Keuchhusten bei Kindern: Symptome erkennen und richtig handeln

Keuchhusten bei Kindern beginnt oft wie eine Erkältung. Erfahre, woran du die Krankheit erkennst, warum sie für Babys gefährlich ist und wann ärztliche Hilfe nötig wird.
Keuchhusten bei Kindern beginnt oft wie eine Erkältung. Erfahre, woran du die Krankheit erkennst, warum sie für Babys gefährlich ist und wann ärztliche Hilfe nötig wird.

Was ist Keuch­husten?

Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende bakterielle Atemwegsinfektion, meist ausgelöst durch Bordetella pertussis-Bakterien. Die Bakterien bilden Giftstoffe, die die Schleimhäute schädigen. Übertragen werden sie beim Husten, Niesen oder Sprechen durch Tröpfchen. Besonders für Neugeborene und junge Säuglinge kann die Infektion gefährlich werden. Deshalb empfiehlt die STIKO, bereits im Säuglingsalter mit der Grundimmunisierung zu beginnen und den Impfschutz im Kindesalter regelmäßig aufzufrischen. Die Pronova BKK übernimmt die Kosten für diese Impfungen.

Wie fängt Keuchhusten bei Kindern an?

Keuchhusten beginnt oft unscheinbar: Ein Kind hat Schnupfen und hustet ein wenig – wie bei einer Erkältung. Erst später wird der Husten anfallsartig und quälend. Zwischen Ansteckung und 1. Beschwerden liegen laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit meist 9-10 Tage, möglich sind 6-20 Tage. Hohes Fieber ist eher untypisch. In dieser Phase ist die Ansteckungsgefahr besonders groß – auch schon kurz vor den 1. Beschwerden.

Der typische Krankheitsverlauf bei einem ungeimpften Kind, das sich zum 1. Mal infiziert, gliedert sich in 3 Phasen:

  • Erkältungsphase: Sie dauert etwa 1-2 Wochen. Der Husten klingt zunächst harmlos und wird leicht unterschätzt.
  • Hustenphase: Nun folgen anfallsartige, krampfartige Hustenstöße, oft nachts. Beim anschließenden Einatmen entsteht manchmal ein pfeifendes oder keuchendes Geräusch. Zäher Schleim, Würgen und Erbrechen sind möglich. Diese Phase dauert meist 4-6 Wochen.
  • Erholungsphase: Die Hustenattacken werden allmählich seltener. Bis sich die Atemwege beruhigt haben, können weitere 6-10 Wochen vergehen. Reize wie kalte Luft oder Anstrengung können noch länger Reizhusten auslösen.

Keuchhusten dauert häufig mehrere Wochen, mitunter Monate. Bei geimpften Kindern verläuft die Infektion in der Regel milder und weniger typisch: Hustenanfälle, das keuchende Geräusch beim Einatmen oder Erbrechen können fehlen. Auch nach einer durchgemachten Erkrankung ist eine erneute Infektion möglich. Sie kann ebenfalls untypisch verlaufen. Eine feste Einteilung in drei Phasen gibt es für wiederholte Infektionen daher nicht.

Wie hört sich Keuchhusten an?

Ein gewöhnlicher Erkältungshusten ist meist unregelmäßig und klingt mit den übrigen Erkältungsbeschwerden innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ab. Keuchhusten zeigt oft ein anderes Muster: Viele kurze, harte Hustenstöße folgen direkt aufeinander. Danach ringt das Kind nach Luft, würgt oder erbricht zähen Schleim.

Wichtig: Bei Babys kann das pfeifende Einatmen fehlen. Stattdessen kommt es zu Atempausen, angestrengter Atmung oder einer bläulichen Verfärbung. Auch geimpfte Kinder haben oft keinen klassischen „Keuchhusten“-Klang, sondern nur lang anhaltenden, trockenen Husten. Eine akute Bronchitis oder andere Atemwegsinfektion können ebenfalls heftigen Husten verursachen. Entscheidend sind Verlauf, Begleitsymptome und gegebenenfalls ein Test.

Ist Krupp­husten gleich Keuch­husten?

Nein. Pseudokrupp ist meist eine durch Viren ausgelöste Entzündung und Schwellung am Kehlkopf. Die Beschwerden beginnen oft plötzlich abends oder nachts: Typisch sind ein bellender, „hundeartiger“ Husten, Heiserkeit und ein pfeifendes oder raues Geräusch beim Einatmen. Der typische Pseudokrupphusten klingt meist innerhalb von 2 Tagen wieder ab.

Bei Keuchhusten stehen dagegen Hustenanfälle über viele Wochen im Vordergrund. Das keuchende Geräusch entsteht typischerweise nach einer Hustenserie beim Einatmen. Bei starker Atemnot, sichtbarem Einziehen der Haut zwischen den Rippen, bläulichen Lippen oder Teilnahmslosigkeit gilt: sofort 112 rufen.

Was tun bei Verdacht auf Keuch­husten?

Bei einem Säugling mit krampfartigem Husten, Atempausen, bläulicher Haut oder Atemnot brauchst du sofort medizinische Hilfe: Rufe bei akuter Atemnot die 112 an. Auch ohne akute Atemnot sollten Babys und Kleinkinder mit typischen Hustenanfällen zeitnah kinderärztlich untersucht werden. Das gilt ebenso bei Husten über 2 Wochen, Hustenanfällen mit Keuchen oder Erbrechen oder engem Kontakt zu Erkrankten. Außerhalb der Sprechzeiten hilft bei dringenden, nicht lebensbedrohlichen Beschwerden die 116117.

Wenn du zu deiner Kinderärztin bzw. deinem Kinderarzt fährst, informiere die Praxis vorab, statt mit deinem hustenden Kind unangekündigt im Wartezimmer zu sitzen. So kann das Team andere Kinder, Eltern und sich selbst schützen.

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Wie wird Keuch­husten sicher diagnostiziert?

Für die Diagnose wird dein Kind in der Praxis zunächst körperlich untersucht. Die Ärztin bzw. der Arzt fragt, seit wann der Husten besteht, wie er klingt und ob er in Anfällen auftritt. Auch wichtig ist, ob dein Kind beim Einatmen keucht, zähen Schleim hervorwürgt oder erbricht und ob es Kontakt zu einer an Keuchhusten erkrankten Person hatte.

Außerdem beurteilt die Ärztin bzw. der Arzt den Allgemeinzustand und achtet auf mögliche Atemprobleme. Bei Säuglingen sind insbesondere Atempausen, angestrengte Atmung und eine bläuliche Verfärbung der Haut Warnzeichen. Je nach Alter und Zustand werden zusätzlich die Atemfrequenz und die Sauerstoffsättigung kontrolliert.

Zur Absicherung wird meist ein Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum genommen und im Labor untersucht. Je nach Krankheitsdauer und Situation kann auch eine Blutuntersuchung sinnvoll sein. Auch dann, wenn dein Kind gegen Keuchhusten geimpft ist, da die Erkrankung bei geimpften Kindern oft weniger typisch verläuft.

Wie wird Keuch­husten behandelt?

Keuchhusten wird mit einem verschreibungspflichtigen Antibiotikum behandelt. Wird das Medikament frühzeitig – also in den ersten 1-2 Wochen des Hustens – gegeben, kann es die Anfälle abschwächen und verkürzen. Später verkürzt es den Husten meist nicht mehr, verringert aber die Ansteckungsfähigkeit. Antibiotika solltest du nur nach ärztlicher Verordnung geben.

Zusätzlich helfen Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und kleine, häufige Mahlzeiten bei Erbrechen. Während eines Anfalls sitzt dein Kind am besten aufrecht und leicht nach vorn gebeugt. Rauch und starke Anstrengung können reizend wirken. Hustensäfte bringen meist keine deutliche Besserung.

Neugeborene und junge Säuglinge werden bei Keuchhusten in der Regel stationär überwacht. So können Atempausen, Sauerstoffmangel und Probleme beim Trinken oder Abhusten früh erkannt und behandelt werden.

Ist eine Keuch­husten-Impfung sinnvoll?

Ja, bei geimpften Kindern verläuft die Erkrankung meist milder, sodass typische Keuchhustenanfälle, Keuchen und Erbrechen ausbleiben können. Deshalb sollte auch ein scheinbar harmloser, aber lang anhaltender trockener Husten immer ärztlich abgeklärt werden.

Die STIKO empfiehlt für Babys, die nicht zu früh geboren wurden, 3 Impfungen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten. Frühgeborene sollen 4 Impfungen im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten erhalten. Auffrischungen sind mit 5-6 sowie mit 9-16 Jahren vorgesehen. Verpasste Impfungen sollten nachgeholt werden.

Auch in jeder Schwangerschaft empfiehlt die STIKO eine Impfung gegen Keuchhusten. Sie sollte zu Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels, also ab der 28. Schwangerschaftswoche, erfolgen. Besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt, soll die Impfung bereits im 2. Schwangerschaftsdrittel stattfinden. Diese Empfehlung gilt unabhängig davon, wann zuletzt gegen Keuchhusten geimpft wurde. Die mütterlichen Antikörper gehen auf das ungeborene Kind über und können es in den 1. Lebenswochen schützen.

Auch Erwachsene sollten ihren Pertussis-Schutz prüfen lassen – besonders, wenn sie engen Kontakt zu Babys haben. Die Pronova BKK übernimmt die Kosten für die empfohlenen Impfungen.

Ansteckung in Kinder­garten und in der Schule

Keuchhusten kann bereits kurz vor den ersten Beschwerden übertragen werden. Am höchsten ist die Ansteckungsgefahr in den ersten 2 Krankheitswochen. Ohne Antibiotikum kann ein erkranktes Kind noch bis zu 3 Wochen nach Beginn der typischen Hustenanfälle ansteckend sein. Eine Behandlung mit Antibiotika verkürzt diese Zeit in der Regel auf etwa 5 Tage nach Beginn der Therapie.

Bei Verdacht oder bestätigtem Keuchhusten darf dein Kind Kindergarten oder Schule zunächst nicht besuchen. Informiere die Einrichtung. Nach 5 Tagen Antibiotikatherapie ist die Rückkehr in der Regel möglich, sofern es deinem Kind wieder gut genug geht. Ohne Antibiotikum sollte es frühestens 3 Wochen nach Beginn der Hustenanfälle wieder in die Kita oder zur Schule gehen.

Bis zum Ablauf dieser Frist sollte dein Kind auch keinen engen Kontakt zu Babys oder Menschen mit chronischen Erkrankungen haben.

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Autor: Onlineredaktion Pronova BKK Zuletzt aktualisiert: 30.09.2026