Mütter verlangen mehr von sich als Väter von ihnen erwarten

Leverkusen, 19.08.2025: Die Mehrheit der Väter wünscht sich, viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, doch das gelingt nicht allen. Mütter hingegen stemmen den Großteil des Familienalltags, doch nur rund jeder 2. Vater nimmt dies wahr.

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Leverkusen, 19.08.2025: Die Mehrheit der Väter wünscht sich, viel Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, doch das gelingt nicht allen. Mütter hingegen stemmen den Großteil des Familienalltags, doch nur rund jeder 2. Vater nimmt dies wahr.

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Was macht einen guten Vater aus? Für die meisten Väter gehören emotionale Nähe, Präsenz und Verantwortung zum Idealbild: 55 % wollen viel Zeit mit den Kindern verbringen, 51 % sehen sich als „Freund und Beschützer“ ihres Nachwuchses. Für jeden 2. gehört es auch dazu, Aufgaben im Haushalt zu übernehmen, bei Erziehungsfragen mitzuentscheiden (49 %) und für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen (48 %).

In der Realität zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen Anspruch und gelebtem Alltag. Nur 46 % der Väter geben an, tatsächlich viel Zeit mit den eigenen Kindern zu verbringen – eine Differenz von 9 Prozentpunkten. Auch kümmern sich nicht alle Väter so sehr um ihr Baby, wie sie es sich eigentlich wünschen. Für 42 % der Väter gehört es zum Idealbild, Windeln zu wechseln und nachts aufzustehen. Doch tatsächlich tun dies nur 36 %, also 8 Prozentpunkte weniger. Umgekehrt arbeiten 53 % der Väter Vollzeit, obwohl nur 36 % dies mit ihrem Idealbild eines modernen Vaters verbinden.

68 % der Mütter wollen zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist

Mütter legen sogar noch höhere Maßstäbe an ihre Elternrolle als Väter. 70 % der Frauen möchten viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. 2/3 wollen zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist, und streben eine enge emotionale Bindung an. Dabei fordern sie von sich selbst mehr, als Väter von ihnen erwarten. So wünschen sich nur 58 % der Väter von der idealen Mutter, viel Zeit mit dem Kind zu verbringen – eine Differenz von 12 Prozentpunkten. Wenn es darum geht, Entscheidungen für die Familie zu treffen, geht die Kluft noch weiter auseinander (17 Prozentpunkte). Mehr als jede 2. Mutter hat diesen Anspruch an sich, doch nur für 38 % der Männer fordern dies.

„Die Erwartungen der Mütter an die Beziehung zu ihrem Kind sind nur sehr bedingt davon geprägt, was Väter erwarten. Vielmehr spiegeln sie überhöhte bis verzerrte Ansprüche wider, die Mütter an sich selbst stellen“, sagt Familienpsychologin Nina Grimm für die Pronova BKK. „Wichtig ist es für Mütter zunächst, sich bewusst zu machen, was sie intrapsychisch davon abhält, auch mal Fünfe gerade sein zu lassen.“ Meistens hänge dies mit biografischen Erfahrungen zusammen. Wer es jedoch schaffe, die eigenen Antreiber zu erkennen und zu relativieren, könne aus Sicht der Psychologin selbstbewusster handeln und Verantwortung teilen.

Grimm rät: „Mütter sollten sich klarmachen, dass der Partner vieles anders machen wird – aber nicht automatisch schlechter.“ Väter wiederum sind in alltäglichen Care-Aufgaben nicht weniger kompetent, sondern meist einfach weniger geübt. Grimm appelliert an Väter: „Anerkennt die Tatsache, dass eure Partnerin mitunter geübter ist und Dinge berücksichtigt, die euch gar nicht bewusst sind. Nehmt das weder als persönlichen Angriff noch als implizite Information, dass sie euch nichts zutraut und ihr es eh nicht recht machen könnt. Schiebt diesen emotionalen Film beiseite und hört ihr zu!“ Das bedeute nicht, sich selbst aufzugeben, sondern gemeinsam einen Weg zu finden.

Väter nehmen die Care-Arbeit von Müttern seltener wahr

Die Studie zeigt aber auch: Väter unterschätzen, was Mütter im Familienalltag leisten. Nur gut die Hälfte erkennt, dass ihre Partnerin Aufgaben im Haushalt übernimmt – obwohl es 2/3 nach eigenen Angaben tatsächlich tun. Beim Thema „Kind krank“ verhält es sich ähnlich: Während 67 % der Mütter sagen, dass sie dann zu Hause bleiben, nehmen das nur 51 % der Väter wahr – eine Differenz von 16 Prozentpunkten. „Viele Väter wissen nicht, was es bedeutet, 24/7 präsent zu sein und einen Familienalltag zu managen“, sagt Grimm. Genau diese emotionale und mentale Arbeit sei unsichtbar. „Das heißt aber nicht, dass Männer diese Arbeit nicht wertschätzen können. Hierfür braucht es ein offenes Gespräch, in dem beide Seiten einander wirklich zuhören, ohne gleich zu bewerten.“

Über die Studie

Für die repräsentative Studie „Familie und Erziehung 2025“ der Pronova BKK wurden 2.000 Mütter und Väter ab 18 Jahren mit mindestens einem eigenen Kind unter 16 Jahren im Haushalt im März 2025 online befragt. Die Befragung gibt einen Einblick, wie Mütter und Väter ihre Rolle in der Familie wahrnehmen, welche Erziehungsstile und -ziele sie haben und wie es um ihre psychische Gesundheit bestellt ist.

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Nina Remor

Pressereferentin

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