Diphtherie bei Kindern: Symptome und Behandlung

Diphtherie ist selten, aber lebensgefährlich. Erfahre, welche Symptome bei Kindern typisch sind, wie die Krankheit übertragen und behandelt wird – und warum die Impfung zuverlässig vor schweren Verläufen schützt.
Diphtherie ist selten, aber lebensgefährlich. Erfahre, welche Symptome bei Kindern typisch sind, wie die Krankheit übertragen und behandelt wird – und warum die Impfung zuverlässig vor schweren Verläufen schützt.

Auf einen Blick

Zunächst können die Beschwerden bei einer Diphtherie wie eine harmlose Erkältung wirken. Die Infektionskrankheit beginnt oft mit Halsschmerzen, mäßigem Fieber und Schluckbeschwerden. Ein fest haftender grauweißer Belag, süßlicher Mundgeruch, starke Halsschwellungen, Heiserkeit oder Atemgeräusche sind Warnzeichen. Bei Atemnot oder bläulichen Lippen musst du sofort den Notruf 112 wählen. Eine vermutete Diphtherie gehört unverzüglich in ärztliche Behandlung. Für einen möglichst zuverlässigen Schutz sorgen die empfohlenen Diphtherie-Impfungen im Säuglingsalter und regelmäßige Auffrischimpfungen.

Was ist Diphtherie?

Diphtherie ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Kinder können sich grundsätzlich jederzeit mit den Erregern anstecken, vor allem, wenn sie keinen ausreichenden Impfschutz haben. Meist wird Diphtherie durch das Bakterium Corynebacterium diphtheriae ausgelöst. Es kann ein Gift bilden, das sogenannte Diphtherie-Toxin. Dieses schädigt Zellen und kann sich über den Blutkreislauf auch auf Herz, Nerven und andere Organe ausbreiten.

Die Bakterien befallen entweder die Schleimhäute der Atemwege oder die Haut. Bei der Rachendiphtherie siedeln sie sich in Nase, Rachen, an den Mandeln oder im Kehlkopf an. Dort können sich feste, grauweiße Beläge bilden, die das Schlucken und Atmen erschweren. Diese Form kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.

Bei der Haut- oder Wunddiphtherie gelangen die Erreger über eine offene Hautstelle in den Körper. An der betroffenen Stelle entstehen meist gerötete, geschwollene Wunden mit schmierigen Belägen. Die Infektion bleibt dabei in der Regel örtlich begrenzt. Trotzdem können die Erreger von der Wunde aus weitergegeben werden und innere Organe schädigen.

Welche Symptome zeigen Kinder bei Diphtherie?

Die 1. Beschwerden einer Rachendiphtherie beginnen laut Robert Koch-Institut meist 2-5 Tage nach der Ansteckung. Selten dauert es bis zu 10 Tage.

Typisch sind zunächst:

  • Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
  • Mäßiges Fieber
  • Ausgeprägte Abgeschlagenheit
  • Gerötete und geschwollene Mandeln oder ein entzündeter Rachen
  • Geschwollene Lymphknoten am Hals

Nach 2-3 Tagen kann sich an den Mandeln und am Gaumen ein grauweißer, später auch bräunlich-weißer Belag bilden. Er haftet fest an den Schleimhäuten und kann sich über Rachen, Nase oder Kehlkopf ausbreiten. Häufig kommt ein süßlich-fauliger Mundgeruch hinzu. Wichtig: Entferne den Belag nicht selbst, da er sich beim Ablösen weiter ausbreiten und die Atemwege zusätzlich verengen kann.

Diphtherie oder normale Mandel­ent­zündung?

Diphtherie ähnelt zu Beginn oft einer normalen Mandelentzündung (Angina) mit Fieber, Halsschmerzen und Belägen. Zu Hause lässt sie sich nicht sicher abgrenzen.

Typische Warnzeichen für Diphtherie:

  • Fest sitzender Belag: Grau-weiße Beläge auf den Mandeln oder im Rachen, die sich nicht abstreifen lassen.
  • Spezifische Symptome: Süßlicher Mundgeruch, stark geschwollene Hals-Lymphknoten und auffallende Mattigkeit (oft bei nur mäßigem Fieber).
  • Kehlkopf-Beteiligung: Heiserkeit, leise Stimme oder pfeifendes Geräusch beim Einatmen.

Hinweis: Auch diese Anzeichen können bei anderen Infekten vorkommen – bei Verdacht sollte immer eine kinderärztliche Abklärung erfolgen.

Wenn dein Kind solche Symptome hat, ruf deshalb möglichst schnell in der Kinderarztpraxis an und kündige den Verdacht auf Diphtherie an, bevor du mit ihm dorthin gehst. So lassen sich andere Menschen schützen.

Warnsignale bei schwerem Verlauf

Eine Diphtherie kann die Atemwege innerhalb kurzer Zeit verengen. Alarmzeichen sind:

  • Bellender Husten oder pfeifende Atemgeräusche
  • Zunehmende Heiserkeit oder Stimmlosigkeit
  • Atemnot oder auffällig angestrengtes Atmen
  • Bläuliche Lippen oder Haut
  • Starke Unruhe, Angst oder ungewöhnliche Müdigkeit
  • Schwierigkeiten beim Schlucken oder vermehrter Speichelfluss
  • Bewusstseinsstörungen

Bei akuter Atemnot, bläulicher Verfärbung oder Bewusstlosigkeit wählst du sofort den Notruf 112.

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Wie entsteht Diphtherie und wie wird sie über­tragen?

Die Rachendiphtherie wird meist durch Tröpfchen übertragen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Luft gelangen. Auch enger Körperkontakt, Küssen oder gemeinsam benutzte Gegenstände können eine Rolle spielen.

Die Hautdiphtherie wird vor allem durch direkten Kontakt mit infizierten Wunden oder durch verunreinigte Gegenstände übertragen. Bestimmte Diphtherie-Bakterien können außerdem von Tieren auf Menschen übergehen, z. B. bei engem Kontakt mit Haus- oder Nutztieren.

Auch geimpfte Menschen können sich mit Diphtherie-Bakterien anstecken und sie weitergeben. Denn die Impfung schützt vor allem vor dem Diphtherie-Toxin und damit vor schweren Krankheitsverläufen. Sie verhindert nicht in jedem Fall, dass sich die Bakterien im Körper ansiedeln.

Wie lange ist Diphtherie ansteckend?

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung und den 1. Beschwerden, beträgt meist 2-5 Tage, kann aber auch 1-10 Tage dauern. Schon bevor Symptome auftreten, können die Bakterien theoretisch weitergegeben werden, wenn sie bereits in den Atemwegen vorhanden und ausgeschieden werden. Wie lange eine erkrankte Person ansteckend ist, hängt von der Behandlung ab. Ohne Antibiotika können die Erreger meist 2-4 Wochen lang nachweisbar sein. Nach Beginn einer wirksamen Antibiotikatherapie besteht in der Regel spätestens nach etwa 4 Tagen keine Ansteckungsgefahr mehr.

Wichtig: Diphtherie ist meldepflichtig. Enge Kontaktpersonen werden vom Gesundheitsamt oder der behandelnden Praxis informiert. Sie erhalten je nach Situation vorbeugend Antibiotika und eine Auffrischimpfung, wenn der Impfschutz nicht aktuell ist.

Wie wird Diphtherie diagnostiziert?

Die Ärztin oder der Arzt beurteilt zunächst die Beschwerden und untersucht Mund, Rachen, Hals und Haut. Bei Verdacht ist ein Abstrich aus dem Rachenraum oder von einer Wunde erforderlich. Im Labor wird geprüft, ob Diphtherie-Bakterien vorhanden sind und ob sie das gefährliche Toxin bilden.

Da das Gift bereits Organe schädigen kann, warten Ärztinnen und Ärzte bei einem dringenden Verdacht nicht immer auf das Laborergebnis. Die Behandlung beginnt dann sofort.

Behandlung: Ist Diphtherie heilbar?

Ja, Diphtherie ist grundsätzlich heilbar. Entscheidend ist, dass die Erkrankung früh erkannt wird. Die Behandlung besteht bei einer Rachendiphtherie aus 2 wichtigen Bausteinen:

  • Antitoxin: Das Diphtherie-Antitoxin ist ein Gegengift. Es bindet das Toxin, solange dieses noch nicht an Körperzellen gebunden ist. Deshalb wird es bei Verdacht möglichst früh verabreicht. Bereits eingetretene Organschäden kann das Antitoxin allerdings nicht rückgängig machen.
  • Antibiotikum: Antibiotika beseitigen die Diphtherie-Bakterien und verhindern, dass weiteres Toxin gebildet wird. Die Therapie dauert meist etwa 2 Wochen. Danach wird kontrolliert, ob die Erreger tatsächlich verschwunden sind.

Patient*innen mit Diphtherie werden im Krankenhaus isoliert. Strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen sollen verhindern, dass sich die Bakterien weiterverbreiten. Dazu gehören unter anderem sorgfältige Handhygiene sowie Schutzkleidung. Auch der Kontakt zu anderen Menschen wird so weit wie nötig eingeschränkt. Enge Kontaktpersonen benötigen eine Abstrichuntersuchung, eine vorsorgliche Antibiotikagabe und eine Überprüfung des Impfschutzes.

Eine intensivmedizinische Überwachung kann ebenfalls erforderlich sein. Auch nach überstandener Erkrankung können Komplikationen auftreten, etwa eine Herzmuskelentzündung oder Nervenschäden. Eine ärztliche Nachkontrolle ist deshalb wichtig.

Diphtherie-Impfung: Deshalb ist sie so wichtig

Die Diphtherie-Impfung schützt vor allem vor dem gefährlichen Toxin. Sie verhindert nicht in jedem Fall, dass sich die Bakterien im Körper ansiedeln. Ein geimpftes Kind kann sich daher theoretisch infizieren oder die Erreger weitergeben. Die Impfung schützt aber sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen.

Die Impfungen erfolgen in der Regel mit 2, 4 und 11-14 Monaten. Meist wird ein Sechsfachimpfstoff verwendet. Er schützt gleichzeitig vor Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Hib (Haemophilus influenzae Typ b). Auffrischimpfungen folgen im Alter von 5-6 Jahren sowie im Alter von 9-16 Jahren. Danach wird der Impfschutz im Erwachsenenalter alle 10 Jahre aufgefrischt. Fehlen Impfungen oder ist die Grundimmunisierung unvollständig, können sie nachgeholt werden. Die Pronova BKK übernimmt die Kosten für die von der STIKO empfohlenen Diphtherie-Impfungen vollständig, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

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Autor: Onlineredaktion Pronova BKK Zuletzt aktualisiert: 29.09.2026