Mutterbild: Alles perfekt, oder?
Egal wie kurz die Nacht oder wie energisch der Trotzanfall war – die „perfekte“ Mama bleibt geduldig. Liebevoll, aufmerksam und ausgeglichen regelt sie den Familienalltag. Erschöpfung, Überforderung, Traurigkeit? Kennt sie nicht! Sie ist immer bereit, sich und die eigenen Wünsche hinter die der Familie zurückzustellen. Gleichzeitig ist bei ihr alles in bester Ordnung: Die Wohnung gesaugt, das Essen frisch gekocht, das Nachmittagsprogramm pädagogisch besonders wertvoll.
Ganz schön übertrieben dieses Mutterbild, oder? Zwar haben sich unsere Gesellschaft und die Rollenverteilungen in Familien in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder verändert, aber die Erwartungen an Mütter bleiben hoch. Und neue Aufgaben und Herausforderungen kommen hinzu, z. B.:
- Steigende Lebenshaltungskosten, die Frauen immer früher zurück in den Beruf drängen.
- Kita-Plätze, die gerade in Großstädten nicht leicht zu finden sind und die teilweise auch nicht die Betreuungsschlüssel und -qualität bieten, die sich junge Eltern wünschen.
- Neben der Erwerbsarbeit stoppt auch die Arbeit zu Hause nicht. Nur ist diese unbezahlt.
- All die unsichtbare Gedankenarbeit, die vor allem Mütter leisten, damit Alltag und Haushalt reibungslos funktionieren – auch bekannt unter dem Begriff Mental Load.
- Ein dauerhaft schlechtes Gewissen, das Gefühl, nichts und niemandem vollumfänglich gerecht zu werden. Am wenigsten sich selbst.
- Der wachsende Druck, z. B. durch soziale Medien, die Eltern vorgaukeln, dass es in anderen Familien stets harmonisch zugeht und immer alles aufgeräumt ist. Gezeigt werden nur perfekte Momente. Vergleiche mit anderen können dich verunsichern – sie sagen aber nichts darüber aus, wie gut du für dein Kind sorgst.
Besonders schwer ist das Päckchen, das Alleinerziehende schultern. Auch das ist ein Fakt: Der Anteil an Müttern, die ihr Kind ohne Unterstützung eines weiteren Elternteils großziehen, ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt sind von den 1,62 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland 1,37 Millionen weiblich. Und trotzdem hängt die Messlatte gefühlt doch irgendwie immer gleich hoch – egal welche Voraussetzungen jede und jeder hat.