zum Zubettgehen und Aufstehen – auch am Wochenende – unterstützen deine innere Uhr.

Abendliche Routinen wie gedimmtes Licht, der Verzicht auf Bildschirme kurz vor dem Schlafengehen und ruhige Aktivitäten können dir das Einschlafen erleichtern. Kurze Erholungspausen am Tag sind unproblematisch, längere Nickerchen solltest du jedoch vermeiden, da sie den Nachtschlaf beeinträchtigen können.

Mit Wechselduschen oder kurzen kalten Güssen lassen sich Kreislauf und Durchblutung sanft anregen. Solche moderaten Kältereize können das subjektive Energieempfinden steigern und dabei helfen, sich wacher zu fühlen. Am besten eignen sie sich morgens oder immer dann, wenn du dich besonders müde fühlst – nicht direkt vor dem Schlafengehen.

Diese Maßnahmen sind jedoch nicht für jede Person geeignet. Wenn du Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einen niedrigen Blutdruck oder andere Vorerkrankungen hast, solltest du vorab ärztlichen Rat einholen und auf dein persönliches Wohlbefinden achten.

Lichttherapie wird vor allem bei saisonal abhängiger Depression in den dunklen Wintermonaten eingesetzt. Dabei setzt man sich täglich für eine begrenzte Zeit einer speziellen, sehr hellen Tageslichtlampe aus, um den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren. Für die Behandlung einer typischen Frühjahrsmüdigkeit ist sie in der Regel nicht notwendig.

In Einzelfällen kann eine Lichttherapie jedoch unterstützend wirken, etwa wenn du tagsüber kaum ins Freie kommst oder wenig Tageslicht erhältst. Sie ersetzt jedoch nicht Bewegung und den Aufenthalt im natürlichen Tageslicht, die für die meisten Menschen die wirksamere und einfachere Maßnahme darstellen.

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